Passantinnen und Passanten:
»Das ist ja gigantisch, diese Brücke.«
»Für mich sieht das aus wie ein Raumschiff. Ist ein bisschen irreal alles.«
»Aber ich finde es halt schlimm, was dafür alle sterben musste.«
Fabian Pieper, SPIEGEL:
»Dieses Volksfest hier heute in Hamburg, das wird es so nur einmal geben. Hinter mir wird die neue Sternbrücke bewegt. Das sind 3700 Tonnen Stahl, die jetzt 400 Meter in diese Richtung bugsiert werden. Und um mich herum haben sich Hunderte Leute versammelt. Das Ganze hat einen Public-Viewing-Charakter und wir werden uns jetzt mal unter die Leute mischen und schauen, was sie eigentlich so umtreibt.«
Passantinnen und Passanten:
»Es ist ein neues Wahrzeichen von Hamburg. Es ist wie der Eiffelturm, den hat niemand gemocht am Anfang. Und jetzt lieben sie ihn. Und das kann mit dieser Brücke auch passieren.«
»Bagger.«
»Ich finde die Brücke nicht so hübsch. Ich habe erst gedacht, das Rote, das bleibt da. Aber das kommt ja ab. Das sind ja die Stützen.«
»Es wird irgendwann hoffentlich losgehen. Deswegen haben wir gerade unsere Position gewechselt. Da ist der Mann mit dem Joystick, der jetzt das Ding in Fahrt setzt. Und dann wird das Zentimeter für Zentimeter, schätze ich, vorangehen.«
Und dann fährt sie wirklich. Diese Brücke ersetzt ein Hamburger Wahrzeichen. Die alte Sternbrücke stand hier 100 Jahre, täglich fuhren bis zu 900 Züge drüber. Der Neubau muss nun zentimetergenau durch diese enge Straße – mitten in der Innenstadt. Und ein Restrisiko, dass die ganze Nummer krachend scheitert, bleibt.
Passant:
»Trotzdem habe ich mich gestern unter die Brücke gesetzt, als sie angehoben worden ist. Und ab und zu hab ich mal dran gedacht: Wenn es jetzt kracht, bist du weg. Gut, aber ich vertraue den Leuten dort. Bei dem restlichen Risiko, was heute existiert, habe ich gesagt: Das nimmst du mit.«
Nach wenigen Metern bleibt die Brücke stehen. Sieht so Fortschritt aus?
Passant:
»Fortschritt ist ja nicht gegeben. Die steht ja.«
Fabian Pieper, SPIEGEL:
»Was glauben Sie denn, was gerade passiert ist?«
Passanten:
»Das wissen wir natürlich nicht.«
»Einer der 1088 Reifen ist platt.«
»Nein. Dann gibt es wahrscheinlich vielfältige Dinge. Aber die haben ja zwei, drei Tage Zeit. Wenn der mit der Geschwindigkeit von eben weitergefahren wäre, wäre er heute Abend schon da.«
Fabian Pieper, SPIEGEL:
»Aber sind Sie denn vom Fach, das sah nach sehr viel Expertise aus?«
Passanten:
»Nein, nicht vom Fach.«
»Wir wissen nur, wie eine Brücke aussieht. Und wir wissen, dass die ziemlich groß ist.«
Aufreger hier im Viertel: Legendäre Clubs und Bars wurden eingestampft und umgesiedelt, die beliebte alte Brücke selbst: abgerissen.
Passantin:
»Das ist die alte Sternbrücke. Und ja, das ist schon ein bisschen emotional jetzt mit der alten Sternbrücke vor der neuen Sternbrücke. Viele sagen ja, ein Mammut-Ding und hässlich und so Ich finde sie, um ehrlich zu sein, ganz hübsch. Aber ich finde es schlimm, was dafür alle sterben musste.«
Fabian Pieper, SPIEGEL:
»Können Sie uns einmal das Schild zeigen? Was bedeutet das denn?«
Lavanya Bretschneider, Aktivistin:
»Ja, gerne.«
Fabian Pieper, SPIEGEL:
»Was bedeutet das denn?«
Lavanya Bretschneider, Aktivistin:
»Also, eigentlich sollte die für immer bleiben. Oder wenn, dann repariert werden, damit nicht dieser Aufwand betrieben wird und auch nicht so viel CO2 in der Herstellung und in den Ressourcen entsteht. Und vor allem, dass dieses schöne Viertel mit den ganzen Clubs erhalten bleibt.«
Immerhin die Kulturszene soll zurückkehren – wenn die neue Brücke dann irgendwann in Betrieb ist. Noch bewegt sich gar nichts, schlecht fürs Public Viewing.
Fabian Pieper, SPIEGEL:
»Verfolgen Sie jetzt den Transport der Brücke den Tag über?«
Passantin:
»Ich fahre jetzt nach Hause. Ich geh jetzt schwimmen. Im Schwimmbad. Bleibt gesund, Jungs.«

vor 3 Stunden
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