Katholiken versammeln sich in Würzburg: Mahnungen und Mutmacher beim Kirchentag

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Der Würzburger katholische Bischof Franz Jung warnt davor, Religion für politische Zwecke zu missbrauchen. „Hab Mut, steh auf und wage den Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsphantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen“, sagte er beim Eröffnungsgottesdienst des Katholikentags mit Blick auf das Motto „Hab Mut, steh auf!“.
Gottes Reich gründe weder auf Gewalt noch auf Unterdrückung oder Einschüchterung, fügte er in seiner Predigt hinzu: „Seine Botschaft vom Gottesreich darf deshalb auch nicht missbraucht werden zur Rechtfertigung irdischer Herrschaftsansprüche. Denn überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet und richten noch heute Blutbäder an.“ Jung rief als Gastgeber des bis Sonntag dauernden Christentreffens auch dazu auf, die Würde aller Menschen als höchstes Gut zu verteidigen gegen zunehmende Angriffe von allen nur denkbaren Seiten. Kirche müsse dabei vor allem auf der Seite derer stehen, die sich selbst am wenigsten wehren könnten. Sie setze sich daher besonders ein „für den Schutz des ungeborenen Lebens, für die Würde der kranken Menschen, der Menschen mit Behinderung und der sterbenden Menschen“.

Am Vortag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Christen dabei zu mehr Zusammenarbeit ermahnt. „Wenn ich mir bei meiner letzten Rede als Bundespräsident auf dem Katholikentag etwas wünschen dürfte, dann bitte das: Mehr Ökumene wagen!“, sagte der Protestant unter großem Applaus auf dem Residenzplatz der unterfränkischen Barockstadt bei strömendem Regen. Zu dem fünftägigen Treffen werden bis Sonntag Zehntausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu rund 900 Veranstaltungen erwartet. Steinmeier warnte vor einer um sich greifenden Weltuntergangsstimmung. „Unsere Gegenwart und ihre immer schneller aufeinander folgenden schlimmen Nachrichten haben viele erschöpft und passiv werden lassen“, räumte das Staatsoberhaupt ein. Man müsse aber aufhören, „das Land in den Abgrund zu reden“. Die Welt brauche hier und da so etwas wie eine Kirchenmeile, „braucht Orte und Menschen, die mutig sind, die aufstehen“, sagte Steinmeier vor allem mit Blick auf das Engagement der vielen Ehrenamtlichen.

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