Hitlergruss vor Hotel: Ein schändlicher Vorfall

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Eine Gruppe jüdischer Jugendliche fährt nach Bulgarien. Italienische und israelische „madrichim“, also junge Leiter von Jugendgruppen, die dort auf einem Sommercamp eine zweiwöchige Fortbildung machen wollen. Es soll eine entspannt eindrucksvolle Reise werden. Eine Reise in eine europäische Region. In ein sicheres Zweitland: Bulgarien. Seit 2007 in der EU, seit Anfang dieses Jahres auch in der Eurozone.

Ein Land mit einer dialektischen jüdischen Geschichte: Einerseits wurden während des Zweiten Weltkriegs durch den Einsatz verschiedener bulgarischer Unterstützer rund 50.000 Juden vor der Deportation bewahrt, andererseits trug das mit NS-Deutschland verbündete Bulgarien Mitschuld an der Vernichtung von 11.000 Juden in den von Deutschland besetzten Gebieten. Nach dem Krieg wanderten die meisten bulgarischen Juden nach Israel aus, nur wenige Tausend blieben zurück. Der Hauptteil der Gemeinschaft wohnt heute in der Hauptstadt Sofia, wo sich auch die größte sephardische Synagoge der Europäischen Union befindet.

Schwarze Hemden mit Totenköpfen

Für die Reisegruppe sind Zimmer gebucht in einem Hotel in dem bulgarischen Wintersportort Bansko. Es ist die Nacht von Sonntag auf Montag, gegen 3 Uhr morgens, als etwas geschieht, das an die düstersten Szenen europäischer Geschichte erinnert. Einige Dutzend Neonazis in schwarzen Hemden mit Totenköpfen marschieren vor dem Hotel auf, brüllen „Sieg Heil“ und zeigen den Hitlergruß. Auch weitere antisemitische Parolen werden gerufen, bevor die kahlgeschorenen Männer den Zugang zum Gebäude blockieren. In einigen Medienberichten ist sogar davon die Rede, dass die Männer das Hotel „stürmen“ wollen. Die lokale Polizei schreitet ein und vertreibt die Neonazi-Gruppe, wenig später aber kehrt sie zurück und bedroht die jüdischen Jugendlichen erneut.

Das ist keine Provokation, das ist eine Schande

Der öffentlich-rechtliche bulgarische Rundfunk BNR berichtet erstaunlich neutral über den Vorfall: Die Polizei in Bansko habe in dem Hotel demnach „eine physische Auseinandersetzung nach einem verbalen Konflikt zwischen zwei Gruppen von Jugendlichen vermeiden können“. Bulgarische Jugendliche hätten eine Gruppe Ausländer jüdischer Herkunft „beleidigt und provoziert“, heißt es dort. Beleidigt und provoziert? „Sieg Heil“-Rufe und Hitlergrüße sind keine Provokation. Der Versuch, ein Hotel zu stürmen, in dem sich jüdische Jugendliche aufhalten, ist keine Beleidigung. Das ist eine schändliche Attacke, eine Schande selbst. Der italienische Außenminister Antonio Tajani hat den Vorfall auf der Plattform X eindeutig verdammt: „Ich verurteile diesen weiteren antisemitischen Vorfall“, so Tajani. Antisemitismus sei „ein Keim, den es zu bekämpfen gilt, eine Form des Hasses und der Diskriminierung, die ausgerottet werden muss“.

Woher wussten die Neonazis, dass jüdische Jugendliche in dem Hotel untergebracht sind? Warum hat die Regionaldirektion des bulgarischen Innenministeriums, die über das Sommercamp schon im Juli informiert und von den Organisatoren wegen der angespannten Bedrohungslage gegen jüdische Gemeinschaften in Europa um verstärkten Schutz für das Camp gebeten worden war, keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen? All das wird jetzt Gegenstand von Ermittlungen sein. Aber so viel dürfte schon klar sein: Die Bilder aus Bansko markieren ein neues Selbstbewusstsein von Neonazis, öffentlich aufzutreten und einzuschüchtern. Im Fahrwasser des rechten vibe shifts in ganz Europa scheint auch sein düsterstes Vorfeld Morgenluft zu wittern. Gerade die rechten bis rechtsradikalen Parteien in ganz Europa sollten den schändlichen Vorfall daher jetzt nutzen, um jede Form von neonazistischer Gewalt zu verdammen. Denn: Es gibt eben nicht nur Ceuta, es gibt auch Bansko!

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