Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Charkiw
Ungarn wirft Selenskij Erpressung vor
Ukraine-Friedensgespräche mit Russland wegen Iran-Krieg auf Eis
Mehrere Tote und Verletzte bei russischen Angriffen
Russland: Ukraine greift Gas-Tanker im Mittelmeer an
Ukraine bietet USA Tausch von Abfangdrohnen gegen "Patriot"-Systeme an
Die USA haben die Ukraine angesichts des Iran-Kriegs um Unterstützung beim Schutz gegen feindliche Shahed-Drohnen gebeten, berichtet der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij. „Wir haben eine Anfrage der USA für spezifische Unterstützung zum Schutz gegen 'Shaheds' in der Nahost-Region bekommen“, schreibt er auf der Plattform X. Er habe Anweisungen gegeben, die notwendigen Mittel bereitzustellen und die Präsenz ukrainischer Spezialisten zu gewährleisten. „Die Ukraine hilft Partnern, die zur Gewährleistung unserer Sicherheit und zum Schutz des Lebens unserer Bevölkerung beitragen.“
Selenskij bringt einen Tausch ukrainischer Abfangdrohnen gegen Raketen des Flugabwehrsystems Patriot ins Spiel. Im Iran-Krieg seien angeblich in drei Tagen mehr als 800 Patriot-Raketen verschossen worden, sagt er. So viele habe die Ukraine in mehr als vier Jahren des russischen Angriffskrieges nicht zur Verfügung gehabt. Er spricht von einem zukünftigen Dialog über zusätzlich zu produzierende Mengen an Abfangdrohnen, die dann gegen Patriot-Raketen eingetauscht werden sollen.
Die teure Munition für die in den US-produzierten Patriot-Systemen ist weltweit knapp. Die Ukraine fürchtet, angesichts des hohen Verbrauchs im Iran-Krieg als Empfänger der Raketen ins Hintertreffen zu geraten. Die Patriots sind das zuverlässigste Abwehrmittel gegen russische ballistische Raketen.
Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Charkiw
Russland hat die Ukraine erneut mit Luftangriffen überzogen und allein in der zweitgrößten Stadt Charkiw im Osten zahlreiche Menschen getötet und verletzt. Der Einschlag einer ballistischen Rakete in ein Wohnhaus tötete mindestens acht Menschen, teilte der Militärgouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, am Morgen bei Telegram mit. Unter den Toten waren nach Behördenangaben auch eine Lehrerin und ihr Junge sowie eine weitere Frau und ihre 13 Jahre alte Tochter.
Mindestens zehn Menschen sind den Behörden zufolge verletzt worden, darunter auch Kinder. Auf den veröffentlichten Fotos waren schwere Schäden an dem fünfgeschossigen Wohnhaus zu sehen. Demnach sprengte die Rakete große Teile des Gebäudes weg.
Präsident Wolodimir Selenskij teilte in den sozialen Netzwerken mit: „Russland hat 29 Raketen, davon fast die Hälfte ballistische Raketen, und 480 Drohnen, davon die meisten vom Typ Shahed, gegen die Ukraine eingesetzt“. Einmal mehr sei die Energieversorgung Ziel der russischen Angriffe gewesen.
Auch in anderen Regionen meldeten die Behörden Luftalarm wegen der russischen Angriffe. Betroffen waren demnach auch Kiew, die westukrainischen Regionen Chmelnyzkyj und Tscherniwzi (Czernowitz) sowie die Eisenbahn in der Region Schytomyr im Nordwesten des Landes. „Es wurden Schäden in den Regionen Dnipropetrowsk, Saporischschja, Winnyzja, Odessa, Poltawa, Sumy und Tscherkassy festgestellt. Überall, wo es notwendig ist, sind die entsprechenden Dienste im Einsatz“, teilte Selenskij bei Telegram mit. In Kiew hatte Bürgermeister Vitali Klitschko wegen des Raketenalarms die Menschen aufgerufen, Schutz zu suchen. Er sprach am Nachmittag von drei Verletzten. 1905 Gebäude seien wegen der Schäden an der Infrastruktur ohne Heizung, sagte er. Demnach stieg damit die Zahl der von der Wärmeversorgung durch die russischen Angriffe abgeschnittenen Gebäude auf fast 2700.
