Misogynie, abgeleitet vom Altgriechischen misos (Hass) und gyne (Frau), ist in den sozialen Medien allgegenwärtig. Mit herablassenden Stereotypen (»hysterisch«, »zu emotional«, »dumm«), Unterstellungen (»will nur Geld«) und offener Feindseligkeit (»verdient es«, »sollte bestraft werden«) werden Frauen als weniger glaubwürdig, weniger kompetent, weniger wert als Männer dargestellt.
Das Schlimme ist: Wer so etwas oft genug hört und liest, hält es offenbar irgendwann für wahr.
Das zeigt jetzt die Metaanalyse eines internationalen Forscherteams, die in der Fachzeitschrift »Psychological Bulletin« der American Psychological Association erschienen ist.
Die Metaanalyse bündelt 257 Untersuchungen aus 47 Jahren mit insgesamt 132.933 Teilnehmenden. Wer misogyne Medieninhalte konsumiert, so das Ergebnis, zeigt im Durchschnitt mehr Feindseligkeit gegenüber Frauen. Dieses Ergebnis zeigte sich sowohl in experimentellen als auch in nicht-experimentellen Studien. Über »eine heterogene Bandbreite von Studiendesigns« hinweg zeige sich »ein klarer statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber misogynen Inhalten und verschiedenen frauenfeindlichen Reaktionen«, fasst Janina Steinert, Professorin für Global Health an der Technischen Universität München, das das Hauptergebnis der Metaanalyse in einem Statement für das Science Media Center Germany (SMC) zusammen.
Der Einfluss der Influencer
Dabei werden nicht nur Männer von den frauenfeindlichen Medieninhalten beeinflusst, sondern auch die Frauen selbst. »Eine zentrale Implikation der Metaanalyse ist, dass mediale Darstellungen von Frauen nachweislich beeinflussen können, wie über Frauen gedacht wird und wie Frauen sich selbst wahrnehmen«, so Maximilian Krug, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Multimodale Kommunikation, Soziale Interaktion & Technologie der Universität Duisburg-Essen.
Medien spiegelten dabei gesellschaftliche Normen wider, könnten diese aber auch verstärken – insbesondere, wenn misogyn geprägte Narrative häufig reproduziert würden. »Zusätzlich«, so Krug, »gewinnen Akteure außerhalb klassischer Mediensysteme, etwa Influencer – zum Beispiel Figuren wie Andrew Tate – oder Netzwerke misogyn orientierter Online-Communitys – zum Beispiel Incels –, zunehmend Einfluss auf solche Diskurse.«
Erniedrigende und pornografische Inhalte zeigen dabei sogar bei beiden Geschlechtern ähnlich starke Effekte.
»Dass Frauen auf Demütigungs- und pornografische Inhalte mit ähnlicher Feindseligkeit reagieren wie Männer, legt nahe, dass internalisierte Misogynie – also die Verinnerlichung patriarchaler Frauenbilder als Teil des eigenen Ich-Ideals – ein reales Phänomen darstellt«, sagt Jacob Johanssen, Associate Professor in Communications an der Londoner St Mary's University.
Anders verhält es sich bei gewalttätigen misogynen Inhalten. Diese verstärken die Feindseligkeit der Männer deutlich stärker als die der Frauen.
Besonders besorgniserregend ist, dass das Alter bei der Wirkung von Misogynie offenbar eine wichtige Rolle spielt: Jugendliche und junge Erwachsene ließen sich durch entsprechende Inhalte erheblich stärker beeinflussen als ältere Erwachsene. »Diese Ergebnisse«, so Steinert, »könnten auch eine wichtige Grundlage für die aktuelle Debatte über eine mögliche Regulierung von Inhalten in sozialen Medien oder über deren Nutzung durch Minderjährige darstellen.«
Mit Material des Science Media Center Germany (SMC)

vor 2 Stunden
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