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Was menschliche Gehirnzellen auf einem Computerchip machen
- Hirnzellen spielen erfolgreich Arcade-Tennis
- Menschliche Hirnzellen lernen leichter
- Rechner mit Biological Intelligence
Auf dem Computerchip des CL1, einem neuartigen Computersystem der australischen Cortical Labs, siedeln menschliche Gehirnzellen in einer flächigen Schicht. Aus diesem Grund ist der Chip in einen Bioreaktor eingehaust, der die lebenden Zellen kontinuierlich mit Nährlösung versorgt und so laut Hersteller bis zu sechs Monate am Leben erhalten kann. Das Nervengeflecht wächst, arbeitet, verstärkt oder schwächt einzelne Signalwege, bildet neue Synapsen und lässt ungenutzte verkümmern, ganz wie im menschlichen Gehirn. Es soll damit flexibel auf immer neue Herausforderungen reagieren und sich anpassen können.
Der CL1 ist ein Tischgerät, das Anfang März 2025 erstmals auf dem Mobile World Congress in Barcelona zu sehen war. Die darin arbeitenden Neuronen entstammen nicht etwa menschlichen Gehirnen, sondern sind aus Stammzellen gezüchtet worden, also aus lebenden Zellen, die noch nicht auf eine bestimmte Aufgabe festgelegt sind und sich zu jedem Zelltyp eines Organismus differenzieren können. Es handelt sich bei den Neuronen auf dem Chip also tatsächlich um menschliches Gewebe in Form von miteinander verknüpften und sich dynamisch neu organisierenden Gehirnzellen.
- Im Laufe dieses Jahres will ein Unternehmen erste Computer ausliefern, die Aufgaben mit menschlichen Neuronen lösen.
- Die lebenden Nervenzellen organisieren sich flexibel, verarbeiten Reize und lernen selbstständig.
- Schon heute nutzt etwa die medizinische Forschung sogenannte Hirnorganoide, dreidimensionale Gewebekulturen, die in ihrem Aufbau und auch zum Teil in ihrer Funktion einer Vorstufe eines menschlichen Gehirns entsprechen.
Die Neuronen wachsen auf einem Raster aus insgesamt 22.000 Elektroden. Aus diesen erhalten sie ihre Sinnesreize und geben wiederum elektrische Impulse an sie ab. Indem das Nervengeflecht seine Signalwege an diese Konfiguration und die eingehenden Sinnesreize anpasst, entwickelt es auf dem CL1-Chip eine sogenannte Biological Intelligence. Die arbeitet energiesparender als die heute verbreitete künstliche Intelligenz. Zudem lernen die Neuronen auf dem Chip laut Hersteller schnell und anhand weniger Beispielfälle.
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