Im Deutschen wurde die Strecke Mekka-Bahn genannt, obwohl sie Mekka nie erreichte, aber immerhin Medina. Für manche war sie auch die Heilige Bahn, weil sie die Heiligen Städten in Saudi-Arabien näher mit dem Sitz des Kalifats im heutigen Istanbul verband. Und schließlich war sie auch unter dem Namen Hedschasbahn bekannt, nach dem gebirgigen Teil der arabischen Halbinsel am Roten Meer, das heute ein Teil von Saudi-Arabien ist.
Das gab es damals noch nicht, als die Strecke zwischen Damaskus und Medina im Jahr 1908 in Betrieb genommen wurde. Sie war die erste Bahnstrecke, die das Osmanische Reich selbst baute (sieht man von den deutschen Ingenieuren ab, die anfangs mithalfen) und dann auch selbst betrieb, bis zum Untergang des Großreiches im Jahr 1920.
Ein Ziel des Projekts ist es, „den Einfluss Israels in der Region zu verringern“
Mehr als 100 Jahre später wollen die Türkei und Saudi-Arabien die Hedschasbahn wiederbeleben, in der vergangenen Woche unterzeichneten die Verkehrsminister beider Länder Absichtserklärungen, bis Ende des Jahres soll es eine Machbarkeitsstudie geben. In drei Jahren könnten die ersten Züge fahren, spekulieren türkische Medien. In Beirut hoffen die Libanesen, dass es vielleicht auch wieder eine Abzweigung in ihr Land geben wird, so wie damals als Libanon auch Teil des Osmanischen Reiches war und sich eine Bahn mit Zahnradunterstützung die Berge bis nach Damaskus hinaufquälte.

Als Sultan Abdülhamid II. die Eisenbahn in Auftrag gab, war das Ziel, Pilger nach zu den Heiligen Stätten nach Medina und Mekka zu bringen und den Handel mit den entfernten Teilen des Reiches zu fördern, die bislang vor allem mit Kamelrouten zu erreichen waren. Die Reisezeit verkürzte sich von 40 Tage auf fünf. Die Bahn war aber vor allem ein politisches Projekt, bislang hatten nur ausländische Firmen die Bahnstrecken des Riesenreiches gebaut und betrieben, die Hedschasbahn war ein Projekt zur Identitätsstiftung, das die entfernten Provinzen stärker anbinden sollte ans Zentrum. Die Strecke von Damaskus bis Konstantinopel wurde auf Privatbahnen zurückgelegt, die teilweise auch der Deutschen Bank gehörten.
Auch die Neuauflage der Strecke wäre vor allem eine Idee mit politischen Motiven. Die sich dadurch definiert, wer nicht dabei ist. Die Hedschasbahn hatte auch einen Ableger nach Haifa ins heutige Israel. Den es dieses Mal nicht geben soll. Der türkische Handelsminister Ömer Bolat sagte in dieser Woche, die Eisenbahn solle dazu beitragen, „den Einfluss Israels in der Region zu verringern“.
Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte 2023 mit den USA ebenfalls vorgeschlagen, eine Eisenbahn auf die arabische Halbinsel zu bauen, an die sich dann ein Handelskorridor bis nach Indien auf dem Seeweg anschließen sollte. Netanjahu bezeichnete die Initiative als „das größte Kooperationsprojekt in unserer Geschichte“ – aus dem nach fast drei Jahren brutalem Krieg gegen Gaza nichts geworden ist. Saudi-Arabien lehnt die mögliche Normalisierung mit Israel mittlerweile strikt ab und sucht lieber die Nähe der Türkei. Die hat ihre Bahnstrecken bereits bis an die Grenze zu Syrien gebaut. Dort sind die Bahnstrecken nach 15 Jahren Bürgerkrieg oft zerstört, auch in Jordanien gibt es Lücken. Über Kosten wurde in der neuen Initiative noch gar nicht gesprochen. Durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus wäre die neue Bahnstrecke aber eine wichtige Alternativroute nach Europa und ans Mittelmeer.











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