Der norwegische Fußballverband um Präsidentin Lise Klaveness legt Fifa-Boss Gianni Infantino nahe, sein Amt niederzulegen. Dies sei das Resultat einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag, sagte Klaveness dem britischen »Guardian« . »Wir haben beschlossen, dass wir Infantino nicht mehr vertrauen.« Der Schweizer steht nach dem geplatzten Investorendeal so sehr in der Kritik wie noch nie in seinen gut zehn Jahren als Präsident.
»Wir waren ständig besorgt, und jedes Jahr, in jeder Phase des Jahres, gab es einen weiteren besorgniserregenden Schritt. Das Vertrauen ist nun endgültig weg, für Infantino gibt es kein Zurück mehr«, sagte Klaveness.
Infantino hatte versucht, Anteile an Turnieren des Weltverbands an private Investoren zu verkaufen. Nach wenigen Tagen musste der Fifa-Boss die Pläne unter großem Druck, vorwiegend von der Europäischen Fußball-Union Uefa, zurückrufen.
»Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem außergewöhnliche Maßnahmen erforderlich sind, um einen dauerhaften Wandel herbeizuführen«, sagte Klaveness.
Gianni Infantino: Wahlen im März
Foto: Florencia Tan Jun / Getty Images / AFPBlatter sieht Klaveness als Nachfolgerin
Die 45-jährige Klaveness führt seit 2022 den norwegischen Verband (NFF) und ist eine kritische Stimme im Weltfußball. Kurz nach ihrem Antritt hielt sie auf dem Fifa-Kongress in Doha etwa eine Rede, in der sie den Weltverband für die WM-Vergabe an Katar kritisierte.
Auch nach der fragwürdigen Verleihung des sogenannten »Friedenspreises« der Fifa an US-Präsident Donald Trump erhob sie ihre Stimme und schloss sich mit ihrem Verband einer Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare an.
Zuletzt hatte sich der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter für Klaveness als Infantinos Nachfolgerin ausgesprochen. »Lise Klaveness verdient größten Respekt. Sie war die Einzige, die stets klar Stellung bezogen und sich nicht dem Mainstream angeschlossen hat. Und bei der Fifa ist die Zeit reif dafür, dass eine Frau die Führung übernimmt«, schrieb der 90-jährige Blatter im Kurznachrichtendienst X.
»So weit sind wir noch nicht«, hatte Klaveness darauf gesagt: »Für uns geht es jetzt um die Themen, die ich gerade angesprochen habe, und nicht um bestimmte Personen.« Sie fände es auch »seltsam, wenn ich anfangen würde, Fragen über mich selbst zu beantworten, und das gilt für alle«.
Unter anderem Uefa-Präsident Aleksander Čeferin und CONCACAF-Boss Victor Montagliani werden als weitere Nachfolgekandidaten gehandelt.
Infantino ist seit 2016 Fifa-Chef und bislang der einzige Kandidat bei der Wahl eines neuen Präsidenten im März. Um wiedergewählt zu werden, muss er eine Mehrheit der 211 Stimmen der Mitgliedsverbände auf sich vereinen.
Aktuell steht Europa geschlossen gegen Infantino und droht, Fifa-Wettbewerbe zu boykottieren. Auch nach den gescheiterten Investorenplänen seien die Bedingungen für eine Rückkehr der Europäer zu Fifa-Wettbewerben nicht erfüllt, teilte die Uefa mit. Betroffen wäre unter anderem die U20-WM der Frauen in Polen, diese beginnt am 5. September (einen Überblick finden Sie hier ).

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