News des Tages: Sollten wir Ramstein in Trumpstein umbenennen?

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1. Ramstein, Trumpstein, bereit sein

Den Ukrainern scheint - notgedrungen - keine Idee zu verrückt, um sie nicht wenigstens zu diskutieren. Jetzt berichtet die »New York Times« , ukrainische Regierungsvertreter hätten vorgeschlagen, einen Teil des Donbass in »Donnyland« umzubenennen, um Trump gnädig zu stimmen. Die Zeitung erinnert auch daran, dass Polen einst eine Militärbasis »Fort Trump« nennen wollte und dass ein Transitkorridor zwischen Armenien und Aserbaidschan den Namen »Trump Route for International Peace and Prosperity« trägt (hier mehr).

In diesem Dilemma stecken viele Länder: Sie lehnen Trumps Politik ab (Zölle, Grönland-Ansprüche, Irankrieg), sie brauchen die USA aber als Schutzmacht und Handelspartner. Das gilt auch für Deutschland. Glücklicherweise überlegt niemand ernsthaft, Ramstein umzutaufen in Trumpstein oder die Donau in Donaldau. Aber das symbolpolitische Geschleime dürfte eh wenig helfen, wenn es hart auf hart käme. Umso wichtiger ist die praktische Vorbereitung.

Heute nun hat Verteidigungsminister Pistorius die erste Militärstrategie in der Geschichte der Bundeswehr vorgestellt: Er will die Truppe zur »konventionell stärksten Armee Europas« ausbauen. Meine Kollegen Matthias Gebauer und Paul-Anton Krüger berichten, dass einige Formulierungen schwammig und viele Details geheim bleiben. Die Unzuverlässigkeit von Trumps Amerika reiße der öffentlich verfügbare Teil der Militärstrategie nur an. Klar zeige sich aber: »Aufwuchs und Aufrüstung der Bundeswehr müssen deutlich schneller werden.«

Alle Hintergründe hier: Das steht in Pistorius' neuer Militärstrategie 

2. IS noch gefährlich

Jede Bürokratie gebiert Kurioses, auch die Bürokratie des Terrors. So findet sich auf bislang geheimen Listen angeblicher Kämpfer des »Islamischen Staates« der Name »Philip Lamm« oder »Filib Lam« – eine Anspielung auf den ehemaligen Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft Philipp Lahm. Offenbar der Spitzname eines Deutschen namens Deniz B., der mit einer Kalaschnikow Wachdienst für den IS schob.

Die Listen sind deutschen Behörden über Umwege in die Hände gefallen, wie meine Kollegen Tobias Großekemper und Wolf Wiedmann-Schmidt berichten. »Die Dokumente waren bei Antiterroreinsätzen in Syrien und im Irak erbeutet worden«, so Tobias und Wolf. Jetzt sucht das BKA mithilfe der Listen nach mutmaßlichen IS-Terroristen. (Hier mehr dazu. )

»Allein in einem der arabischsprachigen Dokumente – einer Gehaltsliste des IS – stehen fast 50.000 mutmaßliche Mitglieder der Terrormiliz«, sagt Wolf. »Neben Name, Kampfname und Geburtsdatum ist in der Tabelle für jeden eine zehnstellige Personalnummer vermerkt. Dazu die Höhe des monatlichen Solds, den die Terrororganisation den Männern und ihren Frauen offenbar zahlte. Plus Essenszuschlag und Kindergeld.« Selbst die Zahl der Jesidinnen, die von den Terroristen als Haushalts- und Sexsklavinnen missbraucht wurden, sei in manchen Dokumenten vermerkt. Ein Tabellenfeld lautet »Kinder von Sklavinnen«. »Keine Terrorgruppe in der Geschichte hat so penibel Buch gehalten«, sagt Wolf. »Die Bürokratie des Terrors erfasste jeden Winkel des ›Islamischen Staats‹.

3. Wie abgehoben!

Die Frankfurter eröffnen ihr drittes Flughafenterminal. Angeblich pünktlich. Angeblich sieht es gut aus. Angeblich sind die Kosten nicht explodiert.

Da schüttelt Restdeutschland ungläubig den Kopf. Gerade begann das Land, sich an verspätete Züge, marode Brücken und Dauerbauprojekte zu gewöhnen. Als hätte sich die Berliner Republik ein Beispiel genommen an ihrer Hauptstadt, die Dysfunktionalität gern mit Charme verwechselt. Der ein kaputter Stolz auf das Chaos innewohnt.

