CDU-Europaabgeordnete Bentele über ihre Partei und die Frauenfrage: „Im Konrad-Adenauer-Haus wurden gerade erst wieder viele Abteilungsleiterstellen nur mit Männern besetzt“

vor 3 Tage 1

Frau Bentele, Sie haben öffentlich mehr Unionsfrauen in Führungspositionen von Bundestagsfraktion und Kanzleramt gefordert. Verwiesen haben Sie dabei auf Empathie- und Instinktlosigkeit, mangelnde Bodenhaftung und Kommunikationsschwäche der bisherigen Führung. Was genau meinen Sie damit?
Kanzler Merz hat sich bei seinen engsten Beratern bisher für Männer entschieden. Die stellvertretenden Vorsitzenden der Bundestagsfraktion – fast alles Männer. Ich würde mir in der Führung mehr Frauen wünschen, die die Realitäten des normalen Lebens kennen und ansprechen. Zum Beispiel, weil sie sich um ihre altwerdenden Eltern kümmern, Kinder in Kita, Schule oder Ausbildung haben, selbstständig oder alleinerziehend sind. Ich will nicht mit Stereotypen argumentieren, aber es sind nun einmal meistens die Frauen, die die Care-Arbeit stemmen und sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt kümmern.

Empathie- und Instinktlosigkeit, an welche Gelegenheiten denken Sie da?
Die Union vereint aus gutem Grund unterschiedliche Sichtweisen auf unsere Gesellschaft: Junge Union, Frauen-Union, CDA, MIT, Klima-Union, Wirtschaftsrat. Parteiprogramme und Beschlüsse spiegeln diese Vielfalt wider und sind der Ort der Diskussion. Ich wundere mich, dass Jens Spahn zum Thema Leihmutterschaft nicht den Austausch mit der Frauen-Union gesucht und seinen Punkt nicht im Februar gemacht hat, als das Kind schon unterwegs war. Denn unsere Partei hat bewiesen, dass sie ernsthafte und respektvolle Debatten führen und neue Positionen entwickeln kann. Dafür sind Empathie und Instinkt notwendig, die man auch jenseits einschlägiger Männerzirkel erwirbt.

Tut der Kanzler genug, um Frauen in der Union zu fördern?
Das werden wir unter anderem bei den anstehenden Neubesetzungen sehen, aber das ist auch kein Thema, das bei einem einzigen CDU-Mann und allein an Spitzenpositionen aufzuhängen wäre. Dazu gehört die Überzeugung, dass wir als Volkspartei besser aufgestellt sind, wenn wir die vielen kompetenten Frauen in der Union aus der zweiten Reihe an die erste Stelle holen beziehungsweise sie sich gezielt über einen längeren Zeitraum hinweg bewähren lassen. Es gibt gute Beispiele für eigenständige und sogar schnelle Karrieren, wenn ich beispielsweise an Karin Prien denke oder an Felor Badenberg bei uns in Berlin oder an meine Kollegin Andrea Wechsler in Baden-Württemberg, die vor Kurzem Generalsekretärin wurde. Ich denke, auch vom Konrad-Adenauer-Haus könnte hier ein wichtiger Impuls ausgehen, wo leider gerade erst wieder viele Abteilungsleiterstellen nur mit Männern besetzt worden sind. Ich bleibe aus über 20-jähriger Erfahrung davon überzeugt: Es gibt genügend kompetente Frauen in der Union. Aber man muss ihnen einmal eine Chance geben, dann müssen alle selbst im knallharten Politikbetrieb schwimmen. Ich glaube außerdem grundsätzlich, dass gemischte Teams besser funktionieren.

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Gibt es auch Positiv-Beispiele?
Daniel Günther beispielsweise hat früh damit angefangen, gezielt Frauen und jüngere Männer zu Staatssekretären zu machen, damit sie später die Chance haben, gute Minister werden zu können. Frauen, auch wenn sie enorm kompetent und engagiert sind, müssen in der Politik häufiger als Männer ermuntert werden, eine Führungsaufgabe zu übernehmen, da sie sich das anders als Männer oft nicht natürlich zutrauen. Auch das ist Aufgabe einer Parteiführung.

Sie haben auch mangelnde Bodenhaftung kritisiert. Ist das ein Problem speziell im Kanzleramt, wo es vielleicht ohnehin nicht ganz einfach ist, die Bodenhaftung zu behalten?
Selbst im Kanzleramt sollte einem immer weiter bewusst bleiben, was die normalen Leute bewegt: Arbeitsplatz, Lebensmittelpreise, Wohnen, Sicherheit. Mandatsträger, Verwaltung, Staat – wir alle dienen nur unseren Bürgern. Deshalb ist es elementar, dass wir mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und unser Ohr eng an den Gesprächen an der Ladenkasse, in der U-Bahn, beim Friseur haben.

Kommunikationsschwäche war auch ein Punkt, den Sie bemängelt haben. Was meinten Sie damit?
Zum Beispiel die 1000-Euro-Prämie. Da haben sich rechtschaffene Unternehmer und Mittelständler auch bei mir ohne Ende beschwert: Wie könnt ihr Erwartungen wecken, die andere bezahlen sollen? Maßnahmen, die man nicht erklären kann, sollten das Kabinett nicht verlassen. Letztlich hat der Bundesrat das Ganze gestoppt.

Muss Nina Warken jetzt Chefin des Kanzleramts werden?
Der Kanzleramtschef oder die Kanzleramtschefin ist eine Vertrauensperson des jeweiligen Kanzlers, da mischt man sich von außen nicht ein. Nina Warken wird bisher als einzige Frau von den Berliner Politikbeobachtern als Kandidatin gehandelt. Mit ihrer Erfahrung, Karriere und ihrem persönlichen Hintergrund würde sie bestimmt vieles von dem mitbringen, was ich mir für unsere Union wünsche.

Sollte Warken Chefin des Kanzleramts werden, ist mindestens ihr Ministerinnenposten neu zu besetzen, womöglich auch mehr. Müssen dann weitere Frauen zum Zuge kommen?
Ich fände es gut, wenn die Parteiführung oder Nina Warken mithilfe ihres großen Netzwerks Frauen-Union in diesem Fall gezielt nach weiteren talentierten Frauen Ausschau halten würden, die aufrücken könnten.

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