Forscher arbeiten an Medikament, das erstaunliche Wirkung gegen den Jojo-Effekt zeigt

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Das Wunschgewicht ist erreicht – doch nach kurzer Zeit kehren die Pfunde oft zurück. Der Jojo-Effekt ereilt auch Nutzer von Abnehmspritzen. Forscher arbeiten nun an zwei Tabletten, die das Gewicht konstant halten sollen.

Oft bleibt man monatelang diszipliniert, verfolgt einen strikten Ernährungsplan, um ein paar Kilos an Gewicht zu verlieren. Wer sein Traumgewicht erreicht, steht jedoch vor der Herausforderung, das Gewicht zu halten.

Studien zeigen, dass nach Diäten oder selbst nach der Abnehmspritze der Jojo-Effekt einsetzt. Zwei neue Ansätze sollen genau das verhindern. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlicht.

Ein Ansatz setzt auf den Wirkstoff Orforglipron. In einer internationalen Studie nahmen 376 Probanden täglich eine Tablette ein. Der Wirkstoff wirkt ähnlich wie die Abnehmspritze, ist jedoch in Europa noch nicht zugelassen.

Das Ergebnis: Nach einem Jahr hatten die Studienteilnehmer im Schnitt 75 bis 80 Prozent ihres Gewichtsverlusts gehalten. In der Placebogruppe waren es hingegen nur 38 bis 49 Prozent.

„Je mehr wirksame orale Medikamente wir zur Verfügung haben, die Menschen mit Typ-2-Diabetes beim Abnehmen und beim Halten des Wunschgewichts helfen, desto besser“, wird Naveed Sattar, Professor für kardiometabolische Medizin an der Universität Glasgow, im britischen Science Media Center (SMC) zitiert. Der Mediziner fordert weitere Studien, um die Ergebnisse bestätigen zu können.

Nahrungsergänzung mit Darmbakterien

Ein zweiter Ansatz nimmt das Mikrobiom ins Visier. Forscher des Universitätsklinikums Maastricht untersuchten das Darmbakterium Akkermansia muciniphila. Das Bakterium wurde bereits in vorigen Studien untersucht und mit Stoffwechselgesundheit in Verbindung gebracht. Tatsächlich befanden sich laut dieser Studie wenige dieser Bakterien im Darm von Menschen mit Diabetes und Übergewicht. Das Bakterium entpuppte sich zunehmend als Indikator für Darmgesundheit.

Insgesamt 84 Probanden absolvierten zunächst eine achtwöchige Diät. Wer mindestens acht Prozent Körpergewicht verloren hatte, erhielt anschließend entweder das Bakterienpräparat oder ein Placebo. Während dieser Zeit sollten die Teilnehmer versuchen, ihr Gewicht zu halten, und bekamen als Hilfestellung eine regelmäßige Ernährungsberatung.

Nach 24 Wochen hatten die Teilnehmer mit dem Präparat im Durchschnitt 85 Prozent ihres Erfolgs halten können und nahmen lediglich 1,2 Kilogramm wieder zu. In der Placebogruppe hingegen hielten nur 67 Prozent des Abnehmerfolgs. Sie nahmen im Durchschnitt 3,2 Kilogramm wieder zu.

Etwa 40 Prozent der Behandelten nahmen weiter ab – in der Placebogruppe waren es lediglich zwei Personen. Mit diesem Forschungsergebnis liefert die Arbeit einen der bislang überzeugendsten Hinweise darauf, dass Darmbakterien helfen könnten, das Gewicht langfristig zu halten.

Der Berliner Endokrinologe Stefan Kabisch bewertet die Ergebnisse als methodisch hochwertig, weist aber auf die geringe Teilnehmerzahl hin. Er ist Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin in der Berliner Charité. Trotzdem spricht er sich für eine methodisch hochwertige Arbeit aus.

Kabisch kennt die Wirkweise des Bakteriums und erkennt den Effekt an: „Bestimmte Darmbakterien können die Aufnahme bestimmter Nährstoffe blockieren, sodass sie nicht im Blutkreislauf landen, sondern über den Stuhl wieder ausgeschieden werden“, wird der Mediziner in einer Mitteilung vom SMC Deutschland zitiert.

Er gibt zu bedenken, dass das Nahrungsergänzungsmittel jedoch nicht bei jedem funktioniert. „Menschen mit bereits starkem Akkermansia-Vorkommen im Darm profitieren zu Beginn der Studie relativ wenig von der zusätzlichen Zufuhr. Nicht allen Menschen nützt das Präparat also gleichermaßen“, so Kabisch.

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