News des Tages: Collien Fernandes kämpft gegen digitale Gewalt, Ideen für pünktlichere Züge, ukrainischer Seehandel

vor 1 Tag 3

Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar.

Podcast Cover

1. Die Vorwürfe drehen sich um eine neue Form digitaler Gewalt

Die Schauspielerin Collien Fernandes und ihr Ex-Mann Christian Ulmen führten lange eine der bekanntesten Ehen der deutschen Medienbranche. Beide machten früh Karriere; sie unter anderem als Moderatorin bei den Musiksendern Viva und MTV, er etwa als Neuerfinder des Comedygenres mit der Serie »jerks«. Seit Kurzem ist das Paar, das eine gemeinsame Tochter hat, geschieden. Die SPIEGEL-Titelgeschichte berichtet davon, dass Fernandes seit Jahren gegen Fake-Pornografie von ihr im Internet kämpft und nun Anzeige in Spanien erstattet hat – gegen ihren Ex-Mann Ulmen (lesen Sie hier mehr ).

Der Schriftsatz liegt dem SPIEGEL vor. Auf Anfrage hat das zuständige Gericht bestätigt, dass es aufgrund der Beschuldigungen sogenannte Vorermittlungen eingeleitet hat. Fernandes wirft Ulmen darin unter anderem Anmaßung des Personenstandes, öffentliche Beleidigung und Körperverletzung vor. So soll Ulmen über Jahre auf sozialen Medien wie LinkedIn im Namen von Fernandes Profile erstellt haben und darüber mit Männern gechattet und geflirtet haben. Er soll pornografisches Material verschickt haben, das offenbar den Eindruck erwecken sollte, es zeige seine damalige Frau.

Es gehe, so schreiben meine Kollegin Juliane Löffler und meine Kollegen Lukas Eberle, Roman Höfner, Max Hoppenstedt Heinrichs und Marvin Milatz in ihrer Geschichte, um eine neue Form digitaler Gewalt, auf die das deutsche Recht und die Behörden kaum vorbereitet sind – was den Fall weit über das Private hinaus relevant macht (hier mehr dazu ).

Christian Ulmen ließ Fragen des SPIEGEL zum Vorwurf seiner Ex-Frau – und zu allen anderen – unbeantwortet. Collien Fernandes hat sich entschieden, öffentlich über ihre Version der Geschichte zu sprechen, weil sie aufklären will. Derzeit diskutieren viele Gesellschaften weltweit so intensiv wie selten über Gewalt gegen Frauen, über Gisèle Pelicot und Jeffrey Epstein, über Machtmissbrauch und Vertuschung.

»Die KI-Revolution hat eine weitere Dimension der sexualisierten Gewalt geschaffen, die in den allermeisten Fällen Mädchen und Frauen trifft«, berichten meine Kollegin und meine Kollegen. »In den öffentlichen Debatten zum Thema Deepfakes geht es häufig um politische Manipulationen, um gefälschte Fotos in Wahlkämpfen. Tatsächlich sind mehr als 90 Prozent der Deepfake-Videos im Internet Sexfilme«

2. Auch kürzere Zugverbindungen könnten helfen

Der Regisseur Leander Haußmann hat eine lobenswerte und äußerst originelle Leidenschaft. Er findet große Freude am Bahnfahren in Deutschland. Als er kürzlich mit dem Zug von Berlin nach Darmstadt reiste, berichtete er nicht zum ersten Mal in einem sozialen Netzwerk von seiner Zuneigung. »Deutsche Bahn, ich liebe dich, in guten wie in schlechten Zeiten!« schrieb Haußmann. Für die vielen anderen Menschen, die sich fast täglich über die Bahn ärgern, gibt es nun ein wenig Licht am Ende des Bahntunnels: Experten haben konkrete Vorschläge gegen die Verspätungsmisere der Deutschen Bahn gesammelt.

