Bundesliga kompakt: FC Bayern hadert mit VAR und Roten Karten in Leverkusen

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Der Kater nach dem Fest: Mit einem 6:1 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Bergamo hatte der FC Bayern ein Ausrufezeichen gesetzt, eine Kampfansage an den europäischen Spitzenfußball. Vier Tage später stand wieder Liga-Alltag auf dem Programm: Bayer Leverkusen, Tabellensechster, satte 22 Punkte hinter dem Rekordmeister vor dem 26. Spieltag. Für die Bayern in ihrer Form ein Selbstläufer? Der Nachmittag in Leverkusen nahm schnell eine unliebsame Wendung: Nach sechs Minuten fiel das 0:1, in der 42. Minute sah Bayern-Stürmer Nicolas Jackson für ein grobes Foul an Martin Terrier am Mittelkreis glatt Rot.

Dann kam Kane: Die Bayern wollten die drohende Niederlage unbedingt vermeiden. Deshalb brachte Trainer Vincent Kompany in der 60. Minute den zuletzt angeschlagenen Harry Kane. Kaum war der Torjäger auf dem Platz, da attackierte er sofort Leverkusens Torhüter Janis Blaswich und provozierte den Ballgewinn. Dann schob der Engländer den Ball nach einem Pass von Luis Díaz über die Linie, 1:1, Sekunden nach seiner Einwechslung. Nur der Treffer zählte nicht: Kane soll den Ball bei Blaswichs missglückten Befreiungsschlag mit dem Arm berührt haben. Es war eine strittige Entscheidung.

Díaz-Jubel, Díaz-Frust: Zwölf Minuten nach Kanes Einwechslung erzielten die Münchner den Ausgleich zum 1:1 durch Díaz. In der 83. Minute sah der Kolumbianer dann Gelb-Rot, da er laut Schiedsrichter Christian Dingert mit einer Schwalbe einen Elfmeter schinden wollte. Auf den TV-Bildern sah es allerdings eher so aus, als sei Díaz ins Stolpern geraten. Eher eine unglückliche Schiedsrichter-Entscheidung.

Das Ergebnis: Beinahe hätten die Bayern das 1:1 in doppelter Unterzahl noch verloren. Doch das vermeintliche 2:1 durch Jonas Hofmann in der Nachspielzeit zählte wegen einer hauchdünnen Abseitsentscheidung nicht.

Die weiteren Ergebnisse: Der Tabellenzweite Borussia Dortmund gewann 2:0 (1:0) gegen den FC Augsburg und liegt neun Punkte hinter dem FC Bayern. Heidenheims Abstiegssorgen werden nach der 0:1 (0:1)-Niederlage bei Eintracht Frankfurt noch größer. Trainer-Rückkehrer Dieter Hecking und der VfL Wolfsburg erreichten bei den Champions-League-Anwärtern aus Hoffenheim ein Unentschieden.

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Rückkehrer: Es ist 537 Tage her, dass Sven Ulreich zuletzt bei den Bayern in der Bundesliga im Tor stand, das war im September 2024. Danach ist viel passiert, für Ulreich und seine Familie vor allem ein schwerer Schicksalsschlag. Im vergangenen Sommer starb Ulreichs sechsjähriger Sohn nach schwerer Krankheit. Die Münchner gaben ihrem langjährigen Torwart-Ersatzmann danach Zeit, Kraft zu finden. Sie verlängerten noch einmal den Vertrag des inzwischen 37-Jährigen, und nun wurde er nach der jüngsten Wadenverletzung von Manuel Neuer (der Nummer eins im Tor) und der Gehirnerschütterung von Jonas Urbig (der Nummer zwei) wieder gebraucht.

