Uli Hoeneß hat Bundestrainer Julian Nagelsmann abermals für die aus seiner Sicht mangelnde Eingespieltheit der deutschen Fußballnationalmannschaft kritisiert. »Die deutsche Mannschaft hat noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt – das werfe ich Julian auch vor, das habe ich ihm persönlich schon gesagt«, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern fünf Wochen vor WM-Beginn im DAZN-Interview.
»Wenn man zu einer Weltmeisterschaft fährt und keine wirkliche Weltklasse-Mannschaft hat, was wir im Moment aus meiner Sicht nicht haben, dann kann man – so wie Vincent (Anm. d. Red.: Bayern-Trainer Kompany) es vorgemacht hat – nur über die Mannschaft, über das Teamgefüge erfolgreich sein«, ergänzte Hoeneß, der bereits im April mangelnde Kontinuität beklagt hatte, wie etwa die »FAZ« berichtete.
Hoeneß befürchte, dass zum ersten WM-Spiel eine Mannschaft auf den Platz geschickt werde, die so noch nie zusammengespielt habe. Das funktioniere aus seiner Sicht nicht. Aktuell sehe er »weder hinten noch vorn eine klare Linie«, kritisierte der Weltmeister von 1974 und fragte: »Wer ist unser Mittelstürmer? Wer spielt im Tor? Wer ist rechter Verteidiger, wer linker?«
Der DFB hatte zuletzt mitgeteilt, dass die Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders um neun Tage verschoben werde. Statt am 12. Mai soll nun am 21. Mai um 13 Uhr feststehen, welche Spieler zum Turnier in Nordamerika reisen.
Nagelsmann gewinnt Zeit. Darum scheint er sie dringend zu benötigen: die Details zur verschobenen Kadernominierung lesen Sie hier
Hoeneß wirft dem ehemaligen Bayern-Trainer Nagelsmann auch mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik vor. Nach ihrem Gespräch sei Nagelsmann »leicht beleidigt« gewesen. Dabei wolle er »Julian damit überhaupt nichts Böses«.
»Da kriege ich die Krätze«
Ihm fehle bei Nagelsmann ein wenig »diese Bereitschaft, zuzuhören und anzunehmen«, sagte Hoeneß: »Er wird mit seinen Entscheidungen leben müssen. Wenn er erfolgreich ist, bin ich der Erste, der ihm gratuliert. Wenn nicht, dann wird es für ihn schwer.«
Hoeneß kritisierte weiter auch die Ticketpreise für das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (ab 11. Juni). Er selbst habe ebenfalls vorgehabt, »hinzufliegen, da ich eine Einladung von einem guten Freund hatte, der mir ein Haus zur Verfügung gestellt hätte, aber das mache ich nicht mit«, sagte der 74-Jährige. Er sei »für Kommerz, aber nicht für so eine Ausuferung. Eine Endspielkarte, zweieinhalbtausend Dollar, das gehe nicht mehr, so Hoeneß.
In den vergangenen Tagen und Wochen hatte es massiven Unmut über die teils horrenden Kosten für Eintrittskarten gegeben. Verbraucherschützer und Fans beschwerten sich darüber bei der EU. Die Fifa betreibt zudem einen Zweitmarkt für Tickets und verdient kräftig an den Weiterverkäufen.

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