Acht der größten Ölkonzerne haben ihre Gewinne im Frühjahresquartal im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die neuen Zahlen heizen die Debatte über eine Übergewinnsteuer an.
05.08.2026, 14.58 Uhr
Anlage von Saudi Aramco: Stärkster Profiteur
Foto: Ahmed Jadallah / REUTERSWährend der Irankrieg tobte und Hitzewellen Menschen und Tieren in Europa und anderswo Probleme bereiteten, haben acht der größten Ölkonzerne zwischen April und Juni Gewinne in Höhe von knapp 93 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das geht aus einem Bericht hervor, für den der britische »Guardian « die Quartalszahlen der Firmen auswertete. Gegenüber den knapp 50 Milliarden Dollar aus dem Vorjahreszeitraum hätten sie ihre Gewinne zusammengerechnet fast verdoppelt, heißt es.
Dem »Guardian« zufolge erzielten die acht Ölkonzerne – Saudi Aramco, BP, Shell, Equinor, TotalEnergies, Eni, Chevron und ExxonMobil – im Frühjahrsquartal jede Minute einen Gewinn von mehr als 700.000 US-Dollar. Ihre Marktbewertungen seien insgesamt um rund 600 Milliarden Dollar auf über drei Billionen Dollar gestiegen. Das Quartal ist das erste vollständige, nachdem die USA und Israel den Irankrieg begonnen hatten, was die weltweiten Ölpreise auf Höchststände von mehr als 126 Dollar pro Barrel steigen ließ.
Am stärksten profitierte laut dem Bericht die staatliche saudi-arabische Ölgesellschaft Saudi Aramco vom Frühjahresquartal. Der Gewinn sei in diesen drei Monaten um 34 Prozent auf über 33 Milliarden US-Dollar gestiegen, heißt es – und das, obwohl Saudi Aramcos Infrastruktur durch Drohnen- und Raketenangriffe iranischer und Huthi-Kräfte beschädigt wurde. Noch stärker fielen allerdings die kriegsbedingt gestiegenen Preise für Öl und Kraftstoffe ins Gewicht.
Der Datenbank »Carbon Majors « zufolge ist Saudi Aramco für mehr CO₂-Emissionen verantwortlich als jedes andere Unternehmen in der Geschichte, gefolgt von Chevron und ExxonMobil. Shell und BP sind ebenfalls unter den zehn stärksten Verschmutzern.
Eine im vergangenen Herbst im Fachjournal »Nature« erschienene Studie zeigte, wie mitverantwortlich Ölkonzerne für Hitzewellen sind. So habe der menschengemachte Klimawandel die Hitzewellen der Jahre 2000 bis 2023 den Berechnungen zufolge erheblich wahrscheinlicher und intensiver gemacht. Rund ein Viertel der dokumentierten Ereignisse seit 2000 hätte es ohne den Klimawandel sehr wahrscheinlich nicht gegeben, heißt es.
Dabei seien die 14 größten Verursacher von CO₂- und Methanemissionen für 30 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. Dazu zählt das Forscherteam unter anderem Saudi Aramco, Gazprom, ExxonMobil, Chevron, die National Iranian Oil Company, BP und Shell.
Die neue Vorstandsvorsitzende von BP, Meg O’Neill, verteidigte die Gewinne des Unternehmens mit der Begründung, man konzentriere sich »auf die Dinge, die wir tun können, um zur Bewältigung der Situation beizutragen«, wie beispielsweise mangelnde Ölprodukte zu produzieren.
BP hatte im vergangenen Jahr einen grundlegenden Neustart verkündet und seine Ausgaben für erneuerbare Energien drastisch gekürzt. Seitdem setzt BP wieder auf fossile Energien. Derzeit will BP etwa sein US-Biogas-Geschäft Archaea verkaufen, das der Konzern erst 2022 für 4,1 Milliarden Dollar erworben hatte.
Debatte über Übergewinnsteuer – selbst Trump äußert sich kritisch
Bislang konnte sich die deutsche Politik in der Spritpreiskrise nicht zu einer Übergewinnsteuer gegen die hohen Renditen der Ölkonzerne durchringen. Das ist eine Sonderabgabe, die in Situationen eingesetzt werden kann, in denen Unternehmen besonders von Krisen profitieren.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei »grundsätzlich offen für die Diskussion, sehe aber eben auch steuerrechtliche und verfassungsrechtliche Risiken von betroffenen Unternehmen«, sagte ein Regierungssprecher kürzlich in Berlin. Er verwies darauf, dass eine solche Regelung von betroffenen Unternehmen vor Gericht angefochten werden könnte, was auch schon bei einer früheren Regelung geschehen sei.
Neben den Grünen will auch das Bundesfinanzministerium Übergewinne abschöpfen, setzt dabei aber auf eine europäische Lösung. »Weitere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Italien unterstützen dieses Anliegen. Dazu findet ein steter Austausch statt«, teilte das Ministerium auf SPIEGEL-Anfrage mit. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) habe »deutlich gemacht, dass es in der aktuellen Krise, die viele Menschen hart trifft, keine Abzocke durch Energiekonzerne geben darf. Übermäßige Krisenprofite müssen an die Verbraucherinnen und Verbraucher zurückgegeben werden.«
Die portugiesische Regierung hat eine solche Maßnahme bereits beschlossen. Am Dienstag sagte sogar der sonst so ölfreundliche US-Präsident Donald Trump, dass die Konzerne »zu viel Geld« verdienten und »einen Teil davon an die Öffentlichkeit zurückgeben« sollten.
Das Bundeskartellamt prüft unterdessen detailliert die von Raffinerien verlangten Spritpreise. »Wir haben Verfahren gegen sämtliche Raffineriebetreiber in Deutschland eingeleitet«, sagte Präsident Andreas Mundt. »Ziel ist die Überprüfung, welche Kosten den Unternehmen tatsächlich entstanden sind, wie diese den verschiedenen Geschäftsbereichen zuzuordnen sind und ob die verlangten Preise hierdurch gerechtfertigt werden können.«
-
3 Min
-
2 Min
-
7 Min
Die Raffineriepreise gelten als wichtiger Faktor für die Schwankungen der Spritpreise. Schnelle Erfolge stellt das Kartellamt allerdings nicht in Aussicht: Das Kartellrecht sei »kein Instrument staatlicher Preisregulierung und kann Kraftstoffpreise nicht unmittelbar senken«, heißt es von dort. »Aufgabe des Bundeskartellamtes ist es vielmehr, Wettbewerbsverstöße und missbräuchlich überhöhte Preise konsequent zu verfolgen. Dies setzt komplexe wirtschaftliche und rechtliche Prüfungen voraus, die gerichtsfest sein müssen und sich daher nicht innerhalb kurzer Zeit abschließen lassen.«
Der Mineralölwirtschaft zufolge ist die Prüfung offenbar nicht einfach. Der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Fuels & Energy, Christian Küchen, sprach bei »WDR 5 Echo« von einem riesigen Problem, die nötigen Daten zu beschaffen. Diese lägen zum großen Teil in Unternehmen nicht vor.
Küchen zufolge können in einer komplexen Raffinerieproduktion, in der nicht nur Benzin und Diesel, sondern sehr viele andere Produkte entstünden, Kosten nicht einzelnen Energieträgern oder Produkten zugeordnet werden. Es gebe gar keine anerkannten Verfahren. »Es ist überhaupt nicht trivial, diese Kosten zuzuordnen«, sagte er.

vor 13 Stunden
1










English (US) ·