 Keine Chance

Ulreich beim 0:1: Keine Chance

Foto: Ina Fassbender / AFP

Wiedersehen macht nicht immer Freude: Bei seiner Rückkehr war Ulreich bereits nach sechs Minuten geschlagen, ein Schuss von Aleix García schlug über dem Münchner Torhüter ein. Ulreich war beim frühen 0:1 chancenlos, mitschuldig war Jonathan Tah, der den Ball abfälschte. Der Münchner Verteidiger kennt die Leverkusener bestens: Von 2015 bis 2025 trug er selbst ihr Trikot. In der 26. Minute erzielte Tah den vermeintlichen Ausgleichstreffer, doch weil der Abwehrspieler zuvor mit dem Arm am Ball gewesen war, zählte das Tor nicht. Unter der Woche habe es noch freundlichen Kontakt zu seinen alten Weggefährten gegeben, sagte Tah vor dem Spiel. Möglich, dass ihn nach diesem Tag noch einige neckische Kommentare seiner ehemaligen Teamkollegen erreichen werden.

Europa ruft wieder: Der FC Bayern will am Mittwoch gegen Bergamo den Viertelfinal-Einzug endgültig perfekt machen. Auch Leverkusen blickt mit Hoffnung auf die Königsklasse: Nach dem 1:1 im Hinspiel gegen den FC Arsenal reist der Bundesligist mit Chancen zum Rückspiel nach London.

Dortmunds großer Transfer: Bereits vor der Partie gab der BVB im Stadion einen spektakulären Wechsel zur kommenden Saison bekannt: Die 145-malige Nationalspielerin Alexandra Popp verlässt nach 14 Jahren den VfL Wolfsburg und wechselt zu ihrem Lieblingsclub, der derzeit noch in der Regionalliga spielt. Für das Männerteam hoffen die BVB-Fans nach den anstehenden Abschieden von Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan auf einen ähnlichen Paukenschlag.

Familienduell: Guten Tag, Schlotterbeck. Angenehm, ebenfalls Schlotterbeck. Mit Nico (Dortmund) und Keven (Augsburg) standen sich bei der Platzwahl die Gebrüder Schlotterbeck als Kapitäne ihrer Teams gegenüber. Jubeln durfte später der Jüngere, Nico: Karim Adeyemi traf nach herrlicher Kombination von Daniel Svensson und Maximilian Beier (13. Minute), der 18-jährige Luca Reggiani erhöhte mit seinem ersten Bundesligatreffer (59.) auf 2:0.

Auf Abschiedstour: Argumente für den Klassenerhalt des 1. FC Heidenheim werden selbst in Heidenheim nicht mehr vorgebracht. So geht es für das Team von Trainer Frank Schmidt um einen Abgang mit Abstand – und dem ein oder anderen Pünktchen. Das ging nach zwölf sieglosen Partien eine Hälfte lang gut. Einen eigenen Expected-Goals-Wert von 0,0 inklusive. Dann ging es dahin. Es bleibt bei 14 Punkten aus 26 Partien.

Buchmanns Erbe: Drei Heimsiege in Folge zum Start, das hat in der Bundesliga zuletzt 1980 (!) ein Eintracht-Trainer geschafft. Der Spanier Albert Riera hat dies nun 46 Jahre später wiederholt. Die ersten 45 Minuten der Eintracht waren allerdings sehr, sehr, sehr harmlos. Erst ein Standard mit folgendem Seitfallzieher von Arnaud Kalimuendo brach den Bann. Beim Kampf um Platz sieben hat die Eintracht gegen den SC Freiburg mal wieder vorgelegt.

The King is back: Vor knapp zehn Jahren musste Dieter Hecking beim VfL Wolfsburg gehen. Jetzt ist der 62-Jährige wieder zurück beim schwer abstiegsgefährdeten Club, den er 2015 zum Sieg im DFB-Pokal geführt hat. Und Hecking rührte erst mal Beton an, ließ Hoffenheim anrennen und vorn richtete es dann ein Innenverteidiger nach einem Standard: Konstantinos Koulierakis traf per Kopf. Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt, Hecking lächelte.

Die Nummer 18 ist es dann: Kein Club in den europäischen Top-5-Ligen verspielt so häufig eine Führung wie der VfL. Diese Serie setzt sich auch unter Hecking fort. Mit dem 18. Hoffenheimer Torschuss erzielte Grischa Prömel noch den hochverdienten Ausgleich.

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