Lateinamerika: Guatemala ruft Notstand nach Rebellionen in Gefängnissen aus

vor 9 Stunden 1

Bei der Niederschlagung von Aufständen in Haftanstalten sind mehrere Polizisten in Guatemala getötet worden. Präsident Bernardo Arévalo setzt nun das Militär ein.

19. Januar 2026, 4:26 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters, AP,

 Sicherheitskräfte haben von Bandenmitgliedern kontrollierte Haftanstalten wieder unter ihre Kontrolle gebracht.
Sicherheitskräfte haben von Bandenmitgliedern kontrollierte Haftanstalten wieder unter ihre Kontrolle gebracht. © Emmanuel Andres/​AP/​dpa

Die Regierung von Guatemala hat nach Aufständen in Gefängnissen den Ausnahmezustand verhängt. "Wir verhandeln nicht mit Kriminellen und tolerieren keine terroristischen Handlungen", sagte Präsident Bernardo Arévalo in einer Regierungserklärung. Er sei fest entschlossen, die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten.

In den kommenden 30 Tagen sollen nun die Polizei und das Militär gegen das organisierte Verbrechen in dem mittelamerikanischen Land vorgehen. Der Direktor der Nationalen Zivilpolizei, David Boteo, rief die Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben. Der Schulunterricht am Montag wurde landesweit ​abgesagt.

Zuvor hatten Häftlinge in drei Gefängnissen über Stunden hinweg die Macht übernommen und rund 40 Wärter als Geiseln genommen. Gefangene zeigten sich auf den Wachtürmen und forderten Verbesserungen der Haftbedingungen, wie in einem Video einer Lokalzeitung zu sehen war. Später stürmten Sicherheitskräfte die Haftanstalten und übernahmen nach Behördenangaben wieder die Kontrolle.

Mehrere Tote bei Vergeltungsangriffen

Die Aufstände in Guatemala-Stadt, Escuintla und Quetzaltenango seien eine Folge der Entscheidung der Behörden, den inhaftierten Anführern krimineller Banden ihre Privilegien zu entziehen, hieß es in einer Stellungnahme des Innenministeriums. So seien bei Razzien in den Haftanstalten zuletzt Mobiltelefone, Waffen sowie Drogen sichergestellt und illegale Bauten in den Gefängnissen zerstört worden.

Bei einer Reihe mutmaßlicher Vergeltungsangriffe auf Polizisten im Großraum von Guatemala-Stadt wurden nach dem Ende der Rebellionen mindestens acht Beamte und ein mutmaßliches Bandenmitglied getötet. Zudem wurden mehrere Verdächtige festgenommen.

Im Oktober hatte der guatemaltekische Präsident Bernardo Arévalo die Rücktritte dreier ranghoher Sicherheitspolitiker angenommen, darunter der Vorgänger von Innenminister Villeda. Zuvor hatten zuständige Behörden eingeräumt, dass innerhalb weniger Tage 20 Bandenmitglieder aus der Haft entkommen waren.

Gesamten Artikel lesen