Das russische Verteidigungsministerium spricht einem Agenturbericht zufolge von einem nächtlichen Großangriff auf Energie- und Militäranlagen in der Ukraine. Die Attacke habe unter anderem Flugplätzen für die Luftwaffe und Industrieanlagen mit Militärbezug gegolten, wird das Ministerium von der russischen Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben ist nicht möglich.
Selenskij: Russland bereitet Frühjahrsoffensive in Donezk vor
Russland bereitet nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij eine Frühjahrsoffensive in Donezk vor. Er äußert sich bei einem Truppenbesuch an der Front in dieser ostukrainischen Region. "Heute besuchen wir die Region Donezk, unser Land und unsere Soldaten", erklärt Selenskij in der Telegram-App und postet ein Selfie-Video aus der Stadt Druschkiwka. "Es ist wichtig, dass unsere Stellungen stark sind. Das Böse muss gestoppt werden. Die Ukrainer hier im Donbass tun genau das." Der industriell geprägte Donbass besteht aus den Regionen Donezk und Luhansk, die zum Teil vom russischen Militär besetzt sind.
EU-Kommission rügt Wortwahl Selenskijs als inakzeptabel
Die EU-Kommission hat die Drohungen des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij gegen Ungarn scharf verurteilt. „Eine solche Wortwahl ist inakzeptabel. Es darf keine Drohungen gegen EU-Mitgliedstaaten geben“, sagte ein Sprecher der Kommission in Brüssel. Ganz allgemein sei die „eskalierende und aufrührerische Rhetorik“ von allen Seiten nicht hilfreich.
Im Streit über von Ungarn blockierte Finanzhilfen für die Ukraine hatte Selenskij zuvor dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán offen gedroht. „Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden“, sagte Selenskij. Von der Regierung in Budapest wurden die Äußerungen als Einschüchterungs- und Erpressungsversuch gesehen.
In dem Konflikt zwischen Orbán und Selenskij geht es darum, dass Ungarn mit einem Veto gegen neue EU-Finanzhilfen und Russland-Sanktionen versucht, eine schnelle Wiederaufnahme günstiger Öllieferungen über den Südstrang der Druschba-Pipeline zu erzwingen. Diese führt von Russland über Belarus und die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei und wurde nach ukrainischen Angaben im Januar bei russischen Luftangriffen so stark beschädigt, dass sie nicht mehr funktionsfähig ist. Die Regierung von Orbán geht dagegen davon aus, dass die Pipeline betriebsfähig ist und die Ukraine aus politischen Gründen die Wiederaufnahme des Betriebs verhindert.
Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, wichtig sei es nun, alle Beteiligten dazu zu bringen, sich zu beruhigen und die Rhetorik zurückzufahren. Ziel sei es, die Energiesicherheit der EU-Staaten zu gewährleisten. Zugleich müssten alle möglichen Schritte unternommen werden, um den Druck auf Russland zu erhöhen und den Kredit für die Ukraine bereitzustellen.
Streit zwischen Ungarn und Ukraine spitzt sich zu
Der Streit zwischen der Ukraine und Ungarn über die Lieferung russischen Öls spitzt sich zu. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf der Regierung in Budapest in der Nacht auf Freitag vor, sieben Mitarbeiter der staatlichen Oschadbank festgenommen und deren Geldtransporte beschlagnahmt zu haben. Es handele sich um eine Geiselnahme und Diebstahl, schrieb Sybiha auf X.
Dem ukrainischen Außenminister zufolge wollten die Bankmitarbeiter Bargeld aus Österreich in die Ukraine transportieren. Nach Angaben der Oschadbank zeigten GPS-Daten die Fahrzeuge in der Nähe eines Gebäudes der ungarischen Sicherheitsdienste in Budapest an. An Bord befänden sich 40 Millionen Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte an, wichtige Transporte für die Ukraine würden in Ungarn gestoppt werden. Außerdem werde man den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union blockieren, sagte der Regierungschef im staatlichen Rundfunk.
