Bei einem Besuch in Bosnien-Herzegowina hat Heeresinspekteur Christian Freuding vor einer Instrumentalisierung der Spannungen in der Region gewarnt. »Und wir sehen ja, dass es auch andere Akteure gibt, die versuchen, Einfluss in dieser Region zu nehmen«, sagte Freuding der Nachrichtenagentur dpa.
Experten beobachten mit Sorge, wie vor allem Russland, aber auch China ihren Einfluss im mehrheitlich serbischen Landesteil ausbauen. Dazu gehören Kooperationen beim Rohstoffabbau und bei Energiegeschäften, im Fall Chinas auch die Lieferung von Überwachungstechnik.
Die Bundeswehr stellt für die EU-Mission Eufor Althea in Bosnien-Herzegowina 36 Männer und Frauen. Die Truppe überwacht die Einhaltung des Dayton-Friedensabkommens, mit dem 1995 der Bosnien-Krieg beendet wurde. Im Land verteilt unterhält sie Verbindungsbüros. Diese dienen durch Gespräche mit der Bevölkerung und den Behörden auch als Frühwarnsystem für den Fall neuer Spannungen.
Seit dem Ende des Bosnien-Kriegs (1992–1995) vor mehr als 30 Jahren besteht Bosnien-Herzegowina aus zwei Landesteilen. Die Föderation Bosnien-Herzegowina (FBIH) ist das Gebiet, in dem vor allem Bosniaken und Kroaten leben. Die Republika Srpska (RS) wird vorwiegend von ethnischen Serben bewohnt. Die beiden Verwaltungseinheiten sind weitgehend eigenständig in Bereichen, die nicht die Außen-, Währungs-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik betreffen.
Donald Trump Junior hat Republika Srpska besucht
Für Aufsehen sorgte unmittelbar vor dem Besuch Freudings am Donnerstag und Freitag auch eine Reise von Donald Trump Junior, dem ältesten Sohn des US-Präsidenten, in die Republika Srpska. Deren Führung strebt nach einer Abspaltung vom Gesamtstaat. Der langjährige Präsident der RS, Milorad Dodik, war wegen separatistischer Aktivitäten nach einem Gerichtsurteil abgesetzt worden.
In der bosnischen Hauptstadt Sarajevo wird mit Sorge beobachtet, wie Dodik seine Beziehungen zu den USA und dem Umfeld von US-Präsident Trump verbessert hat. Washington hob Sanktionen gegen Dodik und sein Umfeld auf. Trumps Sohn stänkerte laut Medienberichten in Bosnien gegen die EU. Die US-Botschaft bezeichnete seine Reise aber als Privatbesuch.
Berichten zufolge gehört zum Kurs Dodiks auch, mithilfe einer Lobbyfirma in den USA für eine wohlwollende Haltung gegenüber bosnisch-serbischem Separatismus und für eine Auflösung gesamtstaatlicher Gerichte zu werben. Ziel sei es auch, den Hohen Repräsentanten der Internationalen Gemeinschaft im Land, den Deutschen Christian Schmidt (CSU), abzulösen.
Wahlen im Herbst
Im Oktober stehen in Bosnien-Herzegowina reguläre Parlaments- und Präsidentenwahlen an. Das Land ist vor dem Hintergrund der Kriege in der Ukraine sowie im Nahen Osten weitgehend von der internationalen politischen Bildfläche verschwunden. Es gilt den Militärs aber als Gebiet, in dem es indirekt zu Spannungen mit Russland kommen könnte.
Freuding besuchte ein sogenanntes »LOT«-Haus der Bundeswehr in Vlasenica im Osten der Republika Srpska. Diese Häuser dienen den »Liaison and Observation Teams« der EU-Truppe Eufor Althea als Unterkunft und regionale Zentrale. Freuding betonte, es sei wichtig, in der Krisenregion auf dem westlichen Balkan weiterhin ein gutes Lagebild zu haben, »um im Falle des Falles auch unsere Kräfte anpassen oder verstärken zu können«.

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