Ende Juli und Anfang August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.
1. Es drohen Dixi-Klos und Gerölllawinen
Forschende der TU München am gespaltenen Gipfel des Hochvogels: Das Klima wird zum Problem
Foto:Solveig Eichner / DER SPIEGEL
Der Klimawandel setzt den Bergen zu. Diese Meldung kennt man vor allem aus dem Winter, wenn Skifahrer traurig Schneeresten nachjagen. Hoteliers und Gastronomen hoffen inzwischen, die Verluste an Winterurlaubern künftig in den ja ebenfalls wärmeren Sommern ausgleichen zu können. Doch auch hier wird das Klima zum Problem – und für Urlauber womöglich zur Gefahr.
Auf manchen Hütten in den Alpen herrscht akuter Wassermangel. Waschräume bleiben geschlossen, Trinkwasser wird per Helikopter eingeflogen, statt Spültoiletten gibt es Dixi-Klos. Doch: Fehlender Komfort ist das eine, Steinschläge sind etwas anderes.
Meine Kolleginnen und Kollegen Katherine Rydlink, Jonas Kraus und Solveig Eichner haben in den Alpen schwindenden Gletschern, zerbrechenden Gipfeln und drohenden Gerölllawinen nachgespürt. Unterwegs mit Forschern wie Michael Krautblatter erklären sie, wie man Orte sicherer macht, die der Klimawandel unsicher gemacht hat. »Dass man auf Berghütten mal nicht mehr immer duschen kann, wird vielerorts das neue Normal werden«, sagt Jonas.
Marokkanische Sicherheitskräfte mit Migrantinnen an der Grenze zu Spanien: Ein einmaliges Ereignis
Foto:Abdel Majid Bziouat / AFP
Heute erscheinen mir die Ereignisse in Ceuta fast wie ein Spuk. Dass innerhalb weniger Stunden und Tage Zehntausende Menschen in die spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent gelangten, dass Anwohner Tankstellen und Läden schlossen, dass Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ankündigte, das Schengenabkommen mit Spanien auszusetzen.
Doch es ist wirklich passiert. Mindestens 72 Menschen haben ihr Leben verloren.
Von den überlebenden Migranten sind inzwischen fast alle, mehr oder weniger freiwillig, nach Marokko zurückgekehrt. Der Schengenraum ist wieder so kontrollfrei wie zuvor (also nicht ganz), und die schrillen Politikerinnen- und Politikerstatements über Spaniens Versagen sind nach einer EU-Krisensitzung deutlich leiser geworden.
Welche Lehren lassen sich daraus ziehen?
»Europa hat sich in der Migrationspolitik erpressbar gemacht. Das müsste nicht so sein«, schreibt mein Kollege Maximilian Popp (hier mehr ). Auch wenn noch geklärt werden muss, welche Rolle Marokko in der vergangenen Woche gespielt hat – es wäre nicht das erste Mal, dass EU-Nachbarstaaten Migration als politisches Druckmittel anwenden. Weil es funktioniert, wie nun auch Ceuta zeigte.
Gianni Infantino
Foto:Claudio Thoma / KEYSTONE / picture alliance
Es ist noch nicht so lange her, da stand Gianni Infantino direkt neben Donald Trump auf dem sportpolitischen Gipfel, möchte man sagen. Nur: Direkt dahinter ging es steil bergab. Eine weitere Präsidentschaft des Fifa-Präsidenten galt lange als gesetzt. Nun könnte Infantinos Vorstoß, WM-Rechte an private Investoren zu verkaufen, ihm seine Position kosten.
Worum genau es bei der Krisensitzung geht, die Infantino heute in Rabat einberufen hat, ist bislang nicht bekannt. Fest steht nur: Es könnte insgesamt eng werden für den Schweizer, der seit zehn Jahren an der Spitze des Weltfußballverbandes steht.
