Die KI ringt immer noch um Anerkennung, zumindest, wenn es um das Schreiben von Geschichten geht. Wenige trauen ihr dies zu. Dabei können Leser aus Fleisch und Blut einer neuen Studie zufolge gar nicht mehr zuverlässig unterscheiden, ob Kurzgeschichten menschlichen Synapsen oder digitalen Schaltkreisen entsprungen sind. Mehr noch, die „künstlichen Geschichten“ sollen sogar besser, vor allem eingängiger sein als handgemachte Erzählungen, heißt es im Journal „Judgement and Decision Making“.
Das kann ja wohl kaum sein, denkt sich der Mensch und möchte sofort das Gegenteil beweisen. Glücklicherweise sind die in der Studie verwendeten Kurzgeschichten frei zugänglich. Und tatsächlich: Die Unplugged-Versionen humanen Ursprungs entlocken dem Leser hier und da ein Schmunzeln. Ihr Stil ist subtil, die Charaktere vielschichtig und die Formulierungen teils überraschend. All das lassen die KI-Geschichten vermissen, sie erscheinen vorhersehbar und oberflächlich. Dafür ist dem Leser sofort klar, worum es in der Geschichte gehen sollte, auch der KI-Ton ist positiver. Offenbar scheinen Menschen unkomplizierte Texte zu bevorzugen, nicht erst seit es KI, Tiktok oder Clickbaiting gibt, meint Deena Weisberg von der Villanova-Universität in Pennsylvania, eine der Studienautorinnen. Solche Erfindungen verstärkten nur Tendenzen, die ohnehin schon da seien, sagt sie. Man will es wohl nur nicht wahrhaben.
Hinzu kommt: Der Mensch ist voreingenommen. Einem Teil gaukelten die Wissenschaftler vor, die KI-Geschichten seien von Menschen geschrieben worden – so kamen diese gleich noch besser an. Mit gekauftem Kuchen ist das ähnlich: Auch der hat es schwer gegenüber einem Kuchen, dessen Teig jemand im Schweiße seines Angesichts selbst abgewogen, angerührt und gebacken hat. Manch einer traut sich kaum zuzugeben, wenn der Kuchen mit einer Backmischung zubereitet wurde oder aus dem Supermarkt stammt. Dabei schmecken die Tütenkuchen doch so zuverlässig immer gleich gut.
Mit Erzählungen ist das womöglich ähnlich. Machte es die KI annehmbarer, wenn sie ein bisschen menschlicher daherkäme? Eine kleine Schreibblockade wäre doch nett. Dieses menschliche Problem plagte die Maschinenschreiberin „Kalliope 7.3“ in Marc-Uwe Klings Buch „Qualityland“, das 2017 erschienen ist. Darin fristet die E-Poetin ein trauriges Dasein beim Verschrotter, weil sie sich weigerte, personalisierte Texte nach den Vorlieben der Leser zu schaffen. Der Verschrotter hat indessen ein Herz für Maschinen mit Sinnkrisen und kümmert sich nicht nur um Kalliope, sondern gleich auch um eine Drohne mit Flugangst.
Am Ende stellt sich heraus: Kalliope konnte ihre Schreibblockade überwinden und – Achtung, Spoiler! – outet sich als Autorin des Buches. Ein Schluss zum Schmunzeln, Klings Stil erscheint allzu menschlich. Bücherlesen jedenfalls schützt selten davor, auf KI-Texte reinzufallen. Geübter im Entlarven der digitalen Kunstform waren in der aktuellen Studie nur jene Probanden, die sich viel mit KI beschäftigten. Man muss den Feind also kennen.

vor 16 Stunden
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