News des Tages: Irankrieg, Jungwähler in Baden-Württemberg, Spritpreise

vor 3 Stunden 1

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1. Da wächst kein Gras mehr

Kleine Quizfrage: Wissen Sie, wo sogenannte Petrostaaten, also Gesellschaften, die auf fossile Energien aufbauen, davon besonders abhängig sind? Bei der Mobilität: klar. Beim Heizen: logisch. Aber wetten, Sie hatten nicht auf dem Schirm, dass wir viele Dinge nur essen können, wenn Öl und Gas fließen?

Stickstoffdünger wird mithilfe von Erdgas hergestellt und ermöglicht erst die industrielle Landwirtschaft. Meine Kollegin Maria Marquardt und mein Kollege Claus Hecking haben sich mit dem Wundermittel beschäftigt (lesen Sie hier mehr ). »Ohne Kunstdünger hätten zwischen 40 und 50 Prozent der heute lebenden 8,3 Milliarden Menschen nicht ernährt werden können«, schreiben sie.

Das Problem: Der Krieg gegen Iran verknappt derzeit nicht nur den Sprit an der Zapfsäule und verteuert ihn dramatisch. Gleiches geschieht auch mit dem Kunstdünger, denn zu dessen weltgrößten Herstellern zählen die Golfstaaten: »Die Preise steigen sprunghaft.«

In ärmeren Ländern kann das zu einer existenziellen Bedrohung werden. Werde aufgrund hoher Preise weniger Dünger eingesetzt, könne das Erträge drücken und Grundnahrungsmittel wie Mais verteuern, schreiben die beiden (hier mehr ).

Auch die Deutschen werden das, wenn die Frachtschiffe in der Straße von Hormus noch länger festsitzen, zu spüren bekommen: »Steigt der Preis für Gas und Dünger weiter, wird ein Preisschub im Supermarkt folgen.«

Die Landtagswahl vom vergangenen Wochenende war eine Premiere: Erstmals durften in Baden-Württemberg auch die 16- und 17-Jährigen wählen. Anhänger der politischen Mitte könnten jetzt denken: keine gute Idee. Immerhin haben knapp 30 Prozent der Jungwählerinnen und Jungwähler für extreme Positionen gestimmt. 15 Prozent wählten die Linke, 14 Prozent die AfD.

Meine Kollegin Sophie Burkhart hat die Ergebnisse genauer analysiert und mit dem unverbrauchten Wahlvolk gesprochen (hier mehr dazu ). Interessant: »Zur Wahl der AfD wollte sich keine und keiner der Angesprochenen bekennen«, schreibt Sophie. Dabei hätten die Rechtsextremen bei den Erstwählern im Vergleich zur Landtagswahl 2021 und den anderen Parteien am meisten zugelegt: neun Prozentpunkte. »Bekennende Wähler der SPD waren nach mehreren Stunden ebenfalls nicht anzutreffen.«

Die womöglich bitterste Erkenntnis dieser – zugegeben – anekdotischen Evidenz: Ein Großteil der Angesprochenen hatte sich noch nicht mal zum Urnengang aufgerafft (hier mehr ).

Es könnte auch daran liegen, dass sich nur eine Partei intensiv um das neue Wählerklientel bemühte: die Linke. Mit ihrem Social-Media-Auftritt, jungen Gesichtern auf der Kandidatenliste und dem Themenangebot. Wie die AfD so viele Junge zu sich gelockt hat, dürfte Wahlforscher noch einige Zeit beschäftigen.

3. Endlich Ruhe an der Zapfsäule

Sie kennen das sicher: Euphorisch lenken Sie Ihr Auto an die Tankstelle, gelockt von einem günstigen Preis auf der Anzeigetafel. Kaum haben Sie das Auto geparkt und wollen die Zapfpistole aus der Säule fummeln, schnellt der Literpreis nach oben. Zack! Vier Cent pro Liter teurer.

Bis zu 22-mal am Tag verändern die Tankstellen ihre Preise im Schnitt. In der Spitze sogar bis zu 50-mal am Tag. Die Folge: Kunden blicken kaum noch durch.