Jens Weinreich hat für den SPIEGEL recherchiert, welche Rolle der Emir von Katar für Infantinos Zukunft spielen könnte. »Die Fifa und weite Teile der Konföderationen und Mitgliedsverbände werden inzwischen von Geld aus Katar und Saudi-Arabien dominiert. Die arabischen Nachbarn liefern sich seit Jahren einen Wettbewerb um die Herrschaft in der Fußballbranche«, schreibt Jens.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Noch ist es für Infantino nicht gelaufen
Was heute sonst noch wichtig ist
AfD-Programm würde Milliardenloch in Sachsen-Anhalts Haushalt reißen: Die AfD hat für Sachsen-Anhalt viel vor – finanziell umsetzbar wären die Pläne laut einer neuen Studie nicht. Es fehlen demnach mindestens 2,2 Milliarden Euro.
Haftstrafen für Mitglieder und Unterstützer der »Letzten Verteidigungswelle«: Die Gruppe »Letzte Verteidigungswelle« plante und verübte Brand- und Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberheime und linke Einrichtungen. Jetzt sind die Urteile im Prozess gefallen.
Airlines sollen mehr nachhaltiges Kerosin einsetzen – sonst drohen Geldstrafen: Seit 2025 müssen Airlines nachhaltigen Kraftstoff beimischen. Ein neues Gesetz soll bald dafür sorgen, dass diese Regelung besser durchgesetzt werden kann. Fluggesellschaften müssen dann mit hohen Bußen rechnen.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Glas Bier: Besteht zu mehr als 90 Prozent aus Wasser
Foto:mihagrasic / 500px / Getty Images
Treibt Bier mehr als andere Getränke? Von Bier muss man besonders häufig pinkeln, heißt es. Ein Ernährungswissenschaftler sagt, was dran ist und ob es einen Unterschied gibt zwischen Getränken mit und ohne Alkohol .
Was heute weniger wichtig ist
Neymar nach der Partie gegen den Clube do Remo
Foto:Sipa Usa / Fotoarena / action press
Hassliebe: Der brasilianische Fußballspieler Neymar, 34, hat leidenschaftliche Fans – und ebenso leidenschaftliche Gegner. Nachdem er beim Spiel gegen Clube do Remo den Siegtreffer vorbereitete und seiner Mannschaft somit zum 1:0 verhalf, geriet er mit Vertretern der Gegner aneinander. Ein Video zeigt, wie er nach dem Spiel in ein Wortgefecht gerät, provokativ tanzt, die Muskeln spielen lässt und die Zunge herausstreckt. Vielleicht hätte es erwachsenere Wege gegeben, mit dem Konflikt umzugehen – aber die wären dann nicht viral gegangen. »Danke für die Unterstützung«, schreibt er nun auf Instagram.
Mini-Hohlspiegel
Die »Westdeutsche Zeitung« über ein Stadtteilfest: »Für das weibliche Lob wird gesorgt sein, kündigt der Vereinsvorsitzende an. Es gibt Kaffee und Kuchen, Cocktails, sonstige Getränke und Würstchen.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Könnten Sie in die dramatische Welt der Oberschicht in Südafrika eintauchen und »The Polygamist« anschauen . Wirtschaftstycoon Jonasi Gomora hat alles: viel Geld, drei Kinder, eine erfolgreiche Influencerin als Ehefrau. Doch er will mehr: eine Geliebte, wenn nicht gleich eine zweite Ehe. Mindestens. In Afrika bricht die Hochglanz-Telenovela alle Rekorde, mehr als 23 Millionen Menschen schauten »The Polygamist« im ersten Monat auf Netflix, die Serie stieg in die Top 5 der internationalen nicht englischsprachigen Serien auf. Neben dramatischen Wendungen und Wortgefechten bietet die Serie einen Einblick in die Welt superreicher Afrikaner.
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Polygamie ist (unabhängig vom Einkommen) auf dem Kontinent noch immer verbreitet und in vielen Ländern im Gewohnheitsrecht verankert. Ein Grund, warum die Serie bei Zuschauerinnen und Zuschauern in Afrika besonders gut ankommt: Sie zeigt Teile der Gesellschaft, die selten dargestellt werden – und dann auch noch perfekt ausgeleuchtet.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Muriel Kalisch, Nairobi

vor 9 Stunden
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