Geldanlage: Alternative zu US‑Konzernen? Auf diese fünf Aktien setzen Hedgefonds

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Düsseldorf. Aktien mit hohem Kurspotenzial gibt es nicht nur in den USA, sondern auch in Südamerika, Europa und Asien. Das nutzen auch Hedgefonds aus, wie ein Blick in Portfolios der unregulierten Investmentfonds zeigt.

Aus Daten der US-Großbank Goldman Sachs geht hervor, dass fünf der 50 größten Positionen von US-Hedgefonds Aktien von Unternehmen sind, die ihren Sitz außerhalb der USA haben. Zum Teil ist der nordamerikanische Markt für sie sogar völlig irrelevant.

Analysten bewerten diese fünf Aktien äußerst positiv. Die Kaufempfehlungsquoten liegen zwischen 83 und 95 Prozent – und in der Spitze erkennen die Aktienexperten Chancen auf Kursgewinne von 60 Prozent in den kommenden zwölf Monaten.

Abivax (Frankreich)

Der französische Biotech-Konzern Abivax gehörte im Sommer 2025 zu den Überfliegern an der Börse. Die Aktie stieg allein im Juli um fast 900 Prozent. Bis zum Jahresende baute sie das Kursplus auf über 1700 Prozent aus.

Abivax konzentriert sich auf die Entwicklung neuartiger Therapien zur Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen. Die Kursrally wurde von erfolgreichen Studien für Obefazimod ausgelöst, einem experimentellen Medikament gegen entzündliche Darmerkrankungen. Ein Zulassungsantrag für die USA will das Unternehmen noch in diesem Jahr stellen.

Mittlerweile ist aber die Euphorie um die Aktie verflogen. Der Kurs bewegt sich in diesem Jahr unter großen Schwankungen seitwärts, aktuell liegt er 15 Prozent unter dem Niveau vom Jahresstart.

Da Abivax keine weiteren Medikamente in Spätstudien besitzt, liegt der gesamte Fokus der Anleger auf Obefazimod. Hier gab es zuletzt Sicherheitsbedenken, als bei einer Studie Krebsfälle auftraten. Zusätzliche Daten zeigten aber Ende Juni, dass die Fälle den Krebsraten entsprechen, die typischerweise bei Patienten mit dieser chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auftreten.

Das beruhigte Analysten, die anschließend ihre Kursziele erhöhten. Im Schnitt liegen diese laut dem Finanzdienst LSEG auf Sicht von 52 Wochen bei 165 Euro. Damit erkennen die Aktienexperten ein Kurspotenzial von gut 60 Prozent. Sieben von acht Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf.

Zwar rechnen die Analysten damit, dass Abivax noch mindestens bis 2027 Verluste schreiben wird. Dank einer im Juli durchgeführten Kapitalerhöhung sind die Forschung und der Geschäftsbetrieb dem Unternehmen zufolge aber bis ins Jahr 2029 hinein finanziert. 2028 rechnen Analysten allerdings ohnehin damit, dass sich Abivax mit den Obefazimod-Einnahmen der Profitabilitätsschwelle nähert.

ASML (Niederlande)

In Europa kommt das wertvollste börsennotierte Unternehmen mittlerweile aus den Niederlanden: Der Chipausrüster ASML weist einen Börsenwert von knapp 600 Milliarden Euro auf.

Möglich gemacht hat das ein außergewöhnlicher Kursanstieg: Die ASML-Aktie ist binnen drei Jahren um mehr als 150 Prozent gestiegen. Der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 stieg im selben Zeitraum um gut 50 Prozent.

ASML gehört zu den Profiteuren des Booms Künstlicher Intelligenz (KI). Die KI-Modelle benötigen große Rechenkapazitäten, für die wiederum spezielle Chips benötigt werden – und die können nicht ohne ASML gebaut werden. Im zweiten Quartal lag der Umsatz um 20 Prozent über dem Vorjahreswert bei einer Bruttomarge von über 50 Prozent.

Die Niederländer sind der weltweit einzige Anbieter sogenannter Lithografiemaschinen, die mit extrem ultraviolettem (EUV) Licht arbeiten, und damit spezielle Chips erst ermöglichen. Wichtige Kunden sind der weltgrößte Chipfertiger TSMC sowie die Speicherchiphersteller Samsung und SK Hynix, die ebenfalls vom KI-Boom profitieren.

