In der Medienbranche der USA sorgt derzeit ein Fall für Aufsehen, der sich nicht so einfach mit dem alten Slogan „Kein Backup? Kein Mitleid!“ abtun lässt. Zwar hat der nicht-kommerzielle Fernsehsender „Nine PBS“ aus St. Louis kein Backup zur Hand, nur sind dessen Daten nicht unwiederbringlich weg – der Sender kommt nur nicht an sie heran.
In dieser Woche ordnete ein Bezirksrichter in Denver (Bundesstaat Colorado) an, dass der dortige Rechenzentrumsbetreiber „Iron Mountain“ mit Nine PBS kooperieren muss, um das Archiv wieder zugänglich zu machen. Wie das Fachmedium für den PBS-Rundfunk „Current“ berichtet, sah sich Iron Mountain bisher dazu nicht in der Lage. Denn: Der Sender hatte jahrelang einen Vertrag mit dem inzwischen insolventen Provider „Open Source Storage“ (OSS). Der wiederum hat offenbar Kapazitäten bei Iron Mountain gemietet, und in irgendeiner Form die Hoheit über die Daten.
Daten sind da, aber dürfen nicht angefasst werden
Ob diese auch verschlüsselt sind, oder es sich bei den Schwierigkeiten beim Zugriff nur um rechtliche Bedenken handelt, geht aus mehreren US-Berichten nicht klar hervor. In einer früheren Meldung von Current heißt es, Iron Mountain gehe davon aus, dass die Daten rechtlich gesehen auf Eigentum von OSS lägen. Wie Iron Mountain Ars Technica sagte, bietet das Unternehmen nur eine Art von „Housing“ an. Dabei betreiben Cloud-Provider fremde Hardware in ihrem Rechenzentrum und binden diese ans Internet an. Manchmal darf der Eigentümer einer solchen Anlage die fremden Geräte in keiner Weise bedienen.
Der Richter ordnete daher an, dass Nine PBS über die Reste von OSS – etwa einen früheren Mitarbeiter – Zugang zu den Daten organisieren muss. Ist das geschehen, muss Iron Mountain dann mit dem tatsächlichen Zugriff helfen. Kurz: Die drei beteiligten Parteien sollen sich erst einmal selbst helfen, bevor die Justiz andere Maßnahmen ergreift. Dafür gilt jetzt eine Frist von 30 Tagen.
50 Terabyte Stadtgeschichte, nur eine Kopie
Der ganze Vorgang schwelt schon seit dem Frühjahr, als Nine PBS seinen Vertrag mit OSS erneuern wollte. Der Provider war aber plötzlich nicht mehr erreichbar, und der Zugriff auf die Daten nicht mehr möglich. Wie die Tageszeitung Denver Post bereits im Juli berichtete, ordnete der Richter damals an, dass Iron Mountain die Daten erhalten und nicht manipulieren dürfte. Nine PBS hat also wohl sogar Glück gehabt, dass Iron Mountain die infrage stehenden 50 Terabyte noch über ein halbes Jahr nach der Pleite von OSS aufbewahrt hat.
Bei den Daten handelt es sich nach Darstellung von Nine PBS gegenüber Current um unwiederbringliches Material aus den letzten 70 Jahren. Unter anderem die Berichte über die Corona-Pandemie und auch Inhalte zu den Überschwemmungen an den Flüssen Mississippi und Missouri im Jahr 1993 sollen darunter sein. Wenn das Material so wichtig ist, wäre mindestens ein lokales Backup wohl wirklich mehr als ratsam gewesen.
(nie)











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