Sie erinnern sich: Den Eröffnungstermin des Haupstadtflughafens verschob Berlin lustvoll Jahr um Jahr – mussten die Zugezogenen halt den Zug nach Stuttgart nehmen. Eine Steckdose am BER sollte 36.000 Euro kosten (hier mehr ), ein Autobahnkilometer war teurer als irgendwo anders  - mussten die Bayern halt mehr Finanzausgleich überweisen. Die Hauptstadt steckt in einer nicht enden wollenden Pubertät, die abfärbte aufs ganze Land.

Und jetzt kommt Frankfurt mit Pünktlichkeit und Gründlichkeit? Mein Kollege Arvid Haitsch hat eingecheckt. Gute Reise in die Neunziger!

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Orbán beendet Blockade, EU bringt Milliardenkredit für die Ukraine auf den Weg: Ungarn hat seinen monatelangen Widerstand gegen ein milliardenschweres Unterstützungspaket für die Ukraine aufgegeben. Das Geld soll dem Land im Abwehrkampf gegen Russland helfen.

  • Bundesregierung rechnet mit wenig Wirtschaftswachstum: Die deutsche Wirtschaft kommt nicht in Schwung. Nach zwei Rezessionsjahren und einem Miniwachstum 2025 verkündet Wirtschaftsministerin Reiche nun erneut ernüchternde Zahlen. Schuld ist auch der Irankrieg.

  • Iran attackiert laut britischer Behörde Containerschiff vor der Küste von Oman: Nach der Verlängerung der Feuerpause durch den US-Präsidenten hat offenbar ein Boot der iranischen Revolutionswächter ein Handelsschiff angegriffen – ohne Vorwarnung. Kurz darauf soll ein zweiter Frachter unter Beschuss geraten sein.

Meine Lieblingsgeschichte heute: SPIEGEL, wir haben dir was mitgebracht – Hass, Hass, Hass

Jeden Tag erreichen unsere Redaktion viele Tausend Nachrichten. Kritische, lobende, zweifelnde, inspirierende, auch wütende. Wir freuen uns darüber, der Austausch mit Ihnen, unseren Lesern und Leserinnen, ist uns wichtig. Das ist die Regel. Mein Kollege Markus Verbeet berichtet über die Ausnahme. Über einen Mann, der uns seit Jahren mit Hass und Hetze überzieht. Der uns und andere bedroht, sich strafbar gemacht hat. Und einfach nicht aufhört. (Hier die ganze Geschichte. )

Wir haben das zum Anlass genommen, mit Ihnen über Hass und Hetze im Netz zu diskutieren. Markus hat heute mehrere Stunden mit Leserinnen und Lesern gechattet.

Was heute weniger wichtig ist

Foto:

Marijan Murat / picture alliance / dpa

Von tagesanzeiger.ch

Von tagesanzeiger.ch

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Thomas Plaßmann

Foto: Andrea Thode

Drei Vorschläge: Sie könnten…

  • …Fußball gucken. Im Halbfinale des DFB-Pokals empfängt Bayer 04 Leverkusen den FC Bayern München, der sich gerade erst die Meisterschaft gesichert hat. Anstoß ist um 20.45 Uhr (das ZDF überträgt das Spiel ).

  • …etwas kochen, vielleicht Lemongrass Chicken. Das Rezept meines Effilee-Kollegen Stevan Paul zuzubereiten, dauert nur eine halbe Stunde. Allerdings muss das Fleisch vorab einige Stunden mariniert werden. »Der Lohn ist ein butterzartes Huhn von limettenfrischer Schärfe mit den Aromen von Zitronengras und Ingwer«, verspricht Stevan (hier ist das Rezept ).

  • …einen Krimi lesen, vielleicht »Die große Hitze«. Mein Kollege Marcus Müntefering findet, viele männliche Autoren seien daran gescheitert, einen Roman mit dem legendären Detektiv Philip Marlowe zu schreiben, der es mit dem Werk seines Erfinders Raymond Chandler aufnehmen kann. »Die Schottin Denise Mina zeigt, wie es besser geht.« (Hier die Rezension. )

Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Abend. Herzlich

Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion

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