Es war das erste Mal, dass Donald Trump an der Jahresveranstaltung jener teilnahm, die über ihn berichten: dem Dinner der Korrespondenten im Weißen Haus. Bisher hatte er die Veranstaltung boykottiert. Das Essen hätte eigentlich bereits im April stattfinden sollen. Doch damals fielen Schüsse, bevor es richtig begonnen hatte – ein mutmaßlicher Attentatsversuch.
Am Freitag wurde die traditionelle Veranstaltung nun nachgeholt. Und Trump musste lange zuhören, bevor er reden durfte. Journalistinnen und Journalisten erhielten Preise für Enthüllungen über ihn, die Präsidentin der Korrespondentenvereinigung, Weijia Jiang, die für CBS News arbeitet, hob die Bedeutung der Pressefreiheit hervor. Sie schaute dem Präsidenten ins Gesicht, als sie sagte, die Medien würden sich nicht einschüchtern lassen.
„Vielleicht war ich ein wenig übersensibel“
Donald Trump bezeichnet die Medien als „Feinde des Volkes“ und „Fake News“, er verklagt Verlagshäuser, er lässt Hausdurchsuchungen vornehmen, er verunglimpft Journalistinnen. Seine Rede vor dem Pressecorps wurde deshalb mit Spannung erwartet. Und sie begann überraschend heiter: Diese Preisverleihung zu verfolgen, sei für ihn „schon ziemlich hart“ gewesen, sagte Trump. Und weiter: Die Medien machten einen tollen Job, er respektiere die meisten im Saal.
In der ersten Amtszeit habe er nicht an dieser Veranstaltung teilgenommen, weil er sich unfair behandelt gefühlt habe, sagte Trump. Vielleicht sei er aber auch ein wenig übersensibel gewesen. Mit der Zeit beurteile man die Dinge anders. In der zweiten Amtszeit werde alles besser – und in der dritten erst recht. „Ich scherze bloß“, fügte Trump an. Der Saal hatte schon vorher gelacht.
Trump begab sich dann kurz auf die Metaebene. Nun stelle sich natürlich die Frage, was er in dieser Rede sagen solle. Ein wenig böse werde er schon werden, aber nicht so böse, wie er ursprünglich geplant habe. Später sagte Trump auch, er sei eine sarkastische Person, viele verstünden das nicht.
Die Veranstaltung soll nach ihm benannt werden
Vorerst witzelte er aber weiter, präsentierte ein paar vorbereitete, mehr oder weniger lustige, teils aber fast schon selbstironische Pointen. Das nächste Mal werde er nur teilnehmen, wenn die Veranstaltung in „Trump Correspondents' Dinner“ umbenannt werde, sagte er etwa. Oder: Das Fleisch sei gut gewesen, Gesundheitsminister Robert Kennedy habe die Kuh persönlich überfahren.
Bald aber wich Trump vom Skript ab und begann mit dem assoziativen Sprechen, das man von seinen Wahlkampfveranstaltungen kennt. Der großartige Ballsaal im Weißen Haus, der großartige Bunker unter dem Ballsaal, die historischen UFC-Kämpfe vor dem Weißen Haus: „Wir sollten wöchentlich Kämpfe abhalten!“ Nur ein Witz.
Der Sender CNN, der die Veranstaltung übertrug, blendete zur Rede kurze, kommentierende Textnachrichten von Journalistinnen und Journalisten ein. Die Teilnehmenden wunderten sich etwa nach einer halben Stunde, dass Trump noch nichts Politisches gesagt hatte. Wer würde denn diese Chance nicht nutzen, rund 100 Tage vor den Zwischenwahlen? Einer der Journalisten warf die Frage auf, ob die für politische Wirkung zuständigen Redenschreiber vielleicht Elon Musks Kettensägenkürzungen zum Opfer gefallen seien.
Er witzelt über das Aussehen seiner Feinde
Dann folgte der angekündigte böse Teil. Trump machte sich über Personen lustig, die zu seinen Feinden zählen, mehrheitlich über ihr Äußeres, mit Aussagen wie: „Man darf nicht sagen, dass er ein fettes Schwein ist.“ Lacher erntete er dafür kaum, es wurde ziemlich still im Saal. Eine der Journalistinnen in der Kommentatorenrunde schrieb: „Am Nebentisch hat sich einer gerade absurd viel Wein eingeschenkt.“
Auf Trumps Shaming-Liste standen unter anderen der Rockstar Bruce Springsteen, die demokratischen Gouverneure JB Pritzker und Gavin Newsom, die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar, der Comedian Jimmy Kimmel und die CNN-Journalistin Kaitlan Collins, die Trump schon mehrmals persönlich angegriffen hat.
Für gewöhnlich tritt beim Korrespondenten-Dinner auch ein Comedian auf. Diesmal nicht, weil der Präsident sonst wohl nicht teilgenommen hätte. Er kann Comedians nicht ausstehen. Sie seien überhaupt nicht lustig, sagte er. Gleichzeitig beteuerte er, es habe ihm nichts ausgemacht, dass sich der damalige Präsident Barack Obama beim Korrespondenten-Dinner über ihn lustig gemacht habe, obwohl es damals anders gewirkt hatte.
„Graham Platner hätte gut abschneiden können“
Die vielleicht erstaunlichste Aussage machte Trump im Zusammenhang mit Graham Platner, dem tief gefallenen populistischen Senatskandidaten der Demokraten in Maine. Platner stieg aus dem Rennen aus, nachdem mehrere Frauen berichtet hatten, er sei gegen sie gewalttätig geworden. Eine ehemalige Partnerin wirft ihm vor, sie vergewaltigt zu haben. Trump sagte dazu: „Er hätte gut abschneiden können. Wir sind schließlich im Trump-Zeitalter.“
Den Irankrieg erwähnte der US-Präsident dann auch noch kurz, und dass Washington D.C. dank ihm wieder schön und sicher sei. Zuletzt – nach einer Stunde – setzte er sich in Anspielung auf die nächsten Präsidentschaftswahlen eine Mütze mit der Aufschrift „Trump 2028“ auf, versicherte den verhassten Medien, er respektiere sie und prognostizierte, sie würden ihn dereinst vermissen: „Wenn ich weg bin, werdet ihr alle pleitegehen.“











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