"Wenn dies die 'Gewalt' ist, die Herr Orbán heute angekündigt hat, dann ist es die Gewalt einer kriminellen Bande. Das ist Staatsterrorismus und Schutzgelderpressung", erklärte Sybiha mit Blick auf Äußerungen Orbáns vom Donnerstag, in denen er angekündigt hatte, den Streit um die Druschba-Pipeline "mit Gewalt" zu gewinnen.
Hintergrund des Streits ist die Unterbrechung russischer Öllieferungen über die Druschba-Pipeline, die über ukrainisches Territorium führt. Die Regierung in Kiew begründet den Stopp mit Schäden durch einen russischen Angriff im Januar, die Reparatur dauere an. Ungarn und die ebenfalls von den russischen Lieferungen abhängige Slowakei werfen der Ukraine dagegen vor, den Ölhahn aus politischen Gründen zugedreht zu haben.
Ungarn wirft Selenskij Erpressung vor
Im Streit über einen von Ungarn blockierten EU-Kredit droht der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. „Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden Euro nicht blockieren wird und die ukrainischen Kämpfer Waffen bekommen, andernfalls geben wir die Adresse dieser Person unseren Jungs weiter, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden“, sagte Selenskij nach einer erweiterten Regierungssitzung in Kiew. Der Staatschef betonte, dass sein Land zum EU-Kredit keine Alternative habe.
In Ungarn wurde umgehend auf die Äußerung reagiert. „Diese Drohungen und Erpressungen von Selenskij gehen weit über jedes akzeptable Limit hinaus“, schrieb Orbáns Pressesprecher Zoltan Kovacs auf der Plattform X. Persönliche Emotionen hätten nichts in Angelegenheiten wie dieser zu suchen. Ungarn werde sich nicht einschüchtern und erpressen lassen.
Budapest blockiert die Freigabe des EU-Kredits aufgrund des eingestellten Transits über die Erdölpipeline „Druschba“ (Freundschaft). Ukrainischen Angaben nach wurde diese durch einen russischen Drohnenangriff Ende Januar auf ein Tanklager bei der westukrainischen Stadt Brody beschädigt. Ungarn und auch die ebenfalls vom Transitstopp betroffene benachbarte Slowakei zweifeln diese Angaben an und fordern Zugang für eine Expertenkommission der Europäischen Union.
Selenskij verweigerte diesen unter Verweis auf ukrainische Experten. „Ich denke, dass unser Wort reicht“, sagte er und stellte eine Reparatur frühestens Mitte April in Aussicht.
Ukraine-Friedensgespräche mit Russland wegen Iran-Krieg auf Eis
Die von den USA vermittelten Friedensgespräche zwischen Kiew und Moskau, die ursprünglich für diese Woche geplant waren, sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Grund ist der Krieg in Iran, wie der ukrainische Präsident erklärt. „Vorerst sind wegen der Lage in Bezug auf den Iran die notwendigen Signale für ein trilaterales Treffen noch nicht eingegangen“, sagte Wolodimir Selenskij am Mittwochabend in seiner regelmäßigen Ansprache an die Nation. „Sobald die Sicherheitslage und der breitere politische Kontext es erlauben, die trilaterale diplomatische Arbeit wieder aufzunehmen, wird dies geschehen.“
Am Montag hatte Selenskij vor Reportern angekündigt, die Gespräche seien für den 5. oder 6. März vorgesehen gewesen. Dieses Treffen wäre das vierte in diesem Jahr gewesen, nach zwei Verhandlungsrunden in Abu Dhabi und einer weiteren in Genf. Infolge der Gefahr von Raketen- und Drohnenangriffen Irans ist der Luftraum über den Vereinigten Arabischen Emiraten weitgehend geschlossen. Dennoch hat Selenskij zuvor auch die Türkei und die Schweiz als mögliche Austragungsorte genannt.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die russische Forderung, die Ukraine solle Gebiete in der östlichen Region Donezk abtreten. Diese Gebiete haben Moskaus Truppen seit 2014 trotz anhaltender Kämpfe nicht vollständig einnehmen können, doch genau sie stehen weiterhin im Zentrum der Verhandlungen. „Wir stehen praktisch täglich in Kontakt mit den Vereinigten Staaten“, sagte Selenskij. Er betonte, Kiew sei bereit für neue Gespräche.
