Glosse: Das Streiflicht

vor 11 Stunden 2

(SZ) Was man bislang weiß im Fall des Sexualverbrechers Jeffrey Epstein, fügt sich zu einem ebenso ekelerregenden wie fesselnden Bild der dunklen Seite der Reichen und Mächtigen. Fast noch spannender aber ist das, was man nicht weiß. Was ist noch alles verborgen in der unüberschaubaren Menge der Epstein-Akten, welche Abgründe, welche Monster lauern da? Vieles in den Dokumenten ist geschwärzt, etliche Seiten gleichen Kasimir Malewitschs berühmtem Gemälde „Das Schwarze Quadrat“. Doch nur böswillige Menschen würden vermuten, dass die Schwärzungen prominente Politiker oder gar Königliche Hoheiten bis hinauf zu Trump schützen sollen. Nein, tatsächlich ging es den Schwärzern im Justizministerium und beim FBI allein um den dramaturgischen Effekt, den eine geschwärzte Stelle hat. Diese nämlich regt die Fantasie an, sie ermöglicht es dem Betrachter, eigene Bilder zu entwerfen. Darin könnte beispielsweise Trump zu sehen sein, wie er seinen Kumpel Epstein am Ohr zieht und sagt: „Mensch, Jeffrey, hör mit den Orgien auf! Werd endlich ein anständiger Mensch so wie ich!“ Wär doch möglich, dass so etwas in den Epstein Files steht. Trump aber, bescheiden, wie er nun mal ist, hat es schwärzen lassen, um nicht als vorbildlicher Moralist dazustehen.

Gesamten Artikel lesen