Laufsport: Sind Langstrecken für Kinder und Jugendliche zu gefährlich?

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 Viele Veranstalter bieten als Alternative zum Marathon auch Kinder-, Schüler- und Familienläufe an

Kinder-Massenstart in Hannover, Ende April: Viele Veranstalter bieten als Alternative zum Marathon auch Kinder-, Schüler- und Familienläufe an

Foto: Bernd Günther / IMAGO

Ausdauersport Tod einer 15-Jährigen – sind lange Laufstrecken für Jugendliche zu gefährlich?

Beim Halbmarathon in Leiden ist eine 15-jährige Läuferin gestorben. Hier erklärt Sportwissenschaftler Billy Sperlich, wie Kinder trainieren können und warum zu früher Ausdauersport oft keine gute Idee ist.

Ein Interview von Jochen Leffers

14.05.2026, 11.51 Uhr

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SPIEGEL: Am vergangenen Sonntag ist eine 15-jährige Niederländerin beim Halbmarathon kollabiert, vier Kilometer vor dem Ziel. Die genaue Todesursache ist noch nicht bekannt. Ist Langstreckenlauf für Jugendliche riskant?

Sperlich: Nein, nicht grundsätzlich. Langstreckenlauf ist für gesunde, gut vorbereitete Jugendliche nicht per se gefährlich. Das Risiko hängt aber stark von Alter, Reifegrad, Vorerfahrung, Trainingszustand, Distanz und Streckenprofil ab, von Umgebungsbedingungen und möglichen unerkannten Vorerkrankungen. Was zum tragischen Tod der Läuferin in Leiden geführt hat, kann ich nicht beurteilen. Es könnte eine medizinische Vorgeschichte geben, die vielleicht niemand auf dem Schirm hatte, beispielsweise eine unentdeckte Herzerkrankung. Die Außentemperaturen waren mild, daran wird es wahrscheinlich nicht gelegen haben.

SPIEGEL: Ist Hitze ein großer Risikofaktor beim Langstreckenlauf?

Sperlich: Wenn es im Wettkampf deutlich wärmer ist als im Training gewohnt, kann es zu einem hitzebedingten Kollaps kommen. Die Thermoregulation wird dann zum Problem. Kinder und Jugendliche regulieren Wärme teilweise anders als Erwachsene. Vor allem jüngere Kinder reagieren bei Hitze empfindlicher – besonders bei hoher Belastung, Dehydratation, fehlender Akklimatisation oder zu wenigen Pausen. Bei Jugendlichen ähneln viele Reaktionen bereits denen Erwachsener.

SPIEGEL: Bei großen Stadtmarathons kommt es immer wieder vor, dass Teilnehmer mit Kreislaufproblemen, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall  zusammenbrechen. Woran liegt das?

Sperlich: Die enorme Belastung durch eine derart lange Strecke wird häufig unterschätzt, gerade von Anfängern oder Wiedereinsteigern. Der gesamte Organismus gerät an seine Grenzen, darauf muss man gut vorbereitet sein. Wer die 42,195 Kilometer bewältigen will, sollte unbedingt vorher zum sportmedizinischen Check gehen, idealerweise mit Belastungs-EKG beim Kardiologen oder Internisten. Ältere Teilnehmer sind allerdings deutlich mehr gefährdet als junge Läufer.

SPIEGEL: Die Läuferin war ein Jahr jünger als erlaubt, erst mit 16 hätte sie in Leiden starten dürfen. Für den Marathon lassen Verbände und Veranstalter in der Regel erst 18-Jährige zu. Sind solche Altersgrenzen richtig und notwendig?

Sperlich: Starre Altersgrenzen sind grobe Schutzregeln und organisatorisch nachvollziehbar. Aus sportpraktischer Sicht ist aber nicht allein das kalendarische Alter entscheidend, sondern biologische und kognitive Reife, Trainingshistorie, Gesundheitsstatus, Motivation und Betreuung. Auch aus pädagogischer Sicht halte ich es für falsch, ausdauermotivierte Jugendliche pauschal zu bremsen. Kinder und Jugendliche entwickeln sich ja völlig unterschiedlich und in starken Schüben. Eine 13-Jährige kann sozusagen im Körper einer 16-Jährigen stecken und umgekehrt. Besonders sensibel ist die Phase um die »Peak Height Velocity«, also den Zeitraum des stärksten Längenwachstums. In dieser Phase verändern sich Hebelverhältnisse, Körperproportionen, Koordination und Belastbarkeit sehr schnell. Nicht immer passen sich Muskelkraft, Sehnen, Knochen und neuromuskuläre Kontrolle gleichzeitig an. Dadurch können Überlastungsbeschwerden und Verletzungen begünstigt werden, nicht nur im Laufen, sondern auch in Spielsportarten.

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