ORF: Belästigungsvorwürfe gegen den Intendanten Roland Weißmann

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 »Schaden vom Unternehmen abwenden«

Ex-ORF-Chef Weißmann: »Schaden vom Unternehmen abwenden«

Foto: Joe Klamar / AFP

meinung Die Lage: Inside Austria Skandal zur Unzeit

Der Chef des Österreichischen Rundfunks ist zurückgetreten, eine Mitarbeiterin wirft ihm sexuelle Belästigung vor. Der Sender steht vor einer ungewissen Zukunft.

14.03.2026, 19.11 Uhr

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Österreichs größtes Medienhaus wird von einem Skandal erschüttert: Der ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist vergangenen Sonntag zurückgetreten. Eine Mitarbeiterin hatte ihm vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben und legte dem ORF-Stiftungsrat offenbar belastendes Material vor: Bilder, Videos und Textnachrichten. Das Gremium setzte dem Generaldirektor eine Frist von wenigen Tagen für seinen Rückzug. Weißmann bestreitet über seinen Anwalt jegliches Fehlverhalten und behauptet, eine einvernehmliche Beziehung mit der Mitarbeiterin gehabt zu haben. Trotzdem räumte er am 8. März seinen Posten, angeblich, um »Schaden vom Unternehmen abzuwenden«.

Brisant ist auch der Zeitpunkt, an dem die Vorwürfe publik wurden. Die mutmaßlichen Belästigungsvorfälle liegen bereits vier Jahre zurück. Zugleich steht in wenigen Monaten die Wahl des neuen ORF-Generaldirektors an.

Weißmann, der der konservativen Volkspartei nahesteht, hatte gute Aussichten auf eine Wiederwahl. Im ORF-Kosmos hatte er aber auch Widersacher, unter anderem den ORF-Manager Pius Strobl, dem Weißmann offenbar eine Rentenzusage verweigerte.

Strobl steht angeblich in einem engen Verhältnis zu der Frau, die die Belästigungsvorwürfe gegen Weißmann erhoben hat. Hat Strobl die Mitarbeiterin zu dem Schritt ermutigt, um Weißmann unter Druck zu setzen? Strobl bestreitet das auf Anfrage des »Standard« .

Es wäre nicht der erste Fall von sexueller Belästigung in der Geschichte des ORF. Und auch, wenn nicht bekannt ist, was genau zwischen Weißmann und der Mitarbeiterin vorgefallen sein soll: Es dürften Belege dafür vorliegen, die ihm zumindest so unangenehm sind, dass er eine Veröffentlichung nicht riskieren wollte – und lieber zurücktrat.

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Wie beim ORF gerade eine problematische Unternehmenskultur und Machtkämpfe ineinandergreifen, darüber sprechen wir mit »Standard«-Medienredakteur Harald Fidler. Und wir fragen, wie sehr der ORF jetzt unter Druck steht.

Wie sich der Irankrieg auf Österreich auswirkt

Das innenpolitische Thema der Woche beschreibt mein Kollege Oliver Das Gupta, Autor beim SPIEGEL und beim »Standard«:

In Österreich wirkt sich der Krieg im Nahen und Mittleren Osten deutlich aus. An der Zapfsäule kostet Benzin und Diesel zwar nicht ganz so viel wie in Deutschland . Aber die Bundesregierung in Wien versucht, mit einem Maßnahmenpaket weitere Preissteigerungen zu dämpfen. So dürften Tankstellen nur noch dreimal pro Woche den Sprit verteuern – in Deutschland soll es eine ähnliche, weniger strenge Regelung geben. Österreich beteiligt sich außerdem an der Freigabe strategischer Ölreserven ; es drängt auf eine Reform des Strommarkts und will den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen.

Schon in den Wochen vor dem Kriegsbeginn waren die Spannungen in Wien zu spüren. Vor der Botschaft der Islamischen Republik und anderswo in der Stadt protestieren Hunderte Regimegegner lautstark  und schwenkten Fahnen, auf denen ein goldener Löwe samt Sonne prangt – die Flagge aus der Schah-Zeit.

Nach dem Tod des iranischen Staatsoberhaupts Ali Khamenei kam es im Wiener Bezirk Floridsdorf zu Gewalt: Anhänger und Gegner des Revolutionsführers prügelten aufeinander ein, es gab Verletzte. Im Wiener Museum für angewandte Kunst interpretierten Künstler unterdessen ein Epos aus dem 12. Jahrhundert: die »Konferenz der Vögel« des persischen Dichters Fariduddin Attar.

Auch in Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs, sind Gegner und Anhänger des iranischen Regimes aktiv. Das zeigt sich etwa auf der Erzherzog-Johann-Brücke, die sich über die Mur spannt. Die Geländer hängen voller Bügelschlösser, die Liebespaare mit Blick auf den berühmten Grazer Uhrturm befestigt haben. Dort brachten Regimegegner Schilder an, auf denen Fotos zu sehen sind: Erinnerungen an Mädchen und Frauen, die von den Schergen der Mullahs verschleppt, gefoltert und ermordet wurden . Wenige Stunden später wurden die Schilder abgerissen.

Ihre Lucia Heisterkamp, Co-Host des Podcasts »Inside Austria« (DER SPIEGEL)

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