Chinas Chip-Offensive: Wie Peking die US-Sanktionen parieren will

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Im Sommer 2025 lud der chinesische Technologie-Gigant Huawei zu einem vertraulichen Treffen auf höchster Ebene. Ein Teilnehmer war kein Geringerer als Vize-Premierminister Ding Xuexiang, einer der engsten Vertrauten von Staatschef Xi Jinping. Huawei präsentierte dort neue Mikrochips für Künstliche Intelligenz und zeichnete eine kühne Vision: Binnen drei Jahren könne China in Schlüsselbereichen der KI-Hardware vollständig unabhängig von den USA werden und dem Marktführer Nvidia die Stirn bieten.

Für Peking kam dieses Versprechen zur rechten Zeit. Seit die USA den Export modernster KI-Prozessoren sowie der zur Chipfertigung benötigten Hochtechnologie drastisch einschränkten, schien Chinas Aufstieg zur globalen Tech-Supermacht ernsthaft gefährdet. Laut einem Bericht des Wall Street Journals reagierte die Führung in Peking darauf mit einer beispiellosen Mobilmachung der heimischen Industrie.

Unter Dings Regie reaktivierte die Führung Arbeitsweisen, die an die großen staatlichen Großprojekte der 1960er-Jahre erinnern, schreibt die Zeitung. Damals habe China unter hoher Geheimhaltung seine ersten Atom- und Wasserstoffbomben sowie Satelliten entwickelt. Ding habe ein Sonderkomitee gegründet, um die klügsten Köpfe aus Spitzenunternehmen und Forschungslaboratorien des Landes zusammenzuziehen.

Spezialisierte Teams seien angewiesen, jedes einzelne Segment der komplexen Halbleiter-Lieferkette zu analysieren und zu meistern, heißt es in dem Bericht. Dabei sei die Staatsführung keineswegs zimperlich vorgegangen. Gegenüber großen chinesischen Tech-Konzernen, die als Hauptabnehmer von KI-Beschleunigern agieren, soll der Vize-Premier unverblümt klargestellt haben: Jeder, der sich der Nutzung heimischer Chips widersetze, handle im Grunde wie ein Verräter. Dieser Druck zeigt Wirkung, hat aber auch ökonomische Folgen.

Nach Daten und Schätzungen der Investmentbank Morgan Stanley ist es Huawei und Partnern bereits gelungen, den Anteil ausländischer KI-Chips auf dem heimischen Markt zwischen 2021 und 2025 von 90 auf unter 60 Prozent zu senken. Neue Chip-Generationen sollen diesen Wert in den kommenden fünf Jahren auf etwa 25 Prozent drücken. Ein Wendepunkt war der neue KI-Prozessor Ascend 950, der mit überraschender Leistungsfähigkeit aufwartete. Tech-Giganten wie Meituan sollen eigene Sprachmodelle inzwischen ausschließlich auf chinesischer Hardware trainieren.

Parallel schloss der Startup-Sektor auf der Softwareseite überraschend schnell zur US-Konkurrenz auf: Die Pekinger Firma Moonshot AI stellte kürzlich mit Kimi K3 ein Modell vor, das in Leistungstests dicht an Branchengrößen wie OpenAI heranreicht. Dennoch stoßen die Entwickler offenbar rasch an physikalische Grenzen, da es ihnen an ausreichender Rechenkapazität fehlt. Moonshot musste die Registrierung für Premiumdienste bereits zwei Tage nach dem Start wegen Kapazitätsengpässen vorübergehend stoppen.

Die Hardware-Lücke zwischen den USA und China bleibt trotz aller Anstrengungen beträchtlich. Laut Einschätzungen des Analysehauses Bernstein verfügen Nvidias Top-Chips über etwa die vierfache Rechenleistung von Huaweis besten Modellen. Chinas gesamte KI-Rechenkapazität entsprach demnach 2025 nur rund 14 Prozent der US-Kapazität. Da US-Sanktionen den Zugriff auf moderne „Extreme-Ultraviolett-Lithografiesysteme“ (EUV) blockieren, müssen chinesische Fertiger wie SMIC auf ältere „Deep-Ultraviolett-Geräte“ (DUV) ausweichen. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass ein EUV-System des niederländischen Marktführers ASML nach China gelangt ist.

Huawei nutzt dabei komplexe Mehrfachbelichtungsverfahren und innovatives Chip-Design, um Silizium im 7-Nanometer-Bereich herzustellen. In der Branche ist von „feiner Schnitzkunst“ die Rede. Solche Umschweife bringen aber geringere Ausbeuten, höhere Fehlerraten und immense Mehrkosten mit sich. Um das Defizit bei der Einzel-Chipleistung auszugleichen, setzt Huawei vermehrt auf Netzwerkintegration: Hunderte Millionen zusammengeschalteter Halbleiter sollen im Verbund wie ein einziger Supercomputer agieren.

Um den immensen Rechenbedarf vorerst zu decken, greifen chinesische Akteure weiterhin auf Umwege zurück. Trotz verschärfter Beschränkungen gelangten Hunderttausende Nvidia-Prozessoren über Graumärkte, Drittstaaten oder ausländische Rechenzentren nach China. Als Nvidia-Chef Jensen Huang ein speziell gedrosseltes China-Modell anbot, empfand die Führung in Peking das als Demütigung und forderte heimische Konzerne auf, Einkäufe in den USA auf das Nötigste herunterzufahren.

Insgesamt bleibt der Weg zur echten technologischen Souveränität steinig. Halbleiterhistoriker Chris Miller verweist gegenüber dem Wall Street Journal darauf, dass die Entwicklung moderner Lithografiesysteme um ein Vielfaches komplexer sei als der Bau einer Atombombe. Analysten schätzen, dass China Jahrzehnte benötigen könnte, um eigene EUV-Maschinen zu entwickeln. Dennoch zeigt die beispiellose staatliche Kraftanstrengung, dass Peking entschlossen ist, den technologischen Graben zur westlichen Konkurrenz mit allen Mitteln zu verkleinern.

(nen)

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