(SZ) Es ist mit den Zitaten der Philosophen vermutlich so wie mit Wahlversprechen. Finden sie in der realen Welt Entfaltung und Verwirklichung, will jeder ihr Urheber sein; erweisen sie sich dagegen als falsch und unpassend, werden sie dem und jenem zugeschoben, und am Ende steht ein pfiffiger philologischer Nebenzweig, die Sprichwortforschung nämlich, besser da als alle gravitätischen Sprüchemacher. Friedrich Merz hat kürzlich, auf dem Höhepunkt seiner Verzweiflung womöglich, den griechischen Stoiker Epiktet zitiert, genauer gesagt, dessen angeblichen Satz: „Nicht die Taten bewegen die Menschen, sondern die Worte über die Taten.“ Der Bergprediger Heiner Geißler hatte den Satz bereits einmal Aristoteles zugeschrieben, nun will ihn Friedrich Merz bei Epiktet gelesen haben, aber da steht er nicht. Wenn man dessen „Handbüchlein der Moral“ digital durchforstet, wird man nicht einmal auf einen abgewandelten Satz stoßen, der semantisch auch nur in die Nähe dessen käme, was Merz meint. Hinzu kommt, dass Epiktet das Buch gewissermaßen gebaerbockt hat – denn es war wohl Epiktets Schüler Arrian, der Epiktets Worte für die Tat nahm.
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