Digitalminister Wildberger: KI als Chance für die Industrie

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Auf dem OMR Festival (Online Marketing Rockstars) in Hamburg sprach Digitalminister Dr. Karsten Wildberger über den Stand der Digitalisierung in der Verwaltung, die Bedeutung von KI und Software für die Wirtschaft und über seine Arbeit im ersten Jahr als Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung. Angesichts beispielloser wirtschaftlicher und politischer Krisen warb Wildberger auf der OMR-Keynote um Zuversicht und Zusammenhalt: „Wir müssen als Gesellschaft zusammenkommen und Innovation positiv begleiten.“ Es passiere viel mehr Positives, als es sich anfühle, wenn man die Zeitung aufschlägt.

Dennoch habe Deutschland vor allem hinsichtlich künstlicher Intelligenz viel aufzuholen. Ende 2015 lag die Marktkapitalisierung der US-Börsen laut World Bank bei rund 25 Billionen US-Dollar. Am 1. Januar 2026 lag die gesamte Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes bei 69,0 Billionen US-Dollar. Über 80 Prozent kommen aus den neuen Technologien. Die Marktkapitalisierung in Deutschland hat sich im selben Zeitraum von 1,7 auf 2,4 Billionen US-Dollar gesteigert, ein deutlich geringerer Zuwachs.

Deutschland dürfe beim Thema Künstliche Intelligenz nicht ein weiteres Mal den Anschluss verpassen, so Wildberger. Dabei gehe es nicht nur um Börsenkurse. Es sei wichtig, auf Grundlage welcher Daten und welcher Infrastruktur und letztlich aufgrund welcher Wertvorstellungen Künstliche Intelligenz Entscheidungen treffe. KI sei auch eine Frage der Freiheit und Souveränität: „KI ist unsere Chance für ein Comeback in der Industrie. Hier dürfen wir nicht in eine Abhängigkeit geraten.“

Wildberger formuliert das Ziel, über Partnerschaften am Wachstum der KI-Branche zu partizipieren. „Wir brauchen Partnerschaften und wir wählen diese Partnerschaften sorgfältig aus.“ Als Beispiel nennt er den Zusammenschluss der Heidelberger KI-Firma Aleph Alpha mit dem kanadischen Unternehmen Cohere. Die deutsch-kanadische KI soll mehr Unabhängigkeit von KI-Anbietern aus den USA bringen.

Dafür will der Digitalminister Freiräume für die Innovation schaffen. Datenschutz sei ein wichtiges Thema, aber man müsse die DSVGO nicht auf Länderebene 17 Mal interpretieren, sondern den Datenschatz vereinheitlichen.

Eigene Infrastruktur sei das zweite wichtige Thema. Wildberger plant, die Rechenkapazität in Deutschland bis 2030 zu verdoppeln. Bei den leistungsintensiven Rechenzentren wie denen für Künstliche Intelligenz soll die Kapazität vervierfacht werden.

Außerdem sprach Wildberger über seine Pläne für den Aufbau einer nationalen Plattform für staatliche IT-Projekte: den sogenannten Deutschland-Stack. Er soll künftig sichere digitale Basisdienste bündeln und über eine Cloud für Bund, Länder und Kommunen verfügbar machen.

Mit dem Deutschland-Stack habe sich die Bundesregierung mit den Ländern und Kommunen auf offene Standards geeinigt. Die neue Infrastruktur solle eine widerstandsfähigere und unabhängigere Verwaltung schaffen.

Einen Schwerpunkt will Wildberger auf junge und kleine Unternehmen setzen, auch mit dem Ziel, eigene KI-Modelle zu entwickeln. Natürlich müsse man sich um die großen Unternehmen kümmern. „Wir müssen aber auch jungen Unternehmen Raum geben“, so Wildberger. „Wir haben die Talente in Deutschland für KI. Wir müssen die Infrastruktur schaffen, auf der die Digitalisierung für die Verwaltung und darüber hinaus skalieren kann.“

Schließlich richtete Wildberger einen Appell an die Besucher des OMR Festival: „Wir kommen als Land nur weiter, wenn Sie mithelfen. Wir haben so viele positive Beispiele im Land und wir brauchen mehr davon.“

Das OMR Festival findet am 5. und 6. Mai in Hamburg statt. Es hat sich seit 2015 von einer kleinen Entwicklerkonferenz zu einer der weltweit größten Konferenzen für digitales Marketing mit mittlerweile rund 70.000 Besuchern entwickelt. Es kombiniert Konferenz, Messe und Festival-Atmosphäre. Zu den Themen zählen digitales Marketing, E-Commerce, Social Media und KI.

(akr)

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