Deutschland und Frankreich wollen einen neuen Kampfjet bauen, doch die beteiligten Konzerne streiten. Jetzt soll ein Vermittlungsversuch noch zehn Tage länger dauern.
22. April 2026, 3:50 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, dpa, vsp
Die Mediatoren des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts FCAS erhalten nach französischen Angaben zusätzliche zehn Tage für ihren Vermittlungsversuch. Die Vermittler hätten nun Zeit bis zum 28. April, um ihre Schlussfolgerungen vorzulegen, teilte die französische Verteidigungsministerin Catherine Vautrin am Dienstag dem Verteidigungsausschuss der französischen Nationalversammlung mit. Ursprünglich sei dafür der 18. April vorgesehen gewesen. Das Rüstungsprojekt steht vor dem Scheitern.
Kern des Konflikts ist ein Führungsstreit der beteiligten Konzerne, den Flugzeugbauern Dassault und Airbus. Die Meinungsverschiedenheiten verzögern das Projekt seit Monaten. Geplant war, dass die Unternehmen zusammen einen neuen Kampfjet bauen. Spanien schloss sich 2023 dem Projekt an. Es geht auch um den Bau von Drohnen und neuen Kommunikationssystemen. Das neue Luftkampfsystem soll ab 2045 einsatzfähig sein.
Im Februar hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das 100-Milliarden-Euro-Projekt erstmals offen infrage gestellt. Dabei verwies er auf die unterschiedlichen Anforderungen an einen Kampfjet der neuen Generation. Grundsätzlich bräuchten die Franzosen ein anderes Kampfflugzeug als die Bundeswehr, hatte Merz gesagt.
EU-Verteidigungskommissar wirbt für gemeinsame Projekte
Inzwischen mehren sich in Deutschland und Frankreich die Stimmen, die die Entwicklung zweier verschiedener Kampfjets fordern und die Zusammenarbeit auf Drohnen und weitere Komponenten beschränken wollen.
Angesichts des drohenden Scheiterns des FCAS-Projekts hat EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius für mehr gesamteuropäische Rüstungsprojekte geworben. Es brauche neue Instrumente, damit solch wichtige Projekte viel erfolgreicher würden, sagte Kubilius dem enr-Netzwerk, zu dem auch die Presseagentur dpa gehört. Die europäische Verteidigungsindustrie sei bislang stark fragmentiert, da die Verteidigungspolitik Zuständigkeit der Mitgliedstaaten sei.
Kubilius sagte, er wolle niemandem die Schuld »für das Scheitern von FCAS« geben. Der litauische Politiker verwies mit Blick auf europäische Projekte auf Vorschläge mehrerer Mitgliedstaaten etwa im Bereich Luftverteidigung. In der Raumfahrt, für die er als Kommissar ebenfalls zuständig ist, seien gemeinsame Projekte wie das Navigationssystem Galileo und das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus bereits erfolgreich.

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