Ali Khamenei ist tot. Jetzt ist sein Sohn dran. Damit konzentriert sich die Macht in Iran nur knapp eine Woche nach Beginn der Angriffe der USA und Israels erneut auf eine einzige Person. Was das Regime in Iran bis jetzt so stabil gemacht hat, ist seine besondere Konstruktion:
An der Spitze des Staates steht der religiöse Führer – nun Mojtaba Khamenei. Zwar wählt das iranische Volk alle vier Jahre einen Präsidenten und ein gesetzgebendes Parlament. Doch zum einen werden dabei nur Kandidaten zugelassen, die als systemtreu gelten. Zum anderen ist noch ein sogenannter Expertenrat, bestehend aus 88 ultrakonservativen Geistlichen, zwischengeschaltet. Und die sind seit eh und je nur einem treu ergeben: dem Obersten Führer. Dieser Expertenrat war es auch, der am Sonntagabend Mojtaba Khamenei zum Nachfolger des Geistlichen Führers bestimmte.
Dieses Regierungssystem gibt es schon seit 1979. Davor war Iran eine Monarchie unter der Führung eines autoritären Schahs, das ist das persische Wort für König. Das Land orientierte sich damals zunehmend am modernen Westen, hatte enge Beziehungen zu den USA und Israel, doch die Bevölkerung litt unter politischer Unterdrückung, Menschenrechtsverletzungen und wirtschaftlicher Ungleichheit. Die Unzufriedenheit führte zunehmend zu Protesten, 1978 unterstützte auch die iranische Armee den Schah nicht mehr. Die sogenannte islamische Revolution brachte das Shah-Regime zu Fall und einen Mann an die Macht: Ajatollah Ruhollah Khomeini.
Damit die iranische Armee nicht auch den neuen Machthabern in den Rücken fällt, ließ Khomeini die »Sepah-e Pasdaran« gründen, die sogenannten Revolutionswächter: Eine Schutztruppe mit heute weit über Hunderttausend Mitgliedern und damit die mächtigste Militäreinheit Irans. Sie ist dem obersten Revolutionsführer direkt unterstellt.
Während eine Sittenpolizei sicherstellen soll, dass Iranerinnen und Iraner nach den Moralvorstellungen der islamischen Machthaber leben, sorgt die Pasdaran maßgeblich dafür, dass das komplexe Machtsystem in Iran erhalten bleibt – wenn nötig mit Gewalt. Auch der neue religiöse Führer Mojtaba Khamenei gilt als Hardliner mit engen Drähten zu den Revolutionswächtern. Seine Nähe zur Pasdaran spricht dafür, dass das Regime nun vor allem auf Kontinuität setzt: Stabilität durch Kontrolle.

vor 2 Stunden
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