News: Sprengstoffdrohne auf Flughafen Leipzig, Niedrigwasser und die Folgen, Kassem Taher Saleh und Depression, Klaus Wowereit im Berliner Wahlkampf

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Die Lage am Morgen Ist Deutschland der Drohnengefahr schutzlos ausgeliefert?

Heute geht es um Sicherheitslücken bei der Drohnenabwehr. Um die Folgen des Niedrigwassers für die Wirtschaft. Und um einen jungen sächsischen Grünenabgeordneten, der Mut beweist.

07.08.2026, 05.57 Uhr

Busfahrer mit Anti-Drohnen-Fähigkeiten

Da sichtet also ein aufmerksamer Busfahrer am späten Dienstagabend auf dem Rollfeld des Flughafens Halle/Leipzig eine Drohne neben einem ukrainischen Frachtflugzeug und tritt sie zu Boden. Der Mann konnte in dem Moment nicht wissen, dass das Gerät militärischen Sprengstoff trug. Dass er nur knapp einer Katastrophe entkam.

Ukrainische Antonow auf Flughafen Leipzig/Halle: Knapp vorbei an der Katastrophe

Ukrainische Antonow auf Flughafen Leipzig/Halle: Knapp vorbei an der Katastrophe

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Der Einsatz des Busfahrers war beherzt. Er ist aber auch ein Sinnbild für den kläglichen Stand der Drohnenabwehr in Deutschland. Feindliche Drohnen, so scheint es, werden hierzulande mit Hand und Fuß bekämpft.

Erstmals ist nun eine Drohne mit Sprengsatz im deutschen Luftraum aufgetaucht (mehr dazu hier ). Verdächtige Drohnenflüge sind aber kein neues Phänomen. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden an den bundesweit 15 internationalen Verkehrsflughäfen 166 solcher Flugobjekte gemeldet, wie die Deutsche Flugsicherung mitteilt. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 101 Fälle gewesen.

Die Bundeswehr, Polizeibehörden und Einrichtungen kritischer Infrastruktur rüsten auf. Aber offensichtlich hinken die Möglichkeiten zur Drohnenabwehr der realen Bedrohung hinterher. Ist Deutschland der Gefahr durch Drohnen ausgeliefert? Das habe ich meinen Kollegen Marcel Rosenbach gefragt, der sich mit Drohnentechnologie gut auskennt.

»Forderungen nach wirksamer und zuverlässiger Drohnenabwehrtechnik sind berechtigt«, sagt Marcel. »Zur Wahrheit gehört aber leider auch: Die Technologie ist inzwischen so günstig, ausgereift und leicht zugänglich, dass ein vollständiger Schutz dagegen kaum möglich scheint. Zumal verschiedene Drohnentypen unterschiedliche Abwehrsysteme erfordern.«

Sprung ins (wenige) kalte Wasser

Es ist immer gut, wenn man im neuen Job Zeit hat, sich einzuarbeiten. Erst mal die Abläufe und das Team kennenlernt, bevor es dann richtig losgeht. Steffen Bilger hatte kaum Zeit dafür. Erst vor wenigen Tagen übernahm der CDU-Politiker das Amt des Bundesverkehrsministers. Und schon muss er seine erste Krisenlage meistern.

 Im Krisenmodus

Verkehrsminister Bilger an der Donau: Im Krisenmodus

Foto: Armin Weigel / dpa

Die extrem niedrigen Wasserstände an Rhein, Donau und Elbe (mehr hier ) werden zum Standortproblem für die deutsche Wirtschaft. Die Binnenschifffahrt auf Europas wichtigsten Wasserstraßen ist beeinträchtigt. Besonders betroffen ist der Transport von Produkten wie Kohle, Baustoffen und Mineralölen.

Bilger fordert, das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw auszusetzen, die solche Güter befördern. Zwar würde dies nichts an den dramatisch niedrigen Pegelständen ändern, aber es wäre eine Sofortmaßnahme, um Lieferengpässe abzumildern. Geplante Baustellen auf Autobahnen sollen, wenn möglich, verschoben werden, um den Verkehr nicht zu behindern. Fehlt nur noch die Zustimmung der Länder zur Aussetzung des Fahrverbots.

Der Minister dringt zudem darauf, mehr Transporte auf Güterzüge zu verlagern. Die Deutsche Bahn habe hierfür Unterstützung zugesichert, sagte er am Donnerstag nach dem von ihm einberufenen »Spitzengespräch Niedrigwasser« in Bonn.

