News: Donald Trump, Grönland, Friedrich Merz, Johann Wadephul, Mario Draghi, Luis Bobga, Rasha Nasr

vor 7 Stunden 1

Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar.

Podcast Cover

Europa ändert seine Taktik

Diese Woche könnte eine Zäsur in der europäischen Nachkriegsgeschichte markieren. Die Europäer geben sich entschlossen, den imperialen Gelüsten von US-Präsident Donald Trump etwas entgegenzusetzen. Mit seinem Griff nach Grönland hat Trump aus Sicht vieler in der EU eine rote Linie überschritten. Eine einseitige Verschiebung von Grenzen, ob nun mit Geld oder Gewalt herbeigeführt, möchten sie nicht hinnehmen.

Die transatlantische Freundschaft scheint vorbei. Die EU bietet den USA die Stirn.

 Neue Härte

EU-Spitzenpolitiker Ursula von der Leyen, Emmanuel Macron, Friedrich Merz im Oktober: Neue Härte

Foto:

Olivier Hoslet / EPA

Das Europäische Parlament wird, anders als geplant, in dieser Woche nicht dem ausgehandelten EU-Handelsabkommen mit den USA zustimmen. Es sah 15 Prozent Zollsätze für EU-Waren in den USA und Zollfreiheit für US-Waren in der EU vor. Sollte es im neuen Zollstreit keine rasche Einigung geben, würden die bereits im Juli von der EU beschlossenen Gegen-Strafzölle im Umfang von 93 Milliarden Euro etwa für US-Bourbon, ‌Flugzeugteile, Sojabohnen und Geflügel automatisch am ​6. Februar in Kraft treten.

Die EU setzte die Verhängung dieser Zölle aus, nachdem sie sich mit Washington auf ein Handelsabkommen geeinigt hatte. Jetzt packt sie ihren Zollhammer wieder aus, als Reaktion auf den jüngsten Erpressungsversuch Trumps (mehr dazu hier ).

Der US-Präsident hat für Deutschland und sieben weitere Nato-Staaten, die in der vergangenen Woche eine überschaubare Anzahl von Soldaten für eine Erkundungsmission nach Grönland entsandten, Strafzölle angekündigt. Die Zollsätze würden so lange steigen, erklärte Trump, bis die Europäer einem Kauf Grönlands zustimmten (hier  mehr dazu, warum Trump Grönland haben will).

Die Europäer haben offenbar verstanden, dass sie mit ihrer Taktik der Unterwürfigkeit bei Trump kaum etwas ausrichten können. Also probieren sie es nun mit Härte. Sie hoffen, dass dies Trump zum Einlenken bewegt, wenn er Mitte der Woche ins schweizerische Davos reist und dort am Rande des Weltwirtschaftsforums mit europäischen Spitzenpolitikern über Grönland spricht.

Die Bundesregierung trägt den Kurs der klaren Kante mit, ist dabei aber leiser, zurückhaltender als andere. So verzichtete Bundeskanzler Friedrich Merz am Wochenende auf markige Aussagen in Richtung Washington. Und trotz der Kampfansage aus dem Weißen Haus beteuerte sein Außenminister Johann Wadephul, die USA stünden weiterhin »voll und ganz« zur Nato und zur Verteidigung Europas, da gebe es »überhaupt keinen Zweifel« (mehr dazu hier). Es klang so, als hätte der Minister die Nachrichten vom Wochenende verpasst.

Euro-Retter mit neuer Mission

Ob sich die Europäer aus der Abhängigkeit von den USA befreien können, hängt maßgeblich von ihrer ökonomischen Stärke ab (mehr zu dieser Abhängigkeit hier in der SPIEGEL-Titelstory ). Ihr Problem: Die USA, aber auch China sind den Europäern in wichtigen Zukunftsbranchen enteilt. Wie können die Europäer aufschließen?

 Besuch bei Friedrich Merz

Mario Draghi (im September 2024): Besuch bei Friedrich Merz

Foto:

Yves Herman / REUTERS

Darüber hat sich Mario Draghi Gedanken gemacht. Im September 2024 stellte der einstige Chef der Europäischen Zentralbank und spätere Ministerpräsident Italiens einen nach ihm benannten Report vor, mit vielen konkreten Maßnahmen, die den Staaten der EU zu größerer Produktivität und mehr Wirtschaftswachstum verhelfen könnten. Allerdings fanden die Empfehlungen Draghis, der einst die Eurostaaten erfolgreich durch die Währungskrise steuerte und dafür in diesem Jahr mit dem renommierten Karlspreis geehrt wird, bisher kaum Beachtung (hier erfahren Sie mehr).

Heute Nachmittag ist Draghi zu Besuch bei Friedrich Merz, es soll um neue Ideen für ein wettbewerbsfähiges Europa gehen. Vieles von dem, was Draghi anregt, deckt sich mit dem, was Merz will. Etwa weniger Bürokratie für Unternehmen und stärker integrierte Finanzmärkte. Doch bei der Frage, woher das Geld für massive Investitionen in neue Technologien kommen soll, sind Draghi und Merz sich nicht einig. Draghi will EU-Gemeinschaftsschulden, Merz ist dagegen. Jedenfalls bisher. Die neue Feindseligkeit der USA dürfte auch die Debatte über Investitionen in Europas Zukunft neu beleben.

