Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.
Wichtige Updates
Medienbericht: Rentenkommission hat sich auf Empfehlungen geeinigt
Wadephul unterstützt Entschädigung für polnische NS-Opfer
Dobrindt hält Bürgergeld-Regelsatz für zu hoch
Merz bricht zu G-7-Gipfel auf und spricht über die Kriege in Iran und der Ukraine
Kritik an CDU Sachsen-Anhalt nach „Kumpel-Foto“ mit AfD-Spitzenkandidat
Schnieder: Bonner Rheinbrücke bleibt gesperrt
Die Bonner Nordbrücke ist eine der wichtigsten Autobahnbrücken über den Rhein in der Region. Anfang Juni musste sie wegen neu entdeckter Schäden überraschend komplett für den Verkehr gesperrt werden – und bleibt es auch erst einmal. Das sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), nachdem er an einer Sitzung des Lenkungskreises von Bund, Land und Kommunen teilnahm. Der Schaden sei größer als angenommen. Die Brücke aus den 1960er-Jahren solle nun abgerissen und neu gebaut werden.
Dabei gehe es jetzt um Schnelligkeit, sagte Schnieder. Das Vergabeverfahren werde sofort starten, sodass möglichst noch im Juli mit dem Abriss begonnen werden könne. Ziel sei es, dass die neue Brücke spätestens Ende 2028 für den Verkehr geöffnet werden kann.
Für die Region ist die Sperrung ein riesiges Problem – der ADAC sprach von einer „Vollkatastrophe“. Viele Autofahrer würden in den Kölner Raum ausweichen und dort das ohnehin schon am Limit laufende Verkehrssystem belasten. Auch die Wirtschaft zeigte sich extrem besorgt. „Die Rheinbrücken sind die Lebensadern unserer Region“, erklärte die IHK Bonn/Rhein-Sieg. In Bonn ballt sich seit der plötzlichen Sperrung der Verkehr. Die Stadt kündigte verschiedene Sofortmaßnahmen an, um die Situation zu entlasten. Unter anderem führte sie vorübergehend kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr ein, um mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn zu bewegen.
Das Land bröselt, schreibt SZ-Autor Christian Zaschke in seinem Essay über Deutschlands Identitätskrise:
SPD: Sind bereit, mit Union Blockaden zu überwinden
Für die angekündigten Reformen der Koalition signalisiert die SPD-Führung Kompromissbereitschaft, Sozialkürzungen lehnt sie aber ab. Derzeit arbeite das Bündnis hart daran, die notwendigen Reformen voranzutreiben, heißt es in SPD-Kreisen in Berlin zu den Verhandlungen mit der Union, die in diesen Tagen hinter den Kulissen stattfinden. „Das erfordert Kompromisse. Wir sind bereit, mit unserem Koalitionspartner die Blockaden in unserem Land zu überwinden.“
Voraussichtlich bei einem Koalitionsausschuss am 1. Juli wollen sich Union und SPD auf zentrale Reformvorhaben bei Steuern, Rente, Arbeitsmarkt und Bürokratieabbau einigen. Bereits am kommenden Dienstag will die Rentenkommission der Regierung ihre Reformvorschläge für die Alterssicherung vorlegen. Derzeit laufen intensive Vorbereitungen für die Spitzenrunde Anfang Juli, die dann ein Gesamtpaket schnüren soll, wie es in der Koalition heißt. In dem internen Papier der SPD-Parteizentrale wird versichert, das Reformpaket werde „eine gemeinsame Kraftanstrengung, damit es danach für alle einfacher und fairer ist“.
Die Reformen müssten sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit, das Wirtschaftswachstum und die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen auswirken. „(Sozial-)Kürzungsdebatten bringen uns nicht nach vorne.“ Auf Reformen zu verzichten, sei aber auch nicht sozial. Durch die Reformen solle es den Menschen und Deutschland im Jahr 2030 besser gehen als heute.
Die SPD-Führung geht auch auf den aktuellen Sparkurs der Regierung ein: „Wir bringen jetzt den Haushalt in Ordnung, damit wir in Zukunft wieder mehr Handlungsfreiheit haben“, heißt es. Haushaltskonsolidierung sei heute die Basis für dauerhaft hohe Investitionen in die Zukunft des Landes.
