(SZ) Man hört so gut wie gar nichts über die Immobilienpreise von Luftschlössern. Auch der Mietzins wird nie veröffentlicht. Was da schiefläuft, macht aber gerade den unschätzbaren Vorteil dieser vermeintlich unbezahlbaren Gebäude aus: Sie gehören allen, jeder kann dort einziehen, niemand sich über irgendwas beschweren, weil man in seinem Luftschloss tun und lassen kann, was man will, und obendrein sehen sie bei jedem auf ganz persönliche Weise schön aus. Und egal, wie alt das Schloss ist, es handelt sich immer um einen Erstbezug! Luftschlösser gehören also ohne Zweifel zu den schönsten Lebensorten auf dieser Welt. Da fragt man sich, warum dieses Image nicht einfach auf das Wort Hirngespinst übertragen werden kann. Aber das Synonym für Luftschloss gilt seltsamerweise als gefährlich, obwohl der Ort der Herstellung der gleiche ist und jedes Luftschloss letztlich ein Hirngespinst ist. Und umgekehrt.
Die richtige Antwort auf Infantino
Der deutsche Hammerwerfer Merlin Hummel hat mit der Tatkraft, die bei dieser athletischen Sportart unerlässlich ist, diese Frage neu aufgeworfen. Der Wettkampf bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham war alles andere als einfach für den 24-Jährigen. Erst qualifizierte er sich nur sehr mühsam für das Finale der besten zwölf, obwohl er als Vizeweltmeister zu den Favoriten gehörte, und dann schaffte er erst im letzten Wurf die Weite, die ihm den Gewinn der Silbermedaille ermöglichte. Danach machte Hummel laut Deutscher Presse-Agentur keinen Hehl daraus, welcher Kampf sich in seinem Inneren parallel zum Wettbewerb der starken Männer abgespielt hat: „Ich war im ganzen Wettkampf im meditativen Zustand. Einfach, wenn kleine, kleine Hirngespinste aufkommen: Reset, Reset, Reset.“ Hirngespinst? Neustart! Hirngespinst? Neustart! Anstrengender kann Meditation nicht sein.
Wer sich nun fragt, welcher Art Hammerwerfer-Hirngespinste genau sind, begibt sich auf gefährliches Parkett, ähnlich rutschig wie der Ringbelag, auf dem der Hammerwerfer, sich um die eigene Achse drehend, Schwung holt, bevor er das mehr als sieben Kilo schwere Sportgerät davonfliegen lässt. Wohin der Hammer fliegt, wenn der Athlet ausrutscht, mag man sich nicht ausmalen. Was die Deutsche Sporthilfe gesagt hätte, wenn Hummel Zwölfter geworden wäre, lieber auch nicht. Aber was wäre denn, wenn er den Wettkampf in seinem eigenen Luftschloss absolviert hätte? So groß wie Trumps neuer Luftschlossflügel im Weißen Haus? Ein Schloss, so groß wie ein Fußballfeld, da kann man hammerhart jede Menge Porzellan zerdeppern. Luftschloss-Hammerwurf ist die richtige Antwort auf alle Versuche Infantinos, den Fußball an Trump und seine Familie zu verkaufen. Es kann dabei noch so viel kaputtgehen. Luftschlösser sind ja nur Hirngespinste. Wenn man keinen Bock mehr auf sie hat: Alles auf Neustart.












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