Lebensmittel: Foodwatch findet zu hohe Mengen an Pestiziden in Kreuzkümmel von Lidl und Fuchs

vor 1 Stunde 1

Um Verbraucher und Umwelt zu schützen, hat die EU bestimmte Pestizide aus der Landwirtschaft verbannt. Eine Laboranalyse im Auftrag der Organisation Foodwatch hat nun in mehreren Supermärkten teils unerlaubte Mengen von solchen Pflanzenschutzmitteln in importierten Produkten gefunden.

Foodwatch hat insgesamt 64 Produkte aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Österreich im Labor untersuchen lassen. Rund zwei Drittel der Lebensmittel enthielten demnach Rückstände von einem oder mehreren in Europa verbotenen Pestiziden.

Besonders betroffen waren Paprika-, Chili-, Kreuzkümmelpulver und grüner Tee: Von den getesteten Produkten dieser Kategorien enthielten laut Foodwatch alle Proben Rückstände von nicht zugelassenen Pestiziden. Viele lagen jedoch unter den festgelegten Grenzwerten. Diese gelten, auch wenn die Pestizide in der EU verboten sind.

13 von 19 Produkten laut Foodwatch belastet

In Deutschland ließ die Organisation 19 im März gekaufte Produkte von einem Labor testen. Davon waren laut Foodwatch 13 mit Pestiziden belastet, die auch alle in der EU verboten waren. Zwei Gewürze rissen demnach die Pestizidgrenzwerte:

  • In einem gemahlenen Kreuzkümmel des Herstellers Fuchs seien sechs Pestizide nachgewiesen worden, heißt es – davon vier in der EU nicht zugelassene. Ein Stoff, das Herbizid Flamprop, lag laut Foodwatch dabei deutlich über dem geltenden Grenzwert. Nachgewiesen worden sei das 165-fache.

Hersteller Fuchs bezeichnet die gemessenen Werte nach Rücksprache mit dem Partnerlabor als »in dieser Form untypisch und auf den ersten Blick nicht plausibel«. Man nehme die Ergebnisse sehr ernst und werde die betroffene Charge erneut prüfen.

  • In einem gemahlenen Kreuzkümmel der Lidl-Eigenmarke Kania wurden laut Foodwatch zwei in der EU nicht zugelassene Pestizide gefunden. Hier habe das Herbizid Flamprop um das 217-fache über dem geltenden Grenzwert gelegen, teilt Foodwatch mit.

    Lidl gibt auf SPIEGEL-Anfrage an, den Kreuzkümmel für die betroffene Charge aus Indien bezogen zu haben. »In keinem der uns aktuell vorliegenden Prüfberichte externer, akkreditierter Labore wurde der Wirkstoff Flamprop nachgewiesen«, schreibt ein Lidl-Sprecher. Man werde den Sachverhalt prüfen. Qualität und Sicherheit der Produkte habe oberste Priorität.

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bestätigt auf SPIEGEL-Anfrage, dass die berichteten Flamprop-Gehalte über den Grenzwerten lägen. »Die beiden untersuchten Kreuzkümmel-Produkte wären damit nicht verkehrsfähig.« Weil in der Praxis aber nur geringe Mengen der Gewürze gegessen würden, geht das BfR jedoch nicht von einem gesundheitlichen Risiko aus.

Der Beste Wahl Chili Mix von Rewe lag laut Foodwatch über dem Grenzwert für das Insektizid Chlorfenapyr. Das BfR legt für getrocknetes Chilipulver jedoch einen abweichenden Grenzwert zugrunde, mit dem der Pestizidgehalt knapp unter der Schwelle liegt. Auch Rewe argumentiert so. Rewe will die betroffene Charge dennoch untersuchen.

Fünf weitere Chilipulver, ein Kreuzkümmelpulver, zwei grüne Tees sowie zwei Reissorten enthielten Foodwatch zufolge Pestizide unterhalb der festgelegten Grenzwerte. Frei von Pestizidrückständen waren laut Foodwatch der Magen-Darm-Kindertee von Mivolis, der Westminster-Schwarztee von Aldi, der Lord Nelson Schwarzer Earl Grey von Lidl, Dr. Oetker Milchreis, Oryza Ideal Reis und Ben’s Original.

Gewürze werden laut BfR häufig aus Drittstaaten importiert, solche Produkte überschritten »sehr viel häufiger geltende Rückstandhöchstgehalte (RHG) als in der EU produzierte Ware«.

EU ringt um neue Regeln für Importlebensmittel

Die EU-Kommission will die Regeln für importierte Lebensmittel überarbeiten. Kontrovers diskutiert wird etwa, ob es generell untersagt werden soll, Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden in die EU zu importieren.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) müsse dabei »seine Blockadehaltung aufgeben und sich in Brüssel für eine Null-Toleranz-Regelung« einsetzen, heißt es in einer Pressemitteilung von Foodwatch. Das Bundeslandwirtschaftsministerium äußerte sich auf SPIEGEL-Anfrage bislang nicht dazu.

Verbraucher- und Agrarorganisationen werben für eine Verschärfung der Regeln. »Ackergifte, die in Europa verboten sind, dürfen nicht über importierte Lebensmittel wieder auf unserem Teller landen«, sagte Annemarie Botzki von Foodwatch.

Gesamten Artikel lesen