News des Tages: Abschied von X, Hantavirus, Stellenabbau bei Biontech

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Die Lage am Abend Ein Satz mit X, das war wohl nix

05.05.2026, 17.59 Uhr

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1. Sie wollen leider drinnenbleiben

Ein geordneter Rückzug sieht anders aus: Nachdem am Montagmorgen Linke, SPD und Grüne gleichzeitig in einer abgesprochenen und lang vorbereiteten Aktion ihren Abschied von der Plattform X verkündet hatten, brach danach die kommunikative Kakofonie aus.

Einzelne, darunter teils sehr prominente Abgeordnete wie Omid Nouripour von den Grünen oder Karl Lauterbach von der SPD posteten auch heute munter weiter im sozialen Netzwerk von Elon Musk, wie meine Kolleginnen Anna Reimann und Sophie Garbe schreiben.

Der gemeinsame Rückzug gilt für die drei offiziellen Parteien-Accounts sowie die drei Accounts der zugehörigen Bundestagsfraktionen. Einzelnen Parteimitgliedern ist freigestellt, wie sie sich künftig zu X verhalten, aber die Parteien legen ihren Mitgliedern den Austritt nahe. Anna und Sophie haben eine Übersicht der Abtrünnigen erstellt – und ihrer Motive, weiter zu posten.

2. Seuche an Bord

Für die rund 150 Passagiere der »MV Hondius« dürfte sich ihr Traumurlaub in einen Horrortrip verwandelt haben. Auf dem Schiff sind mehrere Menschen mit dem sogenannten Hantavirus infiziert. Bisher starben drei Passagiere des Kreuzfahrtschiffs »MV Hondius«, ein vierter schwer kranker Passagier wird in Südafrika auf der Intensivstation behandelt. (Lesen Sie hier mehr über die Lage an Bord.)

Meine Kollegin Annika Freier hat mit Martin Eiden gesprochen. Er ist Experte für Hantaviren. »Das ist ein sehr ungewöhnliches Ereignis«, sagt Eiden. (Lesen Sie hier das Interview )

Normalerweise wird das Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Allerdings gibt es einen in Südamerika verbreiteten Stamm des Virus, bei dem dies möglich sein soll.

Die ersten beiden betroffenen Passagiere der »MV Hondius« reisten vor dem Einschiffen auf das Kreuzfahrtschiff durch Südamerika, auch durch Argentinien. Dort zirkuliert der gefährliche Andes-Stamm des Hantavirus. Welche Virusvariante genau hinter den Erkrankungen auf dem Schiff steckt, ist derzeit aber noch unklar. Auch Eiden geht aber davon aus, dass sich die betroffenen Passagiere schon an Land angesteckt haben. »Die Inkubationszeit ist sehr lang, Symptome treten in der Regel zwei bis vier Wochen nach einer Ansteckung auf.«

3. Schrumpfkur bei Biontech

Sie waren die Superstars der Coronapandemie: das Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci. Aus ihren Forschungen zu einem mRNA-Impfstoff gegen Krebs entwickelten die beiden kurzerhand einen der ersten hochwirksamen Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus. Ihre kleine Firma in Mainz verpartnerten sie mit dem amerikanischen Pharmagiganten Pfizer und verdienten Milliarden Euro.

Doch die Coronapandemie ist vorbei und damit offenbar auch der rauschende Erfolg des Unternehmens. Heute gab Biontech bekannt, die Corona-Impfstoffproduktion in Deutschland einstellen zu wollen. Fast alle heimischen Produktionsstandorte sollen geschlossen, bis zu 1860 Stellen gestrichen werden.

Şahin und Türeci hatten sich in den vergangenen Jahren wieder verstärkt ihrem eigentlichen Ziel gewidmet: einen Impfstoff gegen Krebs zu entwickeln. Doch das ist teuer, die Einnahmen durch Coronaimpfstoffe versiegten.

»Niemand hat rechtzeitig die nüchterne Frage gestellt: Was passiert, wenn Corona vorbei ist?«, schreibt mein Kollege Martin U. Müller.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Köln schafft den »Spielplatz« doch nicht ab: Mit Hinweistafeln für »Spiel- und Aktionsflächen« zettelte die Stadt Köln vergangenen Sommer einen Kulturkampf an. Nun soll der Spielplatz-Streit befriedet werden – mit neuen Schildern und einem alten Begriff.

