(SZ) In alten Tagen, als deutsche Fußballer noch von Sieg zu Sieg eilten und schönes Wetter nicht die trügerische Maske der Klimakatastrophe war, gab es nichts Vergnüglicheres, als über den Brenner zu fahren, hinter dem gleich das Mittelmeer liegt. Kaum hatte man die italienische Grenze passiert, färbte sich der Himmel azurblau, und schon bei Bozen ließ die Hitze, diese ersehnte mediterrane Hitze unsere Herzen und unseren Volkswagen erglühen. Ah, endlich Sonne, endlich Freiheit! Endlich war man diesem feuchtkalten deutschen Sommer, der einen noch im Juli in den Pullover zwang, entronnen – jetzt gab es nur eins: Sonne satt, bis sich die Haut schält. Wirklich, so war das damals. Mittlerweile haben die Deutschen ihre eigene Hitze, und an manchen Tagen fühlt sie sich an, als würde man wie der selige Empedokles in den Ätna springen. Empedokles, dies als KI-freier Info-Service, war Philosoph, also ein Mann, der sich mit der Ausrede, er müsse über Gott und die Welt nachdenken, vor der Hausarbeit drückt. Aber für Hausarbeit ist es in diesem Sommer sowieso zu heiß. Die Kraft reicht gerade noch, den Kühlschrank zu leeren, um selbst hineinzuschlüpfen. Tür zu und den Frost genießen – und hoffen, dass ein Familienmitglied die Tür von außen wieder öffnet. Singles haben da Pech.
In Japan, dessen Hitzewellen selbst den deutschen Tropensommer in den Schatten stellen, ist man schon weiter. Dort hat eine Firma die begehbare Kühlkabine Do Hiemon entwickelt, eine circa zwei Meter hohe Edelstahlbox, in der erhitzte Menschen Erquickung finden wie einst Kaiser Barbarossa im Fluss Saleph. Fünfzehn Grad Celsius herrschen im Inneren des Menschenkühlschranks, dazu verwöhnt ein fünf Grad kalter Luftzug gezielt Kopf, Nacken und Schultern. Rund 8700 Euro kostet der Erfrischungskasten, der seine segensreiche Wirkung erst mal auf Baustellen, in der Landwirtschaft und in Einkaufszentren entfalten soll. Gewiss wird man ihn bald in Tokio sehen, und lange Menschenschlangen davor.
Seltsam ist es schon: Den Klimawandel, das haben wir bei Trump gelernt, gibt es gar nicht, und doch tun die Menschen so, als wäre er bereits im Gange. Städte pflanzen Bäume als Schattenspender an, Bauern suchen nach hitzeresistenten Pflanzen, Südsee-Insulaner verlassen ihren untergehenden Archipel. Offenbar hat man hat sich damit abgefunden: Es wird heiß auf der Erde, brennend heiß. Fans fossiler Brennstoffe wie Wirtschaftsministerin Reiche bemühen sich rührend darum, die Erderhitzung zu fördern, und zur Not haben wir noch den Mars als Ersatzplaneten. Da kommt so ein Menschenkühlschrank gerade recht, zumal natürliche Lösungen Zeit brauchen. Elefanten haben große Ohren, die wie eine Kühlanlage wirken. Bis die Evolution auch den Menschen solche Lauscher schenkt, werden noch einige heiße Sommer vergehen.










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