Bislang hat noch kein Wettbewerber die technologische Führungsposition von ASML erreicht. Javier CorreoneroAnalyst bei Morningstar

Mitte Juli ließ aber ein Bericht die Aktien einbrechen, wonach ein chinesisches Staatsunternehmen mit der Herstellung von Lithografie-Anlagen begonnen habe. Analysten halten die Kursreaktion aber für übertrieben. Javier Correonero, Analyst bei Morningstar, sagt: „Bislang hat noch kein Wettbewerber die technologische Führungsposition von ASML erreicht, und wir gehen nicht davon aus, dass sich dies in den nächsten zehn Jahren ändern wird.“

31 von 36 Analysten raten daher weiterhin zum Kauf der Aktie. Ihr durchschnittliches Kursziel in den kommenden zwölf Monaten liegt bei 2050 Euro, was einen Aufschlag von gut 35 Prozent auf den aktuellen Kurs bedeutet.

Allerdings ist die Aktie nicht mehr günstig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt auf Basis der im laufenden Geschäftsjahr erwarteten Gewinne bei hohen 39. Werden die Gewinnaussichten aufgrund von Konkurrenz oder sinkender Nachfrage korrigiert, würde auch die Aktie neu bewertet.

Mercado Libre (Uruguay)

Mercado Libre ist zwar in den USA an der Börse notiert, der Sitz des Unternehmens ist aber in Uruguay. Auch der nordamerikanische Markt ist irrelevant für Mercado Libre. Im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen insgesamt 95 Prozent seines Umsatzes in Brasilien, Mexiko und Argentinien.

Die in Argentinien gegründete Firma betreibt ein Auktions- und Kleinanzeigenportal sowie ein Zahlungssystem. Beide Segmente wachsen stark: Auf dem Onlinemarktplatz wuchs die Zahl der aktiven Käufer in den vergangenen fünf Quartalen jeweils um mindestens 20 Prozent, beim Zahlungssystem stieg die Zahl der aktiven Nutzer jeweils um mindestens 27 Prozent. Der gesamte Umsatz stieg im ersten Halbjahr um fast 50 Prozent.

Dementsprechend beliebt ist die Aktie bei institutionellen Investoren. Sie befindet sich bereits seit mehreren Jahren regelmäßig in den Depots der Hedgefonds. Allerdings hat die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten 20 Prozent an Wert verloren.

Denn das starke Wachstum ließ sich zuletzt nicht mehr in steigende Gewinne übersetzen. Die Ebit-Marge, die anzeigt, wie viel Prozent vom Umsatz als Gewinn vor Zinsen und Steuern und nach Abzug aller Kosten übrig bleiben, sank im zweiten Quartal auf 6,7 Prozent. Im Vorjahreszeitraum lag sie noch bei 12,2 Prozent.

Dadurch meldete Mercado Libre Anfang August im dritten Quartal in Folge einen Gewinnrückgang. Zurückzuführen ist das auf steigende Logistik-, Kredit- und Marketingkosten. So ist der Versand in Brasilien immer häufiger kostenfrei – eine Reaktion auf die verstärkte Konkurrenz durch chinesische Billiganbieter wie Shein und Temu. Zudem mussten Rückstellungen im Kreditkartengeschäft gebildet werden.

Analysten halten diese Entwicklung aber lediglich für ein vorübergehendes Problem und konzentrieren sich stärker auf das starke Wachstum und die niedrige Bewertung. Zwar liegt das KGV bei 49, gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt die Bewertung aber mehr als 50 Prozent unter dem historischen Durchschnittswert.

Von 24 Experten raten laut LSEG derzeit 20 zum Kauf der Aktie. Ihre Kursziele haben sie im vergangenen Jahr zwar deutlich reduziert, der Durchschnittswert für die nächsten zwölf Monate liegt aber immer noch bei 2300 Dollar. Das entspricht einem Plus von knapp 20 Prozent zum aktuellen Niveau.

