Manchmal macht ein kleines Wort den Unterschied. Ein »Bitte« oder »Danke« verwandeln manch unangenehme Konversation in einen höflichen Austausch. Und das Tauschen der Worte »Merz leck« in die fast gleich klingenden Laute »Mehrzweck« sorgt dafür, dass eine gegen den Kanzler gerichtete Beleidigung nicht mehr justiziabel ist. Und auch bei Rezepten lohnt es sich, auf kleine Worte zu achten. Zwischen »Sesamöl« und »geröstetem Sesamöl« liegen bekanntlich Welten. Oder zwischen »Tomaten« und »reifen Tomaten« – wie ich immer wieder am eigenen Leib erfahren muss.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Denn nur, weil sie schön aussehen, sind Tomaten aus dem Supermarkt noch lange nicht schön reif. Wenn man die lange Zeit zwischen Ernte und Verkauf bedenkt, dazwischen noch den ruckeligen Transport in Lastwagen und das Herumgeschubstwerden in großen Kisten ... dann ergibt das durchaus Sinn. Viele Obst- und Gemüsesorten werden ohnehin zunehmend auf gute Optik gezüchtet, zulasten des guten Geschmacks. Auch das ergibt Sinn, weil Verbraucher:innen im Laden instinktiv zu dem Exemplar greifen, das weniger Beulen oder Flecken hat. Nur: Zu Hause schmeckt das Gekaufte dann manchmal eben leider bloß nach Wasser. Oder die in Plastik verpackten Tomaten sind hart wie Steine. Oder beides.
Vertrauen Sie mir hier: Die zwei Rezepte, die ich Ihnen heute zeige, schmecken am besten mit reifen, weichen, süß-saftigen Tomaten. Und am allerbesten mit welchen, die man selbst angebaut hat. Wer keine im Garten oder auf dem Balkon wachsen hat, achtet im Supermarkt zunächst auf eine tiefrote Farbe, dann auf einen schön starken Tomatengeruch an der Rispe. An diesem grünen Teil der Tomate erkennt man auch, wie lange die Ernte her ist: Je trockener die Rispe, desto länger ist die Tomate von der Pflanze getrennt. Für unsere Zwecke ist das heute eher gut, wir wollen ja eher weiche Tomaten haben. An lose verkauftem Gemüse lässt sich das natürlich leichter überprüfen als an Plastikcontainern. Ich persönlich habe im Laden mit Cherrytomaten die verlässlichsten Erfahrungen gemacht, alles andere ist oft Glücksspiel.
Okay, genug geredet. Was essen wir heute? Ich zeige Ihnen zwei Rezepte. Zuerst Sa costedda, ein uriger Landhausmix aus Focaccia und Tomatenkuchen, wie er auf Sardinien gern gegessen wird. Und als zweites Pan con Tomate (auch »Pa amb tomàquet« genannt), der spanische Bruder des Bruschetta: ein Tomatenbrot für jede Tageszeit, lange als Arme-Leute-Essen verschrien, heute jedoch auch beliebt auf teuren Tapas-Abenden. Für das erste Rezept sollten Sie Back- und Gehzeit einplanen, das zweite Rezept braucht bloß so lange, wie Sie benötigen, um Brot zu toasten. Oder so lange, wie Sie warten müssen, bis Ihre Tomaten reif sind.
Gar es ohne Bares!
Sebastian Maas
Ein SPIEGEL-Buch: Das kreative Kochbuch für alle mit kleinem Geldbeutel und wenig Zeit
Verlag: Penguin
Seitenzahl: 240
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Preisabfragezeitpunkt 10.06.2026 10.58 Uhr Keine Gewähr
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