In »The Darkest Files« schlüpfen die Spielerinnen und Spieler in die Rolle einer Staatsanwältin und bringen in der Nachkriegszeit gegen Widerstände NS-Verbrechen vor Gericht. Diese beruhen auf realen, historisch dokumentierten Fällen. Die Jury lobte: »›The Darkest Files‹ gelingt es dabei in bemerkenswerter Weise, die Balance zwischen inhaltlicher Tiefe und spielerischer Leichtigkeit konstant zu halten.«
Co-Gründer Jörg Friedrich sorgte auch für den emotionalen Höhepunkt des Abends, als er das historische Vorbild für das Spiel vorstellte: den jüdischen Richter Fritz Bauer, der Nazis angeklagt hatte. Deshalb musste er ins Exil gehen, kehrte aber nach dem Weltkrieg zurück, um die Verbrechen aufzuarbeiten und eine Gesellschaft aufzubauen, in der jeder Einzelne seine Rechte auch gegen einen starken Staat einklagen kann. »Das ist heute so aktuell wie selten«, sagte Friedrich mit Blick auf die politische Weltlage.
Nominiert für den Hauptpreis und somit ebenfalls mit Preisgeld bedacht waren zudem »Anno 117: Pax Romana« und »Tiny Bookshop«. Die historische Städtebau-Simulation von Ubisoft Mainz setzte sich auch in der Kategorie »Beste Innovation & Technologie« durch, während das »Cozy«-Game vom Entwickler Neoludic Games sich die Auszeichnung »Nachwuchspreis Bestes Debüt« sicherte.
Sonderpreis für Extremismusprävention
Das Spiel »The Berlin Apartment« von Blue Backpack über die Geschichte der Hauptstadt konnte ebenfalls in zwei Kategorien überzeugen und bekam die Auszeichnungen für die »Beste Story« sowie das »Beste Grafikdesign«. Die Trophäe für das »Studio des Jahres« ging an Weltenbauer Software Entwicklung aus Wiesbaden. Mit dem Sonderpreis der Jury wurde der Forschungsverbund RadiGaMe geehrt, der sich für Extremismusprävention in digitalen Räumen engagiert und die Instrumentalisierung von Gamingplattformen durch extremistische Propaganda untersucht.
Die Bundesregierung vergibt den Deutschen Computerspielpreis gemeinsam mit dem Verband der deutschen Gamesbranche Game alljährlich an die aus Jurysicht besten Spiele des Landes. In den nationalen Kategorien können deshalb nur Produktionen eingereicht werden, die zu mindestens 80 Prozent in Deutschland entwickelt wurden.
Wie groß ist die Branche in Deutschland?
Wie eine von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Game-Chef Felix Falk im Januar vorgestellte Studie ergab, arbeiteten 2024 in Deutschland rund 14.800 Menschen bei Spieleentwicklern, Produzenten und Dienstleistern, die sich mit Games beschäftigen. Das waren 20 Prozent mehr als 2018. Sie bekamen 3,73 Milliarden Euro in die Kassen, was 22 Prozent mehr war als sechs Jahre zuvor. Die Zahl der Unternehmen verdoppelte sich in diesem Zeitraum fast von 523 auf 948. Der Markt ist sehr kleinteilig strukturiert: Etwa drei Viertel der Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nur zehn Prozent mehr als 50.
Trotz der Fortschritte nimmt Deutschland als Entwicklungs- und Produktionsstandort auf internationalem Parkett weiterhin nur eine Nebenrolle ein. Wie aus der Studie weiter hervorging, spielen die Gamer in Deutschland vor allem Spiele aus Nordamerika, aus Asien und dem Rest Europas. Von 100 Euro, die hierzulande für Computer- oder Videospiele ausgegeben werden, entfallen nur 5,5 Prozent auf Spiele aus Deutschland.

vor 2 Stunden
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