  • EU-Kommissar sieht Welt vor »schwerster Energiekrise aller Zeiten«: Dan Jørgensen warnt vor den Folgen des Irankriegs für europäische Verbraucher. Die EU bereite sich bereits auf mögliche Versorgungsengpässe vor, insbesondere bei Flugkraftstoff.

  • Hoeneß attackiert Bundestrainer Nagelsmann: In wenigen Wochen beginnt die Fußball-WM, aber beim deutschen Team gibt es nach Auffassung von Uli Hoeneß »weder hinten noch vorn eine klare Linie«. Der Ehrenpräsident des FC Bayern übt Kritik am Bundestrainer.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

 Luxusklasse mit kostenlosen Mahlzeiten, Alkoholausschank und breiten Sesseln

Ex-Ferrari-Chef Montezemolo: Luxusklasse mit kostenlosen Mahlzeiten, Alkoholausschank und breiten Sesseln

Foto: Tony Gentile / REUTERS

Jetzt will der Ex-Ferrari-Chef die Deutsche Bahn angreifen: Luca Cordero di Montezemolo hat die Marke Ferrari zurück an die Weltspitze geführt. Künftig will er Schnellzüge durch Deutschland schicken. Wie Kunden profitieren könnten – und was den Start erschwert .

Was heute weniger wichtig ist

 »Ich bin nicht tot«

Olivia Wilde: »Ich bin nicht tot«

Foto: Dimitrios Kambouris / The Met Museum / Getty Images / Vogue

Wer zuletzt lacht: Schauspielerin Olivia Wilde, 42, reagiert auf Internethetze mit Humor. Nachdem sie beim San Francisco Film Festival auf dem roten Teppich ein Interview gegeben hatte, mokierten sich Nutzer über ihr Äußeres und verglichen sie mit der »Herr der Ringe«-Figur Gollum.

Wilde konterte mit einem Insta-Post, in dem sie den Vergleich in einem Gespräch mit ihrem Bruder aufgreift. »Olivia Wilde, möchtest du dich zu den jüngsten Gerüchten äußern, dass du eine wiederauferstandene Leiche bist?«, fragt der Bruder. Lässig im Hoodie auf dem Sofa lümmelnd sagt Wilde, dass es wohl nicht der beste Look sei. »Ich weiß nicht, warum ich so nah an der Kamera stand. Das hätte nicht sein müssen«, sagt sie und schiebt lachend hinterher: »Ich bin nicht tot!«

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Thomas Plaßmann

Und heute Abend?

Könnten Sie sich die Doku über den Rapper Xatar anschauen. Dessen Leben wurde bereits 2022 von Regisseur Fatih Akin mit »Rheingold« fürs Kino verfilmt. Nun wirft eine dreiteilige Dokumentation einen nüchterneren Blick auf den Künstler, der mit klassischer Musik aufwuchs, später zu einem der erfolgreichsten deutschen Rapper wurde und gleichzeitig Krimineller war.

 Ein Mann der Widersprüche

Rapstar Xatar: Ein Mann der Widersprüche

Foto: Malte Ossowski / Sven Simon / IMAGO

»Es ist für alle was dabei. Derber Gangster-Rap. Interpretationsangebote für ein bürgerliches Publikum, das zum Teil noch nie auch nur von diesem Xatar gehört hat, der sich die Charts von oben anschaut, den Jugendslang prägt und einen relevanten Kulturzweig als Musikunternehmer bewässert. Und migrantische Perspektiven auf eine kulturell eingeigelte Mehrheitsgesellschaft, die blind für ihr eigenes Abwertungsverhalten ist«, schreibt mein Kollege Klaus Raab über den Dreiteiler. (Lesen Sie hier seine Rezension )

Das Projekt geriet am Ende ganz anders als gedacht, weil Xatar, bürgerlich Giwar Hajabi, im Mai 2025 mit nur 43 Jahren völlig überraschend an Herzversagen starb. Aus der geplanten Dokumentation wurde ein Nachruf, eher Würdigung als kritische Auseinandersetzung. »Nichts darin bringt das Bild zum Wackeln, das Xatar vielleicht selbst von sich gezeichnet hätte«, schreibt Klaus.

Falls Sie sich selbst ein Bild machen wollen, finden Sie alle drei Teile von »XATAR – Ein Leben ist nicht genug« in der ARD Mediathek .


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

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