Spahn: Unternehmen sollten China-Risiken neu bewerten
Angesichts des Handelsstreits zwischen der EU und China hat Unionsfraktionschef Jens Spahn deutsche Unternehmen zu einer stärkeren Risikovorsorge aufgefordert. Sie sollten „ihre Risiken anders bewerten“ als noch vor drei oder vier Jahren, sagte der CDU-Politiker nach seiner Rückkehr von einer China-Reise dem Informationsdienst „Table.Briefings“.
„Ich frage jeden Unternehmer: Habt ihr den Stresstest so gemacht, dass Euer Unternehmen weiterlebt, wenn ihr Eure Anlage in China abschreiben müsst?“, sagte er. „Die Bundesregierung jedenfalls kann diese Risiken nicht übernehmen.“
Neue EU-Vorgaben zur Diversifizierung von Lieferketten lehnte Spahn aber ab, weil das zusätzliche Berichtspflichten bedeuten würde. „Zur Diversifizierung zwingen heißt ja wieder: Berichte schreiben, Nachweise erbringen“, erklärte er. „Dem kann ich wenig abgewinnen.“ Stattdessen sprach er sich unter anderem für neue Partnerschaften mit anderen Ländern aus.
Beim aktuellen EU-Gipfel in Brüssel beraten die Staats- und Regierungschefs über den weiteren Kurs gegenüber China. Im Fokus steht die Frage, wie Europa auf Chinas enorme staatliche Förderung, hohe Exporte und Rekordüberschüsse reagieren soll, die der europäischen Industrie durch billigere chinesische Konkurrenz zusetzen.
Arbeitszeit-Pläne von Bas sorgen für Krach in Koalition
Wenige Tage vor dem geplanten Reformgipfel der Koalition lösen Pläne von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zur Arbeitszeit helle Empörung bei Arbeitgebern und offenen Streit mit dem Regierungspartner aus. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wies den Entwurf scharf zurück. Dieser entspreche nicht dem Koalitionsvertrag und könne daher "keine Grundlage für die weitere Arbeit der Koalition hierzu sein".
Im Kern geht es um eine - im Koalitionsvertrag angekündigte - Lockerung des Acht-Stunden-Tages, die das Ministerium nun aber nur über Tarifverträge möglich machen will. An dieser Einschränkung entzündet sich die Kritik hauptsächlich. "Dieser Entwurf muss zurückgezogen und völlig überarbeitet werden", forderte BDA-Präsident Rainer Dulger. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander warf dem Ministerium "Arbeitsverweigerung" vor. Der Zentralverband des Handwerks sprach von einem "Bruch mit den im Koalitionsvertrag vereinbarten Zusagen". Der Handelsverband HDE sprach von einem verspäteten Aprilscherz.
Zuvor hatten die Arbeitgeberverbände BDA und Gesamtmetall die Pläne als Bürokratiemonster und Zumutung attackiert. Sie fordern seit Langem eine wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit. Die Gewerkschaften lehnen jede Aufweichung kategorisch ab.
Für die Koalition kommt der Streit zur Unzeit. Die Regierung steht ohnehin vor einer Belastungsprobe, da schwierige Beschlüsse über Reformen sowie über den Haushalt für 2027 anstehen. Das Arbeitsministerium war daher bemüht, die Wogen um das Arbeitszeitgesetz zu glätten. Bei dem Entwurf handele es sich um eine interne, nicht final abgestimmte Fassung.
Kernpunkt des Reuters vorliegenden Referentenentwurfs ist, dass Tarifparteien und unter bestimmten Voraussetzungen auch Betriebsräte künftig eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit vereinbaren können. Zudem soll eine grundsätzliche Pflicht zur elektronischen Erfassung von Beginn, Ende und Dauer der Arbeitszeit eingeführt werden, um Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts umzusetzen. Vertrauensarbeitszeit soll möglich bleiben, aber nur, wenn der Arbeitgeber sicherstellt, dass ihm Verstöße gegen Ruhezeiten bekannt werden.