Deutschland unterstützt Ukraine mit weiteren 200 Millionen Euro
Deutschland stellt der Ukraine angesichts anhaltender russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes weitere 200 Millionen Euro zur Verfügung. „Mit diesen Geldern soll der Schutz der Ukraine gegen den Bombenterror Putins noch einmal verstärkt werden“, sagte Außenminister Johann Wadephul (CDU) bei einem Treffen mit seinem moldauischen Kollegen Mihai Popșoi in Berlin mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Mit dem Geld sollten unter anderem Aufklärungsdrohnen finanziert und der Zivilschutz unterstützt werden.
„All das stärkt die Widerstandskraft der Ukraine und nützt auch Moldau“, sagte Wadephul. Zugleich wandte sich der Bundesaußenminister gegen Befürchtungen, angesichts des Iran-Krieges könne sich der Fokus von den Verhandlungen über ein Ende des russischen Angriffskriegs weg verlagern. Zwar nehme die Bundesregierung die neuen Bedrohungen, die aus dem Iran-Krieg entstehen könnten, sehr ernst. Wadephul unterstrich jedoch, „dass für Deutschland der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die damit verbundene Bedrohung seiner gesamten Nachbarstaaten die sicherheitspolitische Thematik Nummer eins bleibt“.
Ukraine und Russland tauschen erneut Gefangene aus
Russland und die Ukraine tauschen je 200 Kriegsgefangene aus. Das teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Trotz der russischen Großinvasion vor vier Jahren und ausbleibender Fortschritte bei Friedensverhandlungen übergeben beide Seiten immer wieder Gefangene und die sterblichen Überreste von Soldaten, zuletzt in der vergangenen Woche.
Pipeline-Streit: Orbán will Erkundungsmission in die Ukraine schicken
Im Streit mit der Ukraine um eine im Krieg beschädigte Erdölleitung will Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán eine eigene Erkundungsmission in die Ukraine schicken. Diese Verordnung erschien vergangene Nacht im ungarischen Amtsblatt. Ein stellvertretender Minister aus dem ungarischen Energieministerium soll diese Mission anführen.
Über die Druschba-Pipeline bekamen Ungarn und die Slowakei bis Ende Januar Erdöl aus Russland. Die Lieferungen über diese Pipeline wurden der Ukraine zufolge abgebrochen, nachdem sie durch russische Angriffe beschädigt worden war. Die Regierungen Ungarns und die Slowakei behaupten, dass der Abbruch der Lieferungen nicht an technischen Problemen liege, sondern an einer politischen Entscheidung in Kiew. Die Ukraine bestreitet das. Ihren Angaben nach liegt die Schadstelle im Westen des Landes bei Brody im Gebiet Lwiw. Dort habe ein russischer Drohnenangriff Ende Januar ein Tanklager getroffen, dessen Brand auch technische Systeme der Pipeline-Steuerung unter der Erde beschädigt habe. „Diese Schäden sind von außen nicht sichtbar, erfordern jedoch umfangreiche Reparaturarbeiten“, sagte Energieminister Denys Schmyhal.