Nu Holdings (Brasilien)

Auch Nu Holdings macht seinen gesamten Umsatz in Lateinamerika. Das Unternehmen mit Verwaltungssitz in Brasilien betreibt dort mit der Nubank die größte digitale Direktbank und Fintech-Plattform der Region. Mit Abstand am wichtigsten ist der Heimatmarkt in Brasilien, wo mehr als 80 Prozent der Kunden sitzen, gefolgt von Kolumbien und Mexiko.

Das Unternehmen wächst stark. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 39 Prozent. Im Gegensatz zu Mercado Libre wächst der Nettogewinn dabei sogar noch stärker als der Umsatz. Im zweiten Quartal legte er um 49 Prozent zu und lag zum ersten Mal über der Marke von einer Milliarde Dollar.

Trotzdem verlor die in New York notierte Aktie seit Jahresbeginn 13 Prozent. Das KGV sank dadurch auf für ein Fintech moderate 17.

Hintergrund sind Bedenken bezüglich des Anteils notleidender Kredite. Der Anteil der Kredite, bei denen die Rückzahlung oder der Zinsdienst um mehr als 90 Tage überfällig ist, stieg im zweiten Quartal auf 6,9 Prozent.

Die Analysten der Citigroup warnten daher davor, dass Nu das Wachstum und die Ausweitung des Nettozinsertrags auf Kosten der Risikominimierung priorisiere. Steigt die Ausfallrate der Kredite, würde sich das negativ auf die Marge auswirken. Die Bank of America änderte ihre Empfehlung sogar auf „verkaufen“.

Der Großteil der Analysten ist aber weiterhin von der Aktie überzeugt. Denn auf lange Sicht bewegen sich die Kreditausfallraten auf konstantem Niveau. 15 von 18 Analysten raten daher zum Kauf der Aktie. Ihr durchschnittliches Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt bei 19 Dollar. Zum aktuellen Kursniveau wäre das ein Plus von 30 Prozent.

TSMC (Taiwan)

Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) ist der weltgrößte unabhängige Chipauftragsfertiger. Dadurch ist das Unternehmen direkter Profiteur des KI-Booms: Es stellt unter anderem für Nvidia die leistungsstarken KI-Prozessoren her, die in Rechenzentren eingesetzt werden.

Der Umsatz lag im Jahr 2025 um fast 70 Prozent über dem Niveau von 2022 – also dem Jahr, bevor der KI-Hype startete. Der Nettogewinn stieg fast genauso stark.

Dieser Trend hält auch weiter an. Im zweiten Quartal erzielte TSMC einen Rekordumsatz von umgerechnet gut 40 Milliarden Dollar bei einer Bruttomarge von fast 68 Prozent.

Im dritten Quartal könnte der Umsatz der Unternehmensprognose zufolge auf bis zu 45,8 Milliarden Dollar steigen. Dementsprechend furios ist die Börsenentwicklung von TSMC. Hinterlegungsscheine auf die Aktie, die deutsche Anleger an Börsen hierzulande handeln können, stiegen auf Sicht von drei Jahren um mehr als 300 Prozent. Dadurch liegt auch das KGV mittlerweile bei 27.

Analysten gehen trotz der gestiegenen Bewertung davon aus, dass die Rally anhalten wird. 21 von 22 der Experten raten zum Kauf der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 537 Dollar um knapp 30 Prozent über dem aktuellen Niveau. Denn solange der Ausbau von KI-Infrastruktur durch die großen Cloud-Unternehmen wie Alphabet, Amazon und Microsoft anhält, dürfte auch TSMC weiter kräftig wachsen.

Ein Risiko wäre es entsprechend, wenn die Tech-Konzerne ihre KI-Investitionen drosseln. Das erklärt auch die Kursschwäche im Juli, als die Kritik an den milliardenschweren Investitionen zunahm. Die überzeugenden Quartalszahlen ließen diese aber wieder in den Hintergrund rücken.

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Auch geopolitische Risiken gilt es für Anleger, im Blick zu behalten. China beansprucht Taiwan für sich. Eine militärische Eskalation oder eine Blockade würde das Geschäft von TSMC unmittelbar treffen, auch wenn es zunächst verstärkt Fabriken im Ausland baute.

Hinweis: Dieser Artikel ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der vorgestellten Aktien. Er soll zur Diskussion anregen und kann Ausgangspunkt für weitere Recherchen sein.

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