Tom Bischof, Lennart Karl (vorne), Aleksandar Pavlović: Die Bayern-Youngster feiern das 3:2
Foto: Kai Pfaffenbach / REUTERSDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Hoffnung, du zartes Pflänzchen: Der VfL Wolfsburg taumelte in den vergangenen Wochen dem Abstieg aus der Bundesliga entgegen. Nun aber hatte Dieter Hecking in seiner Rolle als Feuerwehrmann eine ganze Länderspielpause Zeit, um seine Wolfsburger auf den Endspurt im Oberhaus einzustimmen. Und das schien Früchte zu tragen: Jonas Wind mit einem Volley (16. Minute), Joakim Mæhle wuchtig aus der zweiten Reihe (31.), Christian Eriksen vom Elfmeterpunkt (38.) – die Dänen aus der Autostadt stellten zeitig auf 3:1 im Werksclubduell mit Bayer Leverkusen. Was konnte da noch schiefgehen?
Die Ergebnisse: Die Antwort: Quasi alles. Aus dem zwischenzeitlichen 1:3 machte Leverkusen ein 6:3 (2:3). Nicht viel weniger wild geriet das 3:2 (0:0) des FC Bayern München in Freiburg, das erst tief in der Nachspielzeit zugunsten des Rekordmeisters kippte. Außerdem spielte Borussia Mönchengladbach 2:2 (1:1) gegen Schlusslicht Heidenheim, der Hamburger SV trennte sich 1:1 (0:1) vom FC Augsburg. Mainz setzte sich 2:1 (1:1) bei der TSG Hoffenheim durch, Werder Bremen unterlag RB Leipzig 1:2 (0:1).
Durch den Wolf gedreht: Wolfsburgs Implosion begann mit Leverkusens gefährlichstem linken Fuß: Alejandro Grimaldo hatte schon den (gnädigen) Strafstoß zum ersten Bayer-Treffer geschossen, kurz nach dem dritten VfL-Tor legte der Spanier von der Strafraumgrenze nach (44.). Den nächsten Elfmeter überließ Grimaldo dann dem eingewechselten Patrik Schick (53.). Nach dem Ausgleich ratterte es im Kopf der Gäste. Beim 4:3 durch Edmond Tapsoba fehlte sämtlichen Niedersachsen im Strafraum die Orientierung, schon danach brüllte die VfL-Hintermannschaft einander frustriert an (68.). Aufgeweckt wurde dadurch niemand, bei den Treffern von Ibrahim Maza (73.) und Malik Tillman (90.+5) betrieb die Wolfsburger Hintermannschaft vielmehr Arbeitsverweigerung. Der VfL bleibt Vorletzter, sechs Spieltage sind noch übrig.
Alter Neuer: Claudio Pizarro, Makoto Hasebe – Manuel Neuer: Die Liste der Ü40-Profis der letzten anderthalb Bundesliga-Jahrzehnte ist kurz. Für Bayerns genesene Nummer Eins war es während der Länderspielpause so weit, am 27. März feierte Neuer seinen Geburtstag. Nachträglich schenkte ihm Freiburgs Johan Manzambi einen samstäglichen Sonntagsschuss ein, umkurvte Serge Gnabry und wuchtete den Ball so entschlossen ins Eck, dass Neuer die Gelenke schonte und gar nicht mehr versuchte, Manzambis Kanonenkugel hinterherzuspringen (46.).
Dieses Spiel ist nicht Real: Einen Vorwurf konnte man Neuer hier nicht machen. Beim zweiten Gegentreffer aber schon: Nach einem Eckball irrlichterte der Routinier durch seinen Fünfmeterraum und wischte den Ball Lucas Höler vor die Füße. Dessen Torschussversuche hatte Neuer zuvor noch wie zu besten Zeiten entschärft (40.), diesmal aber hatte er dem Freiburger Stürmer den Ball zu gut serviert (71.).
Schwergängig im Spätherbst: Manuel Neuers Comeback gegen den SC Freiburg lief nicht nach Plan
Foto: Silas Stein / AFPMan konnte sich bis hierhin des Eindrucks nicht erwehren, dass die Bayern (ohne den angeschlagenen Harry Kane) im Kopf schon beim Champions-League-Duell mit Real Madrid am Dienstag waren (21 Uhr, Liveticker: SPIEGEL). Das ging den Madrilenen zeitgleich ähnlich, zur Pause lag Real beim RCD Mallorca 0:1 zurück.
