Ein Gericht auf Mallorca hat die Abgabe des Ermittlungsverfahrens in der Sache der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen an die deutsche Justiz bestätigt. Ein Widerspruch von Fernandes gegen eine gleichlautende frühere gerichtliche Entscheidung sei zurückgewiesen worden, bestätigten die Rechtsanwälte beider Seiten auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte bereits die »Mallorca Zeitung« entsprechend berichtet. Eine Justizsprecherin antwortete zunächst nicht auf eine Anfrage.
Fernandes hatte Ulmen im Dezember in Palma angezeigt – beide haben dort einen Wohnsitz. Sie wirft ihm unter anderem Anmaßung des Personenstandes und öffentliche Beleidigung vor, zudem Körperverletzung durch Übergriffe. In Spanien gibt es anders als in Deutschland Sondergerichte und spezialisierte Staatsanwaltschaften zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.
Das zuständige Gericht hält jedoch die deutsche Justiz für zuständig, da es sich bei Fernandes und Ulmen um deutsche Staatsbürger handelt, Unterlagen in deutscher Sprache sind und sich laut der Darstellung des Gerichts die meisten Vorwürfe in Deutschland abgespielt haben sollen, so berichtet es die dpa.
Collien Fernandes beschuldigt Christian Ulmen, sie »virtuell vergewaltigt« zu haben . In sozialen Medien wie etwa LinkedIn soll er täuschend echt aussehende Fakeprofile von ihr erstellt und darüber »Hunderte von Männern« kontaktiert haben. Über die Accounts soll er sich als Fernandes ausgegeben und mit Männern Chats und Gespräche mit sexuellen Inhalten geführt haben; er soll erotische Bilder und Videos verschickt haben, die den Eindruck erweckten, als handele es sich um Aufnahmen von Fernandes.
Im April hatte das Gericht schon einmal entschieden, den Fall nach Deutschland abgeben zu wollen. Dagegen hatte Fernandes’ spanischer Rechtsanwalt Jorge Agüero Lafora Widerspruch eingelegt, nun ist dieser abgelehnt worden. Fernandes will nach Angaben von Lafora weiter, dass das Verfahren gegen ihren Ex-Mann bei der Justiz auf Mallorca bleibt und die Ablehnung ihres Widerspruchs von der nächsthöheren Gerichtsinstanz überprüft wird. »Rechtsmittel sind eingelegt«, teilte der Rechtsanwalt auf Anfrage mit.
Auch Ermittlungen in Deutschland
Parallel und unabhängig von dem Vorgang in Spanien wird in Deutschland gegen Ulmen ermittelt: Seit Ende Mai ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam gegen ihn – und zwar auf Grundlage der Anzeige von Fernandes. Eine Sprecherin der Behörde teilte dem SPIEGEL mit: »Nach der ersten Prüfung der übersandten Informationen der Anzeigenerstatterin ist ein Anfangsverdacht wegen des Vorwurfs der Körperverletzung im Rahmen häuslicher Gewalt begründet worden und nunmehr ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.« Ulmen werde fortan als Beschuldigter in dem Verfahren geführt.
Es gehe bei den Ermittlungen um mehrere Fälle mutmaßlicher Körperverletzung, die zwischen 2022 und 2023 in Spanien stattgefunden haben sollen. Die Fälle betreffen den Paragrafen 223 des Strafgesetzbuches. Ob es zu einer Anklage gegen Christian Ulmen kommt und ob er sich wegen der Vorwürfe vor Gericht verantworten muss, ist offen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung. Ulmens Anwälte teilten mit, ihr Mandant habe gegenüber Fernandes generell keine körperlichen Übergriffe begangen, sie nicht am Körper verletzt beziehungsweise schwer bedroht.
Fakeprofile, mutmaßliche Gewalt, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: Die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen sind vielschichtig – und ständig gibt es neue Entwicklungen. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen lesen Sie hier .

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