Der iranische Exilpolitiker Reza Pahlavi führt politische Gespräche in Berlin. Vertreter der Regierung wird er nicht treffen. Es sind zahlreiche Demonstrationen geplant.
23. April 2026, 7:35 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, hoe
Der iranische Exilpolitiker Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, ist für politische Gespräche in Berlin. An diesem Donnerstag will der 65-Jährige, der im Ausland eine führende Rolle in der Opposition für sich beansprucht, in der Bundespressekonferenz über die aktuelle Lage im Iran sprechen. Treffen mit Regierungsmitgliedern sind nach Angaben von Regierungssprecher Stefan Kornelius nicht geplant.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagte, Pahlavi komme »als Privatperson nach Deutschland und führt, wenn ich das richtig sehe, im politischen Raum auch Diskussionen«. Weiter sagte er: »Aber das ist nicht die Aufgabe der Bundesregierung, derartige Gespräche zu führen.«
Pahlavi wird stattdessen mit Mitgliedern verschiedener Bundestagsfraktionen zusammentreffen, darunter auch mit dem CDU-Außenpolitiker Armin Laschet. Empfangen werde Pahlavi als »bedeutender Vertreter der iranischen Oppositionsbewegung«, hieß es im Vorfeld aus Laschets Büro. Pahlavis Visite in Berlin wird von zahlreichen Demonstrationen begleitet – sowohl für als auch gegen ihn.
Rückhalt unter Iranern und Iranerinnen ist unklar
Monarchistische Gruppen sehen den Sohn des letzten Schahs von Persien als politischen Anführer der iranischen Opposition. Wie groß der Rückhalt des im US-Exil lebenden Pahlavi im Land tatsächlich ist, bleibt vorerst unklar. Mit Beginn der Massenproteste im Iran im Januar forderte Pahlavi einen Machtwechsel und rief unter anderem die iranischen Sicherheitskräfte zum Überlaufen auf.
Für seine Unterstützung des Kriegs der USA und Israels, der auch die iranische Zivilbevölkerung trifft, geriet er in Teilen der iranischen Gesellschaft im In- und Ausland in die Kritik. In Berlin sind Demonstrationen für und gegen seinen Besuch angekündigt.
Reza Pahlavi lebt in den USA im Exil. Er hat sich für eine säkulare Demokratie im Iran ausgesprochen und stellt sich als Alternative für den Fall dar, dass es zum Sturz der derzeitigen Führung in Teheran kommen sollte.
Kritik am Besuch von deutsch-iranischen Gruppen
Mehr als zwei Dutzend deutsch-iranische Gemeinschaften im ganzen Land haben den geplanten Besuch von Reza Pahlavi in Berlin in dieser Woche deutlich verurteilt und gewarnt, dass jede Form der Begegnung deutscher Abgeordneter mit ihm das Risiko birgt, einer zutiefst spaltenden Persönlichkeit Legitimität zu verleihen, die nicht die Bestrebungen des iranischen Volkes repräsentiert. Insbesondere iranische Kurden verweisen auf die bitteren Erinnerungen an die genozidalen Maßnahmen, die unter der Herrschaft von Reza Pahlavis Vater und Großvater verübt wurden.
Reza Pahlavi verdanke seine Bekanntheit ausschließlich dieser berüchtigten Vergangenheit seines Vaters, eines Diktators, der 37 Jahre lang durch ein Einparteiensystem herrschte, das sich auf die berüchtigte Sicherheitsorganisation Savak stützte. Politische Gegner und Intellektuelle wurden gefoltert und getötet. Der Schah wurde schließlich durch eine große Volksrevolution gestürzt.
Kritik am Aufruf zum Krieg
Hossein Yaghoubi, Vorsitzender der Gesellschaft von Deutsch-Iranern (GDI), erklärte: »Tatsache ist, dass sich Reza Pahlavi nicht von den gut dokumentierten Verbrechen seines Vaters distanziert hat. Noch in der vergangenen Woche in Schweden bezeichnete er die blutige Bilanz seines Vaters als Quelle des Stolzes.« Yaghoubi fügte hinzu: »Selbst die Stadt Berlin hat unmittelbare Erfahrungen mit der Repression seines Vaters gemacht.«
Er erinnerte damit an den 2. Juni 1967, als Studentenproteste gegen den Schah gewaltsam beendet wurden. Der Student Benno Ohnesorg wurde dabei erschossen. Der 2. Juni gilt als Markstein hin zur Entwicklung der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF).
Deutsch-iranische Stimmen betonten zudem, dass sie es als empörend empfinden, dass Reza Pahlavi wiederholt und ausdrücklich zu Krieg und militärischen Angriffen westlicher Staaten gegen den Iran aufgerufen hat. Auch seine engsten Berater haben zu Angriffen auf die Infrastruktur des Iran aufgerufen.
Offener Brief an Bundestag
In einem offenen Brief an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sowie an die Vorsitzenden der Fraktionen äußerten die Unterzeichner ihre »ernste Besorgnis« über Pahlavis Besuch. Zu den 21 Unterzeichnern zählen Joachim Rücker, ehemaliger Präsident des UN-Menschenrechtsrats, sowie Horst Teltschik, langjähriger Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz und früherer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl. Die Bereitstellung eines Forums für Pahlavi berge die Gefahr, »ein autoritäres politisches Modell zu legitimieren und die echten demokratischen Bestrebungen des iranischen Volkes zu untergraben«.

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