Medienbericht: Rentenkommission hat sich auf Empfehlungen geeinigt
Die Rentenkommission der Bundesregierung hat sich laut einem Bericht des Handelsblatts auf eine Liste von rund 30 Empfehlungen geeinigt. Sie sollen Grundlage einer Rentenreform sein, ein wesentlicher Teil des Reformpakets, das die Regierung noch vor der Sommerpause im Bundestag beschließen lassen will. Am kommenden Dienstag sollen die Empfehlungen der Kommission vorgestellt werden, Wochen früher als ursprünglich geplant.
Bundeskanzler Friedrich Merz, der ebenso wie Sozialministerin Bärbel Bas an der Vorstellung teilnehmen wird, hatte erklärt, er sei zuversichtlich, dass man gute Vorschläge bekomme. „Und dann wird die Botschaft sein: Wir wollen unser Land so reformieren, dass auch nachfolgende Generationen, junge Generationen, die Chance haben, in Freiheit zu leben, im Frieden zu leben und im Wohlstand zu leben“, sagte Merz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz am Rande des G-7-Gipfels in Evian.
„Wir wollen unser Land so reformieren, dass auch nachfolgende Generationen, junge Generationen, die Chance haben, in Freiheit zu leben, im Frieden zu leben und im Wohlstand zu leben.“
Bundeskanzler Friedrich MerzAn der Kommission waren zahlreiche Wissenschaftler beteiligt, sowie Vertreter der drei Regierungsfraktionen. In dem Gremium wurde dem Handelsblatt zufolge über die Empfehlungen einzeln abgestimmt und mehrheitlich entschieden. Einstimmig sind die Beschlüsse jedoch nicht - SPD-Chefin Bärbel Bas hatte das im Vorfeld gefordert. Es ist unklar, ob das Auswirkungen auf die Reaktionen in der Koalition auf die Empfehlungen haben wird.
Wadephul unterstützt Entschädigung für polnische NS-Opfer
Außenminister Johann Wadephul (CDU) befürwortet Entschädigungszahlungen an noch lebende polnische Opfer des NS-Regimes. Das sagte er in einem Interview der Deutschen Welle und des polnischen Senders TVP. Anlass war der 35. Jahrestag des Deutsch-Polnischen Freundschaftsvertrages.
Aus der deutsch-polnischen Geschichte ergebe sich „eine Verpflichtung gegenüber Menschen, die in Polen gelitten haben“, so Wadephul. Dies sei mit dem Parlament abzustimmen, er hoffe auf Ergebnisse noch in diesem Jahr. „Aber mit mir haben Sie jemanden in der deutschen Regierung, der dafür ist“, sagte der Minister.
Er betonte die enge Partnerschaft mit Polen und die große Bedeutung des Landes in sicherheitspolitischen Fragen, was sich auch in der Unterzeichnung des neuen Verteidigungsabkommens niederschlage.
„Wir haben eine gemeinsame Aufgabe zur Verteidigung Europas gegen die russische Bedrohung. (…) Wir stehen zusammen. Und wir lassen uns nicht auseinanderdividieren.“
Außenminister WadephulWadephul betonte, Deutschland und Polen hätten „sehr viel bessere Beziehungen“, als man öffentlich den Eindruck habe. Auf die Frage, ob sich Polen im Falle einer russischen Aggression auf Hilfe durch Deutschland verlassen könne, antwortete Wadephul: „Wir werden keine Sekunde zögern. Deutschland stationiert zum ersten Mal in seiner Nachkriegsgeschichte eine volle Brigade in Litauen. Das ist sehr nah an Polen dran.“ Bei einem Angriff aus Nato-Territorium werde die Bundeswehr „sofort jeden Zentimeter verteidigen“.
Kritik an Dobrindt-Vorstoß zum Bürgergeld
Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch hat der Union in der Rheinischen Post vorgeworfen, mit dem angeblich großen Sparpotenzial beim Bürgergeld „Wahlkampf-Märchen aufzuwärmen“. Linken-Sozialexpertin Cansin Köktürk sagte der Zeitung, „nicht die Regelsätze sind zu hoch - die Arroganz, mit der hier über Menschen am Existenzminimum gesprochen wird, ist es“.
„Nicht die Regelsätze sind zu hoch - die Arroganz, mit der hier über Menschen am Existenzminimum gesprochen wird, ist es.“
Cansin Köktürk, die LinkeDie Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, betonte, dass das Bürgergeld zuletzt gar nicht angehoben wurde, „trotz immer weiter steigender Preise“.
Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, Bernd Rützel (SPD), warnte in der Debatte vor überzogenen Erwartungen. „Aus dem Wahlkampf müsste der Minister doch wissen, dass Milliardeneinsparungen nicht zu erzielen sind“, sagte er der Rheinischen Post. „Es ist leicht, zu sagen, wenn man Menschen wenige Euro wegnimmt, dass dann die Wirtschaft wieder brummt oder man erhebliche Einsparungen erzielen kann. Die Realität ist eine andere.“
Dobrindt hält Bürgergeld-Regelsatz für zu hoch
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält die Bürgergeld-Leistungen für zu hoch. „Die massiven Steigerungen beim Regelsatz in der vergangenen Wahlperiode haben zu erheblichen Kostensteigerungen geführt. Ich glaube, dass der Regelsatz derzeit zu hoch ist“, sagte Dobrindt dem Magazin Focus. Schließlich solle er das Existenzminimum abdecken und nichts darüber hinaus. „Das sollte nochmal auf den Prüfstand“, sagte der CSU-Politiker. Er sei nach wie vor der Überzeugung, dass im Zuge des von der schwarz-roten Koalition betriebenen Umbaus des Bürgergeldes „deutlich mehr Einsparungen möglich sind als bisher geplant“. Das Bürgergeld mit knapp 50 Milliarden Euro pro Jahr könne einen entscheidenden Beitrag zur Konsolidierung leisten.
Seit Anfang 2024 beträgt der Bürgergeld-Regelsatz für einen Alleinstehenden 563 Euro im Monat. Geringere Sätze gelten für Menschen, die mit einem Partner zusammenleben, sowie für Kinder. Der niedrigste Betrag von 357 Euro für Kinder bis fünf Jahren. Derzeit bekommen in Deutschland rund 5,3 Millionen Menschen Bürgergeld. Zum Juli wird das Bürgergeld von der Grundsicherung abgelöst. Damit gelten strengere Regeln für die Bezieherinnen und Bezieher. Wenn sie nicht wie vorgesehen mit dem Jobcenter zusammenarbeiten, können früher und in größerem Umfang als bisher Leistungen gekürzt werden. Zudem bekommt die Vermittlung in Arbeit in der Regel Vorrang vor einer Ausbildung oder Qualifizierung.
Pistorius plant Milliarden-Investitionen in Drohnenabwehr
Drohnen spielen in Konflikten eine immer größere Rolle. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat deshalb angekündigt, erheblich in die Drohnenabwehrbereitschaft der Bundeswehr investieren zu wollen. „Wir starten in diesen Tagen einen Aktionsplan Drohnen“, sagte der SPD-Politiker bei einem Truppenbesuch in Friesland in Niedersachsen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will die Bundeswehr rund 16 Milliarden Euro in diesen Bereich investieren, so Pistorius.
„Wir beschaffen Drohnen, die aufklären, wir beschaffen Drohnen, die wirken sowie angreifende Drohnen eben abwehren können – also das gesamte Spektrum“, sagte Pistorius. Bei der Einführung in die Truppe wolle man „sehr strategisch und sehr zielgerichtet“ vorgehen. Es komme darauf an, schnell, effektiv das Richtige zu beschaffen und damit in der Truppe zu üben.
Pistorius besuchte zusammen mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, das Objektschutzregiment „Friesland“ der Luftwaffe in Schortens (Landkreis Friesland). Dort ist ein sogenanntes Schnelles Reaktionselement (SRE) zur Abwehr von Drohnen stationiert. Die Luftwaffe wurde als erste Teilstreitkraft im April 2025 mit so einer Einheit ausgestattet. Inzwischen ist diese Einheit nach Angaben der Luftwaffe einsatzbereit und hat sich bereits bei Einsätzen und Übungen bewährt. Pistorius sagte, ab Juli würden alle Teilstreitkräfte der Bundeswehr über solche Drohneneinheiten verfügen.