Mein Kollege David Böcking berichtet heute über einen noch unveröffentlichten Aufsatz mit dem Titel »Pünktlich wie die Bahn – wie es wieder gelingen kann« (mehr dazu ). Verfasst haben ihn Felix Berschin und Werner Weigand. Weigand hat bei der Bahn lange die Netzplanung verantwortet. Berschin ist Vorstand der Wissenschaftsvereinigung »MehrBahn« und war an der Arbeit der »Taskforce zuverlässige Bahn« beteiligt, die bis Ende März Strategien für eine pünktlichere Bahn entwickeln soll.

Gibt es jenseits einer verbesserten Infrastruktur andere Hebel für weniger Verspätungen? Einen Ansatz sehen die beiden Experten zum Beispiel in kürzeren Zugverbindungen. Die hohe Pünktlichkeit von Zügen in der Schweiz erklären sie auch damit, dass selbst Fahrten quer durchs Land dort maximal 4 Stunden und 20 Minuten dauerten. Dadurch könnten sich Verspätungen nicht vom Morgen in den Nachmittag übertragen. Auch wenn Deutschland deutlich größer sei, gebe es hier unnötig lange Verbindungen.

Mehr Sorgfalt bei der Pflege der Bahnstrecken könnte offenbar gleichfalls die Pünktlichkeit verbessern helfen. »So ist ein regelmäßiger Grund für Verspätungen, dass Bäume oder Sträucher entlang der Bahnstrecken auf die Gleise geraten und den Weg versperren«, schreibt mein Kollege David (hier mehr ). Im Aufsatz der Bahnexperten findet sich ein Vorschlag für eine umweltverträgliche Möglichkeit, wie Hindernisse auf der Strecke vermieden werden könnten – durch die Rückkehr des Streckenläufers. »Der vor rund 30 Jahren abgeschaffte Job bestand darin, Zugstrecken zu Fuß abzustapfen, kleinere Schäden direkt zu beheben und frühzeitig potenzielle Probleme zu entdecken«, so David, »etwa Dachsbauten.«

3. Beim Seehandel helfen der Ukraine Luftabwehr und strenge Sicherheitsvorkehrungen

Iran blockiert im Krieg mit Israel und den USA derzeit die Öltanker in der Straße von Hormus, da könnten die Hafenbetreiber der Golfstaaten womöglich von den Ukrainern lernen. Meine Kollegin Ann-Dorit Boy berichtet heute, wie ukrainische Häfen unter Kriegsbedingungen funktionieren (hier mehr dazu ).

Zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor gut vier Jahren hat Russlands Marine den nordwestlichen Teil des Schwarzen Meeres gesperrt, 130 Frachtschiffe saßen fest, Millionen Tonnen ukrainisches Getreide und andere Agrargüter waren blockiert. Die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure der Welt. Russlands Blockade drohte, eine Hungerkrise auszulösen. Deshalb vermittelte Uno-Generalsekretär António Guterres gemeinsam mit der Türkei ein Getreideabkommen zwischen Moskau und Kyjiw.

»Die Exportroute über das Schwarze Meer ist für die Ukraine praktisch alternativlos«, so meine Kollegin. »Das hat allerdings weniger mit dem Getreideabkommen zu tun, das Russland bereits nach einem Jahr auslaufen ließ. Die ukrainische Marine erkämpfte sich ihren Spielraum im Schwarzen Meer selbst mit militärischen Mitteln.« Mit Drohnen- und Raketenangriffen, aber auch mit Minen drängte sie die russische Schwarzmeerflotte zurück.

Der Seehandel im Schwarzen Meer mache nur noch selten internationale Schlagzeilen, doch die Situation sei von Normalität weit entfernt, unter anderem wegen Hacker-, Drohnen- und Raketenangriffen (hier mehr ). »Die Häfen der Region Odessa operieren zwar, aber sie tun dies unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen«, schreibt Ann-Dorit – und zitiert einen Unternehmer und Hafenbetreiber, der mit Billigung der ukrainischen Regierung gerade seine eigene private Luftabwehreinheit zusammenstellt, »bestehend aus einem Drohnenpiloten, einem Navigator, einem Sprengstoffexperten und einem Fahrer«.