Bischofsweihe: Erst in den letzten zehn Minuten erinnerten die Bayern sich daran, dass sie eben die Bayern sind. So ruhte das Comeback auf den Schultern der nächsten Generation: Allzweckwaffe Tom Bischof gelang mit seinen ersten zwei Treffern für die Münchner der Ausgleich (81., 90.+2). Mit dem letzten Angriff tankte sich Alphonso Davies über links durch und bediente Neu-Nationalspieler Lennart Karl, der in der Mitte den Fuß hinhielt und sich flugs seines Trikots entledigte (90.+9).
Waelheimat Gladbach: Einen gefeierten Youngster in den eigenen Reihen hat auch Borussia Mönchengladbach. 17 Jahre ist Wael Mohya erst alt, trotzdem steht er bereits in Eugen Polanskis Startelf. Gegen Heidenheim eröffnete Mohya die Partie mit seinem zweiten Saisontor (16.). Alles, was danach kam, dürfte die Borussia weniger begeistert haben (Gegentreffer durch Patrick Mainka und Marnon Busch, der eigene Ausgleich zum 2:2 ein abgefälschter Kullerball von Franck Honorat). Einen derart frühreifen Youngster aber hatten die Gladbacher lange nicht mehr in den eigenen Reihen.
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Good guy Gregerl: Der Volkspark war in Aufruhr: Zentimeter vor dem Strafraum hatte Augsburgs Michael Gregoritsch der Schwerkraft nachgegeben, HSV-Spielmacher Fabio Vieira aber war sich keiner Schuld bewusst. Würde es den Freistoß in Premium-Position trotzdem geben? Schiedsrichter Deniz Aytekin bediente sich einer Ermittlungsmethode, die sich ein Unparteiischer nur leisten kann, wenn er der eigenen Autorität vertraut: Er fragte bei Gregoritsch einfach nach. Und der gab brav zu, schlicht weggerutscht zu sein.
Das gesichertste Mittelfeld: Daneben bot das Spiel eine Punkteteilung: Arthur Chaves stocherte den Ball zur Augsburger Führung über die Linie (22.), Ransford Königsdörffer hatte in seinem Ausgleich ein bisschen mehr Feuer (60.). Auch Miro Muheims Notbremse und die folgerichtige Rote Karte für den HSV-Verteidiger ließ das Spiel nicht mehr kippen. Augsburg auf Platz zehn, der HSV auf Platz elf – viel mittelklassiger kann ein Bundesliga-Duell nicht sein.
Umgekehrte Vorzeichen: Pro Bundesliga-Halbserie darf stets genau ein Außenseiterteam aus dem Südwesten championsleaguereif punkten. Ein festgeschriebenes Gesetz ist das natürlich nicht, zwischen Mainz 05 und der TSG Hoffenheim aber gelebte Praxis: Während die Sinsheimer in der Hinrundentabelle noch Platz drei belegt hatten, darf sich Mainz nach einem Katastrophenstart in die Spielzeit plötzlich das viertbeste Rückrundenteam nennen. Entsprechend der Formkurve gestaltete sich das Resultat, ein Doppelpack von Philipp Tietz (13./79.) machte den Unterschied zugunsten der Mainzer.
Eigenwerbung: Einziges Hoffenheimer Glanzlicht war Fisnik Asllanis Anschlusstreffer (23.). Er verarbeitete den Ball an der Strafraumkante geschickt, brachte sich in Position und drosch seinen Schuss humorlos unter die Latte. Mit ein bisschen Fantasie konnte man sich in diesem Bewegungsablauf den jungen Robert Lewandowski vorstellen. Zumindest, wenn man ein Scout des FC Barcelona ist: Barça nämlich soll den 21-Jährigen für den Sommer auf den Zettel haben, um für ebenjenen Lewandowski die Ablösung vorzubereiten.
Rückkehr ins Wohnzimmer: Noch kein Jahr ist es her, da gingen Ole Werner und der SV Werder Bremen im Mittelguten auseinander. Werner hatte offensiv für Kaderveränderungen getrommelt, die Bremer Chefetage war zu Zugeständnissen nicht bereit, eine Vertragsverlängerung mit dem Erfolgscoach fiel durch. Nun also folgte die Rückkehr Werners ins Weserstadion, als Cheftrainer von RB Leipzig. Heute wie damals darf man dem Bremer Ex-Coach zweierlei zugestehen: Sportlichen Erfolg – und eine gewisse norddeutsche Unterkühltheit. Die Treffer von Antonio Nusa (15.) und Rômulo (52.) nahm Werner ohne Überschwang zur Kenntnis, den Anschluss durch Salim Musahs Premierentor (90.+4) ebenso.

vor 8 Stunden
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