Diese jungen Leute

Viele Grüne atmeten auf, als Jette Nietzard im Herbst vergangenen Jahres ihr Amt als Co-Chefin der Grünen Jugend abgab. Immer wieder hatte Nietzard die Grünen mit ihrem Hang zur Provokation in Erklärungsnot gebracht. Mal trug sie einen Pullover mit der Aufschrift ACAB (kurz für »All Cops Are Bastards«, in etwa »Alle Bullen sind Schweine«), dann klopfte sie männerfeindliche Sprüche, und immer wieder sah sich die Grünenspitze dazu veranlasst, sich von ihrer jungen Parteifreundin zu distanzieren (lesen Sie hier  ein Porträt über Nietzard).

 Diss mit Folgen

Grüne-Jugend-Vertreter Luis Bobga im November 2025: Diss mit Folgen

Foto: Michael Matthey / dpa

Mit dem neuen Führungsduo der Grünen Jugend würde sicher einiges leichter, hofften viele Grüne. Womöglich haben sie sich getäuscht.

Co-Chef Luis Bobga postete kürzlich ein Video auf Instagram, in dem er zu einem Song des Rappers Haftbefehl Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder für dessen Vorschlag kritisierte, die Zahl der Bundesländer zu verringern (mehr zu dem Vorschlag hier). Als im Song das Wort »Hurensohn« fiel, blendete Bobga ein Bild von Söder ein. Nun hat er Beef mit der Union.

Bobga sei »nicht länger tragbar«, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann der »Bild am Sonntag«. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) meint: »Wenn Demokraten so miteinander umgehen, dann können wir der AfD gleich die Schlüssel geben.«

Der junge Grüne bittet um Entschuldigung. Er bedaure, dass »die Auseinandersetzung mit dem Inhalt von Herrn Söders Aussage auf der Strecke geblieben« sei, teilte Bobga mit.

Heute trifft sich der Vorstand der Grünen-Bundestagsfraktion in Berlin zur Klausur. Um die großen Themen im neuen Jahr soll es da gehen. Querschüsse vom Parteinachwuchs könnten eines davon sein.

Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.

Gewinnerin des Tages…

…ist die Sozialdemokratin Rasha Nasr. Die Bundestagsabgeordnete tut sich schwer mit der Regierungspolitik von Schwarz-Rot. Insbesondere den härteren Kurs in Asyl- und Migrationsfragen lehnt sie ab. Trotzdem trug Nasr ihn bei wichtigen Abstimmungen im Bundestag mit. Dafür zahlt sie, wie Nasr meiner Kollegin Sophie Garbe erzählte, einen hohen persönlichen Preis.

SPD-Politikerin Nasr in Dresden

SPD-Politikerin Nasr in Dresden

Foto: Sven Döring / DER SPIEGEL

Sophie hat die 33-jährige Dresdnerin mit syrischen Wurzeln mehrere Monate lang begleitet. Ihr Porträt handelt von einer jungen Politikerin, die hin- und hergerissen ist zwischen ihren Überzeugungen und dem, was ihre Fraktion in Zeiten knapper Mehrheiten von ihr erwartet.

»Ich bin in die Politik gegangen, um für etwas zu kämpfen. Aber gerade kämpfe ich ständig gegen etwas«, sagt Nasr. So offene Worte hört man selten aus dem Regierungslager, sie erfordern Mut.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Die Reichen der Welt werden immer reicher. Und reicher. Und noch reicher: Weltweit gibt es rund 3000 Milliardärinnen und Milliardäre – und noch nie besaßen sie so viel Vermögen wie jetzt. Das berichtet die Organisation Oxfam. In Deutschland leben demnach die viertmeisten Milliardäre.

  • Mindestens 21 Tote und zahlreiche Verletzte bei schwerem Zugunglück in Spanien: Der spanische Verkehrsminister spricht von einem »extrem ungewöhnlichen Unfall«: Im Süden des Landes sind zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert, es gibt Dutzende Opfer. Die Rettungsarbeiten gestalten sich schwierig.

  • Fast wird das Spiel abgebrochen – dann gewinnt Senegal doch noch den Afrika-Cup: Es war ein Afrika-Cup-Finale voller Dramen: Der Schiedsrichter löst hitzige Debatten aus. Senegals Spieler verschwinden in ihrer Kabine. Marokko verschießt kurz vor der 90. Minute einen Elfmeter – und verliert in der Verlängerung.

Heute bei SPIEGEL Extra: Diese fiesen Bürotypen gibt es – und so sollten Sie mit ihnen umgehen

Foto:

ByLorena / Stocksy

Bulldozer, Wüterich, Plapperschlange: Selten kann man sich Kolleginnen und Kollegen aussuchen. Aber man kann sie in den Griff kriegen. Hier kommt die ultimative Nomenklatur .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.

Ihre Marina Kormbaki, stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros

Gesamten Artikel lesen