Mutmaßlicher Anschlagsversuch auf Flughafen Leipzig: Wie groß ist die Gefahr durch Drohnen?

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Am späten Dienstagabend entdeckte ein Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle ein unbefugtes Objekt auf dem Rollfeld. Wie das sächsische Landeskriminalamt inzwischen bestätigt hat, handelte es sich dabei um eine Drohne, an der ein Paket mit Sprengstoff und ein beschädigter Zünder angebracht waren. Was weiß man über den Vorfall, wie unterscheidet er sich von einem ähnlichen Fall von vor zwei Jahren und wie groß ist die Gefahr durch Drohnen in Deutschland? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


Was ist über den Vorfall am Leipziger Flughafen bekannt?

Mutmaßlich ist die Drohne auf dem Luftweg in das Sperrgebiet eingedrungen und nur wegen eines Defekts am Zünder nicht detoniert.

Die Drohne befand sich in unmittelbarer Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine, die regelmäßig von der Nato genutzt wird. Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein wichtiger Umschlagsplatz für Luftfracht – auch für Rüstungsgüter, die an die ukrainische Grenze geflogen werden.

Wegen der zwischenzeitlichen Sperrung des Flughafens musste ein Frachtflugzeug der DHL durchstarten und nach Hannover umgeleitet werden. In der Luft kollidierte die Maschine mit einem weiteren Objekt, möglicherweise einer zweiten Drohne. Das Flugzeug landete mit leichten Schäden in Hannover und wird dort untersucht.

Am Mittwoch lief der Flugbetrieb in Leipzig wieder, wenn auch mit Einschränkung. Nur eine der beiden Landebahnen stand zur Verfügung, auf der anderen wurden noch Ermittlungsarbeiten durchgeführt. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) hat die Zwischenfälle als „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“ bezeichnet. Die Ermittlungen werden von den sächsischen Behörden geleitet. Auch das gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei seien involviert, so Schuster.


Welche ähnlichen Fälle gab es in der Vergangenheit?

Vor zwei Jahren, im Juli 2024, kam es am Flughafen Leipzig schon einmal zu einem Angriff. Damals ging ein mit einem Brandsatz versehenes Paket im DHL-Logistikzentrum in Flammen auf. Es hätte sich zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits an Bord eines Frachtflugzeugs befinden sollen, das allerdings Verspätung hatte. Beinahe zeitgleich kam es zu vergleichbaren Vorfällen in Warschau und Birmingham.

In Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass es sich um einen vom russischen Auslandsgeheimdienst GRU durchgeführten Anschlag handelte, für den sogenannte Wegwerf-Agenten angeworben wurden. Die russische Botschaft in Deutschland bestreitet das. Inzwischen stehen in Litauen, wo die Pakete aufgegeben wurden, fünf Männer vor Gericht. Sie sollen die Brandsätze zwischen Sexspielzeug und Massagekissen versteckt haben.


Wie groß ist die Gefahr durch Drohen?

Doch auch wenn sie keine Sprengsätze transportieren, sind Drohnen eine zunehmende Gefahr für Luftverkehr und kritische Infrastruktur. Allein die Flugaufsicht Berlin-Brandenburg detektiert rund 600 Drohnenflüge pro Woche. Es gibt den Verdacht, dass ausländische Akteure sie gezielt nutzen, um kritische Infrastruktur und Militäreinrichtungen auszuspähen.

Dabei haben sie oft leichtes Spiel. Häufig werden Drohnen gar nicht erst entdeckt. Abgeschossen werden dürfen sie in der Regel nicht, um niemanden durch herabfallende Teile zu gefährden. Auch das sogenannte Jamming, das Stören der Funkfrequenz, ist in der Nähe von Flughäfen schwierig, da dadurch auch der Funkverkehr anfliegender Flugzeuge gestört werden kann und moderne Drohnen ihre Funkfrequenz häufig wechseln.