Eine ungarische Erkundungsmission wird ohne Zustimmung Kiews vor Ort nicht tätig werden können. Ihre Einsetzung durch Orbán stellt einen eher symbolischen Akt dar. Der ungarische Ministerpräsident erhofft sich davon mehr Druck auf die Ukraine, die Pipeline wieder betriebsfähig zu machen.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sagte der italienischen Zeitung Corriere della Sera, dass er mit Orbán nicht rede, weil der nicht mit ihm sprechen wolle. Er sei aber im Kontakt mit dem slowakischen Regierungschef Robert Fico. Diesem habe er gesagt: „Die Pipeline ist zerstört. Um sie zu reparieren, ist eine Waffenruhe nötig. Das muss Putin klar gesagt werden.“
Mehrere Tote und Verletzte bei russischen Angriffen
Russland hat die Ukraine in der Nacht mit Angriffen aus der Luft überzogen. Vier Personen seien verletzt worden, als eine Drohne in der Nähe eines Mehrfamilienhauses im Dorf Nowopokrowka einschlug, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Der Gouverneur des südukrainischen Gebiets Odessa, Oleh Kiper, sprach zudem von einem Angriff auf ein ziviles Schiff unter der Flagge Panamas im Schwarzen Meer. Es habe den ukrainischen Hafen Tschornomorsk verlassen und Mais transportiert. Es gebe verletzte Besatzungsmitglieder, schrieb er bei Telegram, ohne Details zu nennen.
Während des vergangenen Tages seien insgesamt sieben Menschen bei russischen Angriffen getötet worden und 25 weitere verletzt, das berichtet die ukrainische Zeitung Kyiv Independent und bezieht sich dabei auf Angaben lokaler Behörden. Zu den tödlichen Angriffen sei es demnach im östlichen Gebiet Donezk, im nordöstlich gelegenen Charkiw und im südöstlichen Gebiet Cherson gekommen.
Auch Russland berichtet von Verletzten. Nach Angaben des Gouverneurs Roman Bussargin des Gebiets Saratow, seien nach ukrainischen Drohnenangriffen drei Menschen verletzt worden. Er sagte aber nicht, wo genau. In Saratow am Fluss Wolga gibt es eine Ölraffinerie und in deren Nähe einen großen Luftwaffenstützpunkt der russischen Streitkräfte.
Selenskij: Bisher keine Signale für neue Ukraine-Gespräche
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij geht wegen der Lage im Nahen Osten von einer Pause in den Friedensgesprächen mit Russland unter US-Vermittlung aus. „Aufgrund der Situation mit Iran sind die notwendigen Signale für ein trilaterales Treffen bislang noch nicht gekommen“, sagte Selenskij in seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft.
Er hatte mit neuen Verhandlungen zwischen Ukrainern und Russen Anfang März gerechnet. Nun sagte er, dass die „trilaterale diplomatische Arbeit“ wieder aufgenommen werden solle, sobald „die Sicherheitslage und der allgemeine politische Kontext es uns erlauben“. „Die Ukraine ist dazu bereit“, sagte er. Auch der Kreml hatte mitgeteilt, trotz der „Enttäuschung“ über den US-Angriff auf den mit Russland befreundeten Iran weiter auf die Vermittlung Washingtons im Ukraine-Krieg zu setzen. Zuletzt hatte es mehrfach Gespräche gegeben – erst in Abu Dhabi, dann in Genf. Selenskij sagte, dass er mit seinem Chefunterhändler Rustem Umjerow gesprochen habe, der „praktisch täglich mit den Vereinigten Staaten in Kontakt“ stehe.
Russland: Ukraine greift Gas-Tanker im Mittelmeer an
Moskau hat Kiew vorgeworfen, einen Gas-Tanker im Mittelmeer mit einem unbemannten Drohnenboot angegriffen zu haben. „Das ist ein Terroranschlag“, sagte Präsident Wladimir Putin in einem auch vom Kreml veröffentlichten Interview mit dem russischen Staatsfernsehen. Laut dem russischen Verkehrsministerium attackierte die Ukraine am Vortag im Mittelmeer den Gas-Tanker „Arctic Metagaz“ in unmittelbarer Nähe Maltas.
