Entlassung bei „FIFA World Cup“-Studio: Das Spiel ist aus!

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Flugs schloss die findige FIFA einen Deal mit dem US-Publisher Delphi Interactive, um ein eigenes Videospiel aufzulegen, das dann in der Gaming-Cloud von Netflix-Games verfügbar sein sollte. Gemäß dem Motto: Das kann ja nicht so schwer sein.

Das hat sich der FIFA-Pate bestimmt anders vorgestellt

Also geschah es: Das Videospiel „FIFA World Cup: Launch Edition“ ist seit Mitte Juni verfügbar. Man spielt es mit dem Smartphone als Controller über Netflix. Und als sei die geballte Seelenlosigkeit nicht schon daran zu erkennen, stellten Liebhaber von Fußballsimulationen rasch fest, dass es spielmechanisch anmutet wie eine Version von vor 15 Jahren und in etwa so schal ist, wie eine zur Hälfte ausgetrunkene, am Spielfeldrand vergessene 0,33-Gilde-Buddel nach dem letzten Kreisklassensieg des TuS Hohne-Spechtshorn (Olé, olé!).

Für den FIFA-Paten dennoch Grund genug, sich zu brüsten, man werde damit neue Standards für Fußballvideospiele setzen. Auch Netflix lobte das Spiel händereibend als einen der erfolgreichsten Cloud-Gaming-Titel seiner Geschichte. Was sich – Zahlen wurden nicht veröffentlicht – vermutlich nur auf die Spielerzahl ab Veröffentlichung bezieht und die Langzeitentwicklung pragmatisch ausblendet.

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Und so kommen dem Spiel wenige Wochen nach seiner Veröffentlichung nicht nur die Spieler abhanden, sondern, wie das Videospielportal „Gamesbeat“ meldet, auch die Entwickler. Das von Delphi Interactive zur Entwicklung herangezogene Studio Refractor Games habe 85 Prozent seiner Belegschaft („Insider Gaming“ berichtet von 80 Mitarbeitern) entlassen. Andere Quellen berichten von Mitarbeitern, die öffentlich erklärten, das ganze Studio werde aufgelöst.

Das hatte sich der FIFA-Pate in Dauergoldgräberstimmung bestimmt anders ausgemalt. Die Branche kämpft nach einem zeitweiligen Hoch während der Corona-Jahre immer häufiger mit Entlassungswellen. Häufig dann, wenn Videospiele nicht den erhofften finanziellen Erfolg bringen. Sie leidet zudem brachial unter ihrem eigenen Output.

Somit wäre eine weitere grandiose Infantino-Idee einigermaßen spektakulär geplatzt, nachdem auch sein jüngster Versuch, die Rechte an der Fußball-Weltmeisterschaft an Investoren zu verkaufen, so viel Gegenwind aufkommen ließ (die UEFA und andere drohten bekanntlich mit Boykott), dass er am Mittwoch rasch eine Krisensitzung einberief. Auf dieser soll auch geklärt werden, was an den Vorwürfen von Jordaniens Verbandschef Ali bin al-Hussein dran ist, der Infantino vorwirft, Jordaniens Mannschaft ihr Preisgeld vorzuenthalten.

Die FIFA und der Fußball, das ist mittlerweile vom bösen Lehrmärchen fast zu einem dieser Unfälle auf der Autobahn degeneriert: Die meisten wissen, dass dort möglicherweise Schreckliches passiert ist und passiert und dennoch bleiben sie und gaffen. Bisher konnte sich Gianni Infantino auch darauf verlassen – auf die Bequemlichkeit der Menschen, die Angst, etwas womöglich Wichtiges zu verpassen, auf den einigermaßen blödsinnigen Mythos, dass Fußballergebnisse uns etwas über die Verfasstheit eines Landes, womöglich der Welt erzählen könnten. Aber die Wahrheit liegt natürlich wie immer: auf dem Platz.

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