Fünffache Paralympics-Medaillengewinnerin Huckaby: »Bewusstsein schärfen«
Foto: Matthias Trinkl / IMAGOSnowboarderin Huckaby bei den Paralympics Bei ihr lösen sich die Grenzen auf
Die US-amerikanische Snowboarderin Brenna Huckaby ist eine der schillerndsten Athletinnen der Paralympics. Auf der Piste, aber vor allem auch daneben.
Aus Tesero berichtet Annika Schultz
13.03.2026, 17.44 Uhr
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Brenna Huckaby fällt auf. Sie hat ihr Snowboard mit Katzenbildern bemalt, lila Haare schauen unter dem Helm hervor und ihre Wangen glitzern in der Frühlingssonne von Cortina silbern.
Aber es ist ihr rechtes Bein, das die meisten Blicke bei den Paralympischen Winterspielen in Norditalien auf sich zieht. Fast demonstrativ trägt sie die Hose auf der rechten Seite hochgekrempelt. Jeder soll sehen: Anders als bei ihren Konkurrentinnen im Banked Slalom ist ihr Bein oberhalb des Knies amputiert.
Mit 14 Jahren verlor Huckaby ihr rechtes Bein. Ein aggressiver Tumor zwang die Ärzte zur Amputation. Eigentlich wollte sie Turnerin werden und hoffte auf ein Stipendium an einem College. Der Traum zerplatzte.
Dass sie bei diesen Paralympics überhaupt an den Start geht, ist ein großer Erfolg. Schließlich hat sie ihn vor Gericht erstritten.
»Ich weiß, dass irgendwo da draußen ein kleines Mädchen mit einer Oberschenkelamputation ist, das sehen will, wie ihr Leben aussehen könnte.«
Brenna Huckaby, Snowboarderin
Huckaby, 30, gehört zu den weltweit besten Para-Snowboarderinnen. 2018 wurde sie Doppel-Paralympicssiegerin in der Klasse LL1, in der unter anderem oberschenkelamputierte Sportlerinnen antreten. Kurz vor den Spielen 2022 aber folgte der große Rückschlag: Ihre Kategorie wurde gestrichen. Zu wenig Starterinnen, hieß es vom Internationalen Paralympischen Komittee (IPC).
Huckaby und die Französin Cécile Hernandez klagten dagegen. Sie wollten wenigstens in einer anderen Klasse starten, obwohl Snowboarden für sie deutlich schwieriger als für ihre Konkurrenz ist. Die Gerichte gaben Huckaby und Hernandez recht.
Hernandez gewann im Snowboardcross Gold, Huckaby holte die Bronzemedaille. Im Banked-Slalom wurde Huckaby erneut Olympiasiegerin.
Das zeigt, was für eine überragende Athletin Huckaby ist. Aber noch viel mehr, wie wichtig es ihr ist, Menschen mit ihrer Behinderung zu repräsentieren. Sie wollte unbedingt starten, trotz sportlicher Nachteile. »Ich wäre nicht hier, wenn ich 2014 in Sotschi nicht andere Frauen wie mich gesehen hätte«, sagt sie in einer ZDF-Dokumentation . In Sotschi fanden 2014 die Paralympics statt.
»Ich weiß, dass irgendwo da draußen ein kleines Mädchen mit einer Oberschenkelamputation ist, das sehen will, wie ihr Leben aussehen könnte.«
Athletin Huckaby: Lila Haare als Markenzeichen
Foto: Alexandra Blum / action press
Huckaby in Aktion: Superstar der Szene
Foto: Stoyan Nenov / REUTERSIm paralympischen Sport wird oft erzählt, wie die Athletinnen und Athleten vermeintliche Schicksalsschläge verarbeiten, auf welche Hürden sie im Alltag stoßen. Diese Geschichten berühren Menschen. Sie zeigen, wie man sich auf fast jede Veränderung im Leben einstellen kann.
Manchmal geht dabei verloren, dass Behinderungen das Leben der Sportlerinnen und Sportler zwar prägen, aber nicht definieren.
Alltag statt Stereotype
Huckaby hat gemeinsam mit den drei Paraolympioniken Chuck Aoki, Dani Aravich und Ryan Neiswender den Instagram-Kanal «Culxtured« gegründet. »Wir wollen das Bewusstsein für die unglaublichen sportlichen Leistungen der Para-Athletinnen und -Athleten schärfen. Wir nehmen unsere eigene Geschichte wieder in die Hand«, sagen Huckaby und Aravich in einem Video.
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Auf ihrem eigenen Kanal folgen Huckaby gut 120.000 Accounts. In ihren Beiträgen spricht sie etwa über ihre Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). »Wenn ich nicht so reagiere, wie ich will, weil ich impulsiv bin und mit meinen Emotionen kämpfe, stürzt mich das in Depressionen«, sagt sie.
ADHS wirke sich auf ihr ganzes Leben aus. »Ich versuche weiterhin herauszufinden, wie ich alles am besten manage.« Sie befindet sich in Therapie, nimmt Medikamente.
Huckaby: Vorbild für viele Athletinnen
Foto: Evgeniy Maloletka / APMit 19 Jahren wurde Huckaby Mutter, heute zieht sie zwei Töchter groß. Einblicke teilt sie auf Instagram. »Es gibt Momente, in denen ich sage: Mama hat gerade zu kämpfen und braucht eine Pause.«
Sie hatte nichts zu verlieren und gewann Bronze
Ihre Familie habe viel für ihre Karriere geopfert. Vor den Paralympics in Italien habe sie versprochen, sich vom Druck des Leistungssports zu lösen, sagte sie dem NBC. »Ich habe nichts mehr zu beweisen, weder der Welt noch mir selbst.« Der größte Erfolg sei, dass ihr Partner und ihre Töchter im Zielraum auf sie warten.
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In Cortina schied Huckaby im Snowboardcross aus, im Banked-Slalom gewann sie Bronze, in der Klasse LL2.
Mittlerweile gäbe es genug Athletinnen in der Klasse LL1, so Huckaby. »Wenn sie in der nächsten Saison wie geplant wieder an den Start gehen, werden wir uns für eine eigene Kategorie einsetzen«, sagt sie. »Sonst gibt es mich 2030 nicht mehr.«
Für die paralympische Bewegung wäre das ein Verlust.

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