Meine Lieblingsgeschichte heute: »Oh Mann, Mesut. Oh Mann, ey. Warum?«

Nationalspieler Mesut Özil nach seinem letzten Länderspiel

Nationalspieler Mesut Özil nach seinem letzten Länderspiel

Foto:

Michael Regan / FIFA / Getty Images

Mein Kollege Jörn Meyn bespricht eine neue ZDF-Doku-Serie über Mesut Özil (hier mehr ). Der 37-Jährige ist ein Verschollener des deutschen Fußballs. Vielleicht auch ein Verirrter. Seine Eleganz auf dem Rasen machte ihn zu einem prägenden Spieler der Nationalelfgeschichte, sein Foto mit dem türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdoğan kurz vor der WM 2018 und sein Umgang damit lösten eine große Kontroverse aus.

»Der Fall Özil liegt nun bereits acht Jahre zurück. Er ist weitestgehend auserzählt, aber eine dahinterliegende Thematik nicht: Wie geht Deutschland mit dem Teil seiner Gesellschaft um, der ausländische Wurzeln besitzt?« schreibt mein Kollege Jörn über die dreiteilige Doku-Serie (lesen Sie hier mehr ). »Für den DFB müsste das ein Riesenthema sein. Ein Fünftel seiner Mitglieder hat einen Migrationshintergrund. Spieler, die eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, werden heute aus Konkurrenzgründen viel stärker umworben als früher. Der deutsche Fußball ist auf Multikulti angewiesen, wenn er erfolgreich sein will.«

Was heute weniger wichtig ist

Miley Cyrus

Miley Cyrus

Foto: Gilbert Flores / Billboard / Getty Images

Heute noch ein Hinweis in eigener Sache an Sie: Wir möchten Sie, liebe Lage-Leserinnen und -Leser, einladen, den SPIEGEL mitzugestalten. Wie das geht? Werden Sie Mitglied unserer Online-Research-Community »SPIEGEL Perspektiven«. Als Teil davon erhalten Sie Einblicke hinter die Kulissen unseres Verlagshauses, können an Umfragen teilnehmen und erfahren, wie Ihre Meinungen und Ideen unser Angebot prägen. Die Teilnahme ist kostenfrei und unverbindlich. Registrieren Sie sich jetzt und prägen Sie die Zukunft der SPIEGEL-Gruppe mit: Hier geht es zu SPIEGEL Perspektiven.

Aus dem »Bergischen Handelsblatt«

Aus dem »Bergischen Handelsblatt«

»Keine Angst, Trump interessiert sich nicht für Helgoland … viel zu klein … kein Öl …«Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

»Keine Angst, Trump interessiert sich nicht für Helgoland … viel zu klein … kein Öl …«
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Miriam Wurster / DER SPIEGEL

Darsteller Gosling in »Der Astronaut«

Darsteller Gosling in »Der Astronaut«

Foto:

Jonathan Olley / Amazon MGM Studios / Sony Entertainment

Könnten Sie sich im Kino den Film »Der Astronaut« mit Sandra Hüller und Ryan Gosling ansehen, in dem die deutsche Schauspielerin und der Hollywoodstar zwar kein Liebespaar darstellen, aber doch zwei Menschen, zwischen denen sich eine süße Zutraulichkeit entwickelt (hier mehr dazu ).

Gosling spielt einen Provinz-Highschool-Lehrer, Hüller die deutsche Chefin eines internationalen Wissenschaftlerteams – und weil die Erde sich durch ein merkwürdiges Milchstraßen-Phänomen in eine Eiskugel zu verwandeln droht, muss ausgerechnet Goslings Held als Astronaut zu einem anderen Stern reisen. Der insgesamt wirklich herzerwärmende Film schwankt auf sympathische Weise zwischen dramatischem Ernst und drolligem Entertainment.


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort

Gesamten Artikel lesen