Es ist ein mutiges Unterfangen, wenn sich Historiker so nahe an die Gegenwart heranwagen. Schnell wird dann aus dem Experten für die Vergangenheit der politische Stichwortgeber für die ungelösten Probleme unserer Zeit. Der Göttinger Wirtschaftshistoriker Hartmut Berghoff weiß um diese Probleme und auch um die eigene Standortgebundenheit. Seine Wirtschaftsgeschichte der Berliner Republik, vom Fall der Mauer bis zur Corona-Krise, lässt sich genau als eine solche Suchbewegung zwischen nüchterner historischer Analyse und Debattenbeitrag für die Reform des Wirtschaftsstandortes Deutschland lesen. Manchmal überlagern sich die Perspektiven, sodass sich sein Wunsch, die Berliner Republik „gleichsam wie eine ferne Vergangenheit zu betrachten“, nicht immer erfüllt. Dann wird aus dem Historiker schnell auch der Zeitzeuge mit eigener politischer Agenda.
Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1990: Wo bleibt der Reformator?
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