Merz bricht zu G-7-Gipfel auf und spricht über die Kriege in Iran und der Ukraine
Bundeskanzler Friedrich Merz hat vor seinem Abflug zum G-7-Gipfeltreffen im französischen Evian den USA und Iran zum "diplomatischen Durchbruch" und der Einigung auf ein Friedensmemorandum gratuliert. Das Abkommen könne den Weg zu einer Erholung auch der Weltwirtschaft und einer Stabilisierung der Region bahnen.
"Die Straße von Hormus muss dauerhaft und uneingeschränkt für die freie Schifffahrt geöffnet werden", forderte Merz. Weitere Verhandlungen müssten zudem sicherstellen, "dass Iran sein militärisches Nuklearprogramm nachprüfbar und auf Dauer beendet". Deutschland, so der Kanzler, werde sich mit seinen Partnern engagieren, um die freie Schifffahrt zu gewährleisten. Dazu werde man in Evian mit US-Präsident Donald Trump, den europäischen Partnern und den Staaten der Region beraten.
Beschäftigen werde sie bei dem Gipfeltreffen auch der Krieg in der Ukraine. Die Dynamik habe sich zuletzt "deutlich zugunsten der Ukraine verändert". Die Ukraine sei "in neuer Position der Stärke", auch wegen der deutschen und europäischen Hilfen. Erstmals könne sich "langsam ein Fenster für die Diplomatie öffnen", sagte Merz, hin zu Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine, Russland, Europa und den Vereinigten Staaten. "Aber noch einmal: alles im Konjunktiv."
Bei dem Treffen der G-7-Staaten – zu der Gruppe gehören die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan – soll laut Merz auch über "eine Wachstumsagenda" gesprochen werden. Der Kanzler begrüßte es, dass der französische Präsident Emmanuel Macron weitere Staaten als Gäste zu dem Gipfel eingeladen hat, darunter Indien, Brasilien, Korea sowie Staaten aus der Golfregion und Afrika. Man wolle und müsse, so Merz, die G 7 weiterentwickeln.
Kritik an CDU Sachsen-Anhalt nach „Kumpel-Foto“ mit AfD-Spitzenkandidat
Grüne und Linke üben scharfe Kritik an der CDU Sachsen-Anhalt, nachdem ein gemeinsames Foto von CDU-Fraktionschef Guido Heuer mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Landtagswahlkampf für Wirbel gesorgt hat. Das Bild war am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Halberstadt entstanden. Der CDU-Mann stützt sich auf die Schulter des AfD-Politikers, beide Abgeordnete haben die Hand am selben Mikrofon.
„Diese Aufnahmen sind kein Versehen“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Clara Bünger, dem Spiegel. „Gestern hat Guido Heuer noch behauptet, er habe Ulrich Siegmund politisch konfrontiert. Heute zeigt sich: Das war eine Lüge.“ Heuer hatte nach Veröffentlichung des Fotos erklärt, er habe Siegmund ins Mikro gegriffen, weil dieser „die Unwahrheit“ gesagt habe. Ein später veröffentlichter kurzer Videomitschnitt hat Zweifel an dieser Darstellung aufkommen lassen.
Grünen-Chef Felix Banaszak kritisierte, dass sich der CDU-Fraktionschef in Sachsen-Anhalt „fröhlich mit dem AfD-Spitzenkandidaten ablichten“ lasse. Er wirft der CDU in Sachsen-Anhalt „unwürdiges Herumlavieren“ vor. Das Video zeige, „wie gut sich die beiden offenbar verstehen“ und wie „wenig Distanz“ noch vorhanden sei, sagte er dem Spiegel. Das lasse ihn zweifeln, ob „die klare Abgrenzung zur AfD in Sachsen-Anhalt über den Wahltag hinaus Bestand“ haben werde.
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In Wahlumfragen lag die AfD zuletzt mit Werten um 40 Prozent weit vor der CDU mit um die 25 Prozent. Immer wieder gibt es Spekulationen, dass die beiden Parteien nach der Wahl zusammenarbeiten könnten.
Texte von Digitalminister Wildberger mit KI erstellt
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) gerät wegen Texten, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) verfasst wurden, in den öffentlichen Fokus. Ein Ministeriumssprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Wildberger KI als Arbeitswerkzeug nutze. Das Handelsblatt entfernte einen Gastbeitrag des Ministers vorerst aus seinem Angebot.