Meine Kollegen Benedikt Müller-Arnold und Stefan Schultz haben sich mit einem neuen Vorstoß der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche beschäftigt (hier mehr ). Angesichts der aktuell horrenden Spritpreise will sie das Verwirrspiel beenden und bis Ostern das österreichische Modell einführen: Dort dürfen die Preise nur einmal am Tag verändert werden.

Die Kollegen wollten wissen, was das bringen könnte. Die Antwort fällt zweischneidig aus: Ein Experte schätzt den Effekt als überschaubar ein. Andererseits haben »Erhebungen zum ›österreichischen Modell‹ indes schon mehrfach einen preisdämpfenden Effekt nachgewiesen«, schreiben die beiden (hier mehr dazu ).

Bis die Einmal-täglich-Regel kommt, hilft die Faustregel der Kollegen: Frühmorgens gegen sieben Uhr im Berufsverkehr sind die Preise am höchsten, werden dann im Laufe des Tages immer günstiger und erreichen zwischen 19 und 21 Uhr ihren Tiefpunkt.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Russlands Präsident Putin

Russlands Präsident Putin

Foto: Russian Foreign Ministry's official \ apaimages / APAimages / IMAGO

Enttarnt – das ist die neue geheime Eliteeinheit von Wladimir Putin: Versteckt unter dem Dach des Kalaschnikow-Konzerns hat Russlands Militärgeheimdienst offenbar eine Miniarmee erschaffen: Hacker, Scharfschützen und Spione. Sie machen auch Jagd auf Dissidenten im Westen. Die SPIEGEL-Recherche .

Was heute weniger wichtig ist

Schauspielerin Baumeister

Schauspielerin Baumeister

Foto: STAR-MEDIA / IMAGO

Mini-Hohlspiegel

Aus dem »Südkurier«: »Uwe Stürmer wurde 1962 in der DDR geboren. Als Säugling floh seine Mutter mit ihm durch einen Tunnel in den Westen.«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Foto:

Klaus Stuttmann

Hauptdarsteller Brad Pitt in »F1«

Hauptdarsteller Brad Pitt in »F1«

Foto:

Warner Bros. - Monolith Pictures / Collection Christophel / picture alliance

Könnten sie ein paar cineastische Bildungslücken schließen. Die Oscars nahen, nominiert sind mit »F1« und »One Battle after Another« auch zwei Filme, in denen Autos eine wichtige Rolle spielen. Die Kollegen Lars-Olav Beier, Andreas Borcholte, Wolfgang Höbel, Oliver Kaever und ich haben deswegen unsere liebsten Car-chase-Movies, zu Deutsch: Filme, in denen Verfolgungsjagden vorkommen, gekürt (hier mehr ).

Ich habe mich vor Jahren einmal eingehend mit diesem Genre beschäftigt und halte es eher mit den Klassikern. »French Connection«, »Gone in 60 Seconds«, »Bullitt« und natürlich »The Driver«, mit den – wenn Sie mich fragen – besten Verfolgungsjagden aller Zeiten. Doch selbst für mich hatten die Kollegen noch einige Überraschungen parat.

So schreibt etwa Wolfgang über »Fast Five«, den fünften Teil der »Fast and Furious«-Reihe: »Besonders großartig inszeniert der Regisseur Justin Lin das Wettrennen zwischen einem Lkw und einem Zug in einer Wüstenlandschaft, das sich, als der Lkw in den munter weiterfahrenden Zug kracht und ein sehr schickes Auto daraus entführt wird, in ein Wettrennen zwischen dem italienischen Sportwagen De Tomaso Pantera GTS und dem Zug verwandelt.« Kannte ich nicht – muss ich gucken.

Die meisten Verfolgungsjagden sind als Ausschnitt auf YouTube zu finden – auch wenn ich Ihnen – als kleine Zeitreise oder Bildungsurlaub – die meisten der von uns gekürten Filme auch in ganzer Länge empfehlen würde. Viel Spaß!


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

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