Schließlich gibt es gerade bei von Spionage häufig betroffenen militärischen Einrichtungen das Problem der Zuständigkeitsverteilung zwischen Bundeswehr und Polizei. So konnte etwa im April 2025 ein wachhabender Soldat zwar drei russischsprachige Männer und einen Transporter unweit einer Kaserne in Cloppenburg beobachten, sie aber nicht verfolgen. Die hinzugerufene Polizei traf die Verdächtigen dann nicht mehr an.

Was tut die Bundesregierung dagegen?

Im Januar 2026 eröffnete Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in Berlin das gemeinsame Drohnenabwehrzentrum, in dem Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder zusammenarbeiten sollen. Ein gemeinsames Lagebild und Technologieaustausch sind das Ziel. Experten bezweifeln jedoch, dass dies viel bringen wird. Es brauche entsprechende Befugnisse und Fähigkeiten bei den Landespolizeien überall in der Fläche sowie eine bessere Überwachung an Flughäfen.

Im Juli hat der Bundestag außerdem ein neues Bundespolizeigesetz beschlossen, das erweiterte Befugnisse bis hin zum Abschuss vorsieht. Die Bundespolizei plant, eine eigene Anti-Drohnen-Einheit aufzubauen. Bisher nicht im Gespräch ist die Möglichkeit, dass die Bundeswehr der Polizei bei der Drohnenabwehr Amtshilfe leisten darf. In Österreich sind solche sogenannten Assistenzeinsätze möglich.


Ist der Vorfall in Leipzig als russischer Angriff zu werten?

Noch dauern die Ermittlungen an. In der Politik mehren sich jedoch bereits die Stimmen, die die Verantwortung bei Russland sehen.

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte, er gehe von einem von Russland gesteuerten, gezielten hybriden Angriff aus. Das Vorgehen und die mögliche Zielsetzung passten „in den modus operandi Russlands“. Russland habe seine hybride und kognitive Kriegsführung verstärkt, weil es militärisch in der Ukraine nicht vorankomme. Deutschland stehe im Zentrum dieser Angriffe.

Seit Monaten weisen deutsche Sicherheitsbehörden auf das immer aggressivere und ruchlose Agieren Russlands hin

Konstantin von Notz (Grüne), stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums

Der Grünenpolitiker Konstantin von Notz, der stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Nachrichtendienste ist, sagte, die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen und Logistik-Drehkreuzen müssten erhöht werden. „Seit Monaten weisen deutsche Sicherheitsbehörden auf das immer aggressivere und ruchlose Agieren Russlands hin.“

Sollte sich herausstellen, dass ein Staat Urheber der Aktion sei, handle es sich „nicht nur um Terrorismus, sondern um Staatsterrorismus, der sich gegen die Bundesrepublik Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger richtet“, so von Notz.

Sollte es sich bei der Drohne tatsächlich um ein von russischen Geheimdiensten gesteuertes, bewaffnetes Flugobjekt gehandelt haben, hätte das für Deutschland eine neue Qualität. Es würde sich jedoch in ein größeres europäisches Muster einfügen: Nach Angaben der polnischen Regierung war der Brand eines Einkaufszentrums in Warschau im Mai 2024 das Werk russischer Agenten. In der litauischen Hauptstadt Vilnius brannte ebenfalls im Mai 2024 eine Filiale des Möbelhauses Ikea. Auch dort vermuten die Ermittler den russischen Militärgeheimdienst hinter der Brandstiftung.

Nicht klar ist, was die ukrainische Antonow-Maschine geladen hatte und ob der mutmaßliche Angriff gezielt einer besonders wertvollen militärischen Lieferung für die Ukraine galt. Denkbar wäre auch, dass sein primäres Ziel darin liegt, Verunsicherung zu schüren und die gesellschaftliche Akzeptanz für Waffenlieferungen an die Ukraine zu untergraben.

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