Bilger wirkt zupackend in der neuen Rolle. Womöglich liegt das daran, dass er sich mit der Materie auskennt. Er war von 2018 bis 2021 Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium und Koordinator der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik. Fachkompetenz ermöglicht eine kürzere Einarbeitungszeit.

Macht der Bundestag krank?

Die Arbeit im Bundestag bringt Privilegien mit sich. Die Abgeordneten haben Macht, sie nehmen Einfluss auf Gesetze, können Debatten prägen, Bekanntheit erlangen. Das ist die eine, die offensichtliche Seite des Abgeordnetenjobs. Es gibt aber auch eine andere, weniger glanzvolle Seite.

 »Darf nicht verletzlich sein«

Kassem Taher Saleh in Berlin: »Darf nicht verletzlich sein«

Foto: Gordon Welters / DER SPIEGEL

Als Hauptstadtkorrespondentin saß ich gelegentlich Abgeordneten gegenüber, die von der Last ihres Amts berichteten. Sie sprachen dann über Arbeitstage, die erst spätnachts enden, über zermürbende Machtkämpfe in der Partei und den ständigen Druck, auf Social Media präsent zu sein. Fast immer waren das vertrauliche Gespräche, denn kaum ein Politiker, kaum eine Politikerin möchte öffentlich Schwächen eingestehen.

Umso bemerkenswerter ist der Schritt, zu dem sich der Grünenpolitiker Kassem Taher Saleh entschloss. Der 33-jährige Abgeordnete aus Sachsen hat meinem Kollegen Severin Weiland von seiner Depression erzählt (mehr zum Thema Depression hier ).

Über seine Erkrankung zu reden, sei ihm nicht leichtgefallen. »Als Mann und als migrantischer Politiker hatte ich dieses Bild von mir – ich muss stark sein, ich darf nicht verletzlich sein«, berichtet Taher Saleh. Doch im Frühjahr 2025 habe er gemerkt, dass er Hilfe benötigt; später wurde er in eine Klinik überwiesen.

Severin stellt einen jungen Politiker vor, der unter den Anforderungen des Politikbetriebs gelitten hat und diese nicht mehr tatenlos erdulden möchte. Lesenswert!

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Verlierer des Tages …

... ist Stefan Evers, Spitzenkandidat der CDU für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September.

Plakat mit CDU-Spitzenkandidat Evers

Plakat mit CDU-Spitzenkandidat Evers

Foto: Volodymyr Sindieiev / picture alliance

Seit einigen Tagen lässt Evers in der Hauptstadt Plakate von sich aufstellen, darauf die Botschaft: »Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so.« Es soll eine ironische Anspielung auf das Coming-out des einstigen Berliner SPD-Bürgermeisters Klaus Wowereit sein, der vor 25 Jahren bekannte: »Ich bin schwul – und das ist auch gut so.« Auch Evers lebt mit einem Mann zusammen.

Evers' abgewandelter Slogan soll wohl aussagen, dass homosexuelle Menschen nicht zwangsläufig links ticken. Oder aber, dass auch konservative Menschen schwul sein können. Was auch immer Evers' Botschaft ist, er dürfte damit kaum noch durchdringen. Die SPD pocht auf das Copyright. Ihr Spitzenkandidat Steffen Krach postete in sozialen Medien: »Berlin ist nicht konservativ. Und das ist auch gut so.« Dazu ein Bild von Krach mit Wowereit. Die Sozialdemokraten wissen Evers' Vorlage zu nutzen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Gericht verdonnert Meta wegen Gefährdung von Kindern zu 567 Millionen US-Dollar Strafe: Tut Meta genug, um Minderjährige auf seinen Plattformen vor Abhängigkeit und sexueller Ausbeutung zu schützen? Ein Richter in den USA sagt: nein. Und bittet den Konzern zur Kasse. Der gibt sich trotzig.

  • USA verteuern Import des Grundstoffs für Chips und Solarzellen: Mit Zöllen und Mindestpreisen will US-Präsident Trump die heimische Polysilizium-Produktion vor Billigimporten schützen. Aus dem Material werden Halbleiter hergestellt. Ein deutsches Unternehmen könnte von den Maßnahmen profitieren.

  • Norwegen meldet »äußerst ungewöhnliche« Todesfälle von Rentieren: Während der strengen Winter auf Spitzbergen sterben immer wieder Rentiere. Nun sind – mitten im Sommer – ungewöhnlich viele erwachsene Tiere auf der Inselgruppe verendet. Forscher suchen nach einer Erklärung.

Heute bei SPIEGEL Extra: Was Köchin Clara Hunger bei Oma Helga übers Essen gelernt hat

Foto:

Elissavet Patrikiou

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