Demokratiefeinde: Verfassungsschutz stoppt Beobachtung von Scientology

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Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stellt die systematische Beobachtung von Scientology ein. Die Organisation habe auf Bundesebene an Relevanz verloren, teilte die Behörde als Begründung mit. „Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ einzelner Mitglieder werde das Bundesamt aber weiter im Blick behalten. Zuvor hatten der SWR und das ARD-Hauptstadtstudio berichtet.

Scientology bezeichnet sich als Kirche, wird von Kritikern aber als gefährliche Sekte angesehen. Die Organisation wurde 1954 vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard in den USA gegründet, 1970 entstand die erste Niederlassung in Deutschland. Für das Jahr 2024 gab der Inlandsgeheimdienst die Zahl der Mitglieder hierzulande mit rund 3600 an. Diese stagniere seit 2021.

Laut SWR-Recherchen haben sich auch mehrere Landesämter für Verfassungsschutz aus der systematischen Beobachtung zurückgezogen. Der deutsche Verfassungsschutz hatte Scientology seit 1997 im Visier. Der Organisation wurde Demokratiegefährdung vorgeworfen, weil es ihr letztlich um die Weltherrschaft gehe. Sie wolle eine „scientologische“ Gesellschaft nach eigener Vorstellung errichten, in der wesentliche Grund- und Menschenrechte nicht gelten würden, hieß es im jüngsten Verfassungsschutzbericht.

Kritiker werfen der Organisation vor, ihre Mitglieder abhängig zu machen, sozial zu kontrollieren und finanziell auszubeuten. Ihr Denken ziele auf die Ausbildung einer globalen Machtelite.

Die Abschaffung des Phänomenbereichs Scientology ist nicht die erste Umorganisation im Bundesamt für Verfassungsschutz in diesem Jahr. Im April war bereits bekannt geworden, dass die vom Inlandsnachrichtendienst 2021 eingeführte Extremismus-Kategorie „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ wieder abgeschafft wurde. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) teilte auf Anfrage mit, der Phänomenbereich sei damals „vor dem Hintergrund einer dynamischen Lageentwicklung eingerichtet“ worden. In den darauffolgenden Jahren habe er jedoch an Bedeutung verloren und werde daher nun nicht mehr als bundesweiter, eigenständiger Phänomenbereich fortgeführt.

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