In Moskau sagte Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa, dass alle 30 Mitglieder der Besatzung gerettet seien. Die Männer seien in Sicherheit, „zwei von ihnen, die Brandverletzungen erlitten haben, wird medizinische Hilfe zuteil“, sagte Sacharowa. „Da es sich um einen Gas-Tanker handelt, der mit einer Ladung unterwegs war, hat der Angriff auf ihn auch enorme Schäden für die Umwelt zur Folge“, sagte sie. Sie machte allerdings keine Angaben zum Zustand des Schiffs. Auf nicht überprüfbaren Fotos und Videos in sozialen Medien, die den Vorfall zeigen sollen, waren Rauch und Feuer auf einem stark beschädigten Schiff zu sehen. Russland spricht neben Terror auch von Piraterie und wirft den Mitgliedstaaten der EU vor, solche Handlungen der Ukraine zu dulden.
Von ukrainischer Seite gab es dazu zunächst keine Reaktion. Allerdings veröffentlichte Serhij Sternenko, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, auf X „exklusiv“ Aufnahmen, die nach dem Brand vom russischen Gas-Tanker aus der Luft gemacht wurden. Die Streitkräfte Maltas teilten bei Facebook mit, dass sie über eine Notsituation des Schiffs Arctic Metagaz außerhalb ihres Such- und Rettungsgebiets informiert worden seien. Das Schiff sei geortet, und Koordinierungsmaßnahmen seien gemäß internationalen Verpflichtungen ergriffen worden. Die Überlebenden seien anschließend im libyschen Such- und Rettungsgebiet in einem Rettungsboot gefunden worden.
Ukraine: Erneut Angriffe auf Bahn - Personenzug getroffen
Eine russische Drohne hat in der südukrainischen Region Mykolajiw einen leeren Personenzug getroffen. Dabei wurde ein Eisenbahnmitarbeiter verletzt, wie der stellvertretende Ministerpräsident Oleksij Kuleba mitteilt. Die ukrainische Staatsbahn Ukrsalisnyzja erklärt, Russland habe seine Drohnenangriffe auf die Eisenbahn-Infrastruktur verstärkt. Bei einem Angriff auf einen Nahverkehrszug in der Region Dnipropetrowsk waren am Montag ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt worden. Seit Anfang März seien 18 Angriffe registriert worden, bei denen 41 Anlagen beschädigt wurden.
Bundesnachrichtendienst: Russland schönt Kosten des Angriffskrieges
Die Lage der russischen Wirtschaft und des Staatshaushalts ist nach Ansicht des Bundesnachrichtendienstes schlechter als offiziell dargestellt. „Russland versucht, durch geschönte Zahlen die wahren Kosten seines Angriffskrieges gegen die Ukraine zu verschleiern“, schreibt der Nachrichtendienst auf der Plattform LinkedIn. „Das echte Defizit des föderalen Haushalts 2025 liegt über 2,36 Billionen Rubel (26,18 Milliarden Euro) höher als offiziell ausgewiesen.“ Der BND beruft sich auf nachrichtendienstliche Erkenntnisse.
Im fünften Jahr des Krieges gegen die Ukraine wiesen nahezu alle Sektoren der russischen Volkswirtschaft eine Negativentwicklung auf, heißt es weiter. Neben deutlich niedrigeren Öl- und Gaseinnahmen aufgrund der seit 2022 stark gesunkenen Weltmarktpreise läge dies auch an den westlichen Sanktionen. Die Kosten für den Krieg würden von der russischen Führung billigend in Kauf genommen und noch über Jahre nachwirken. „Mit der Verschleierung der wirtschaftlichen Schäden wird der Investitionsstandort Russland zum unwägbaren Risiko“, schreibt der BND.
Weitere Sanktionen und deren Umsetzung könnten nach Ansicht des Nachrichtendienstes den Druck auf Russland erhöhen und den Preis für den Angriff auf die Ukraine für Russland nach oben treiben. Der BND nennt als mögliche Maßnahmen etwa Sanktionen gegen Unterstützer Russlands in Drittstaaten oder die sogenannte Schattenflotte, die russisches Öl transportiert. Die EU hat bereits ein 20. Sanktionspaket vorbereitet, dessen Verabschiedung derzeit von Ungarn aufgehalten wird.












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