Die Zeit hatte berichtet, Wildberger habe „offenbar“ mehrere Reden und Gastbeiträge für Zeitungen zu großen Teilen von Künstlicher Intelligenz schreiben lassen. Der Ministeriumssprecher teilte mit, Wildberger nutze KI als Unterstützung, „weil er überzeugt ist, dass Deutschland den produktiven und zugleich maßvollen Umgang mit KI schnell lernen muss“. Das gelte „auch für die Politik“. Laut Zeit wurden die Texte mit einer Analysesoftware untersucht. Dem Ergebnis zufolge stammte der Handelsblatt-Beitrag unter Wildbergers Namen aus dem April fast vollständig von einer KI, ein Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom März überwiegend. Auch eine Rede vor dem Atlantic Council in Washington, D. C. im Juli 2024 stammte laut Zeit komplett von einer KI, mehrere Reden im Bundestag zu größeren Teilen.
Der Ministeriumssprecher skizzierte die Reden-Entstehung. Jede Rede beginne mit einer Vorbesprechung des Redenreferats mit dem Minister zu Struktur, Wirkung und Kernaussagen. Danach erarbeite das Referat Inhalt, Argumentation und Struktur. „KI kann als Sparringspartner eingesetzt werden: um Gedanken zu ordnen, alternative Formulierungen zu prüfen, Kürzungen vorzuschlagen oder die Struktur zu schärfen.“ Die Überprüfung und Validierung müsse immer gesondert durch Menschen erfolgen, etwa um Fehler auszuschließen.
Zuvor war der thüringische Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) in die Kritik geraten, weil mehrere seiner Reden und Gastbeiträge oder Teile davon mit Hilfe KI erstellt worden sein sollen.
SPD-Politiker Beck: „Sehe Parallelen zur Weimarer Republik“
Der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Beck hat sich besorgt über die Zukunft der Demokratie in Deutschland geäußert. „Ich sehe in diesen Tagen viele Parallelen zur Weimarer Republik", sagte Beck den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Viele aktuelle Entwicklungen erinnern an diese Phase des Untergangs einer Demokratie."
Die Weimarer Republik war die erste demokratische Republik in Deutschland. Sie endete 1933 mit der Machtübernahme Adolf Hitlers und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Danach wurde Deutschland zur nationalsozialistischen Diktatur.
Mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im September werde ihm „sehr mulmig", sagte Beck weiter, der früher auch Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz war. Keine der demokratischen Parteien habe bisher ein Rezept gegen den Zulauf zur AfD gefunden, er auch nicht, sagte Beck. „Viele Menschen sind offenbar bereit, sich der Verlockung dieser Rechtsaußenpartei hinzugeben."
Aufregung um CDU/AfD-Foto aus Sachsen-Anhalt
Knapp drei Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat ein Foto von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und CDU-Fraktionschef Guido Heuer Diskussionen in den sozialen Medien ausgelöst. Das Bild war bei einer Podiumsdiskussion in Halberstadt (Landkreis Harz) entstanden, der CDU-Mann stützt sich auf die Schulter des AfD-Politikers, beide Abgeordnete haben die Hand am selben Mikrofon. Über die Veranstaltung hatte zunächst die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet, auf der Plattform X verbreitete auch der Berliner Journalist Robin Alexander das Foto.
Heuer wies den entstandenen Eindruck einer Vertrautheit am Rande des Landesparteitags der CDU in Dessau-Roßlau zurück. „Das war eher Konfrontation, keine Verbrüderung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es habe für mehrere Podiumsteilnehmer nur zwei Mikrofone gegeben. In der Situation habe er Siegmund ins Mikro gegriffen, weil dieser „die Unwahrheit“ gesagt habe. „Das war alles.“
Die Landtagswahl in Sachsen‑Anhalt ist für den 6. September terminiert. In Wahlumfragen lag die AfD zuletzt mit Werten um 40 Prozent weit vor der CDU mit um die 25 Prozent. Immer wieder gibt es Spekulationen, ob die beiden Parteien nach der Wahl zusammenarbeiten könnten. Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat das mehrfach ausgeschlossen. Zum Foto sagte der Regierungschef der dpa: „Man sollte das Foto nicht überbewerten.“ Guido Heuer habe lediglich nach einem Mikro gegriffen, so Schulze.











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