Glosse - Das Streiflicht: Berlin vergisst die Fanmeile

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(SZ) „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ So skandieren die Anhänger – oder sagt man heute die Anhängenden? Aber lassen wir das hier –, die Anhängerinnen und Anhänger also jener Fußballmannschaften, welche das Finale des DFB-Pokals zu erreichen trachten. Naturgemäß gelingt das nur zwei Teams, wie sie sich an diesem Samstag miteinander messen werden, natürlich dem siegreichen FC Bayern und den Stuttgartern, die armen Kerle. Traditionsgemäß steigt das Endspiel in einer der hässlichsten Austragungsstätten der Welt, dem 1936 eröffneten Olympiastadion. Das Beste, was sich darüber sagen lässt, ist der Umstand, dass es nicht nach einem Werbekunden benannt ist, also nicht etwa Frosch-Reinigungsmilch-Arena heißt oder, vielleicht passender, Berliner-Pilsner-Dosenbier-Stadium. Deutlich ansehnlicher ist das Brandenburger Tor, von dem Johann Gottfried Schadows Quadriga-Pferde nachsichtig herabblicken auf das Feiervolk. Zu Hunderttausenden pflegt sich dieses auf der Fanmeile vor dem Tor zu versammeln, wenn Fußball-WM-Spiele der deutschen Nationalmannschaft anstehen, wie sehr bald wieder. Die Stadt Berlin zeigt sich nun überrascht von der naiven Erwartung der Menschen, es werde dort erneut eine Fanmeile geben: Davon wisse man nichts.

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