Ausprobiert: Klappmaus Logitech Mobi Fold

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„Oh, ein Klapphandy, gibt´s die noch?“ – das war bei vielen Menschen, denen wir die neue „Mobi Fold“ von Logitech gezeigt haben, die erste Reaktion. In der Tat sieht die kleine Reisemaus zusammengeklappt aus, wie ein Relikt der frühen 2000er-Jahre. Darin steckt aber deutlich modernere Technik, unter anderem Bluetooth 5.0 LE, USB-C und ein wechselbarer Akku.

Die schlechteste Eigenschaft des Zwergnagers gleich vorweg: Logitech möchte dafür 80 Euro haben. Dafür fühlt sie sich wie bei anderen hochpreisigeren Produkten des Herstellers auch entsprechend wertig an und funktioniert ziemlich problemfrei. Wir haben die Maus über mehrere Tage hinweg sowohl im Büro als auch unterwegs ausprobiert. Da kein Computerzubehör so individuell beurteilt wird, wie Eingabegeräte – man hat sie schließlich im Wortsinne in der Hand –, haben wir die Fold auch mehreren Personen kurz zur Verfügung gestellt.

Die ein Dutzend Kollegen und Freunde umfassende, und keinesfalls repräsentative Gruppe war sich, wie erwartet, uneinig: Die einen finden die Maus zu klein und zu, Zitat, „kippelig“, die anderen kamen auf Anhieb damit klar. Unter denen, die zum Beispiel für Medienbearbeitung, auch unterwegs mit Mäusen arbeiten, konnten sich alle die Fold als Alternative vorstellen. Zu teuer war die Maus aber allen Befragten: Maximal 50 Euro wollten sie, in anfänglicher Unkenntnis der UVP, für ein solches Gerät ausgeben.

Skeptiker ließen sich mit schwungvollem Zuklappen überzeugen: Das klingt stabil, ebenso fühlt sich auch das Gelenk an. Wir konnten es erst mit massiver Gewalt von beiden Händen aus den Rasten hebeln, danach ließ es sich wieder einrenken. Laut Logitech soll das Gelenk 15 Jahre bei täglicher Nutzung halten – die genaue Zahl der Klappvorgänge wird nicht angegeben. Gefaltet ist die Fold mit 85 × 57 × 22 Millimetern wirklich ziemlich klein. Oder, mit heute eher unpassendem Vergleich: Sie hat ziemlich genau das Volumen von zwei Dritteln einer Zigarettenschachtel mit 20 Stück. Besser vielleicht: Sie passt gerade so in die fünfte Tasche einer handelsüblichen Jeans.

Durch die abgerundeten Ecken und die griffige, aber weiche Silikonbeschichtung bleibt die Maus auch da, wo man sie hingesteckt hat und lässt sich ebenso einfach wieder aus der Tasche ziehen. Was erst mit dem Messschieber, vulgo, „Schublehre“, auffiel: Die Seite, an welcher aufgeklappt der Handballen aufliegt, ist magnetisch. Und zwar so sehr, dass die zusammengeklappte Maus auch an einem senkrechten Teil aus Stahl sicher haftet. Das Gegenstück steckt im Vorderteil, deshalb bleibt sie sicher geschlossen.

Der Magnet der Fold klebt sie sicher an Stahl – wie diesen Mikrofonständer. Und größerer Staub klebt sicher an der Siikonbeschichtung.

(Bild: Nico Ernst / heise medien)

Aufgeklappt ist die Fold an der Spitze ihrer dann dreieckigen Form 34 Millimeter hoch – nur etwas weniger als übliche, ergonomische Mäuse mit großer Auflage für die Hand. Natürlich ist die Formgebung gewöhnungsbedürftig, üblicherweise haben Mäuse nicht durchgängig ebene Flächen. Mit 120 Millimetern geöffneter Länge ist Logitechs neue aber auch wiederum nur wenig kürzer als stationäre Mäuse. Der Autor, mit durchschnittlich großen Händen, kam am besten klar, wenn er die Handfläche voll auflegte und die Finger leicht anwinkelte. In etwa so, wie der bei manchen Gamern beliebte „Claw Grip“.

Linke und rechte Taste arbeiten präzise und unauffällig, und auch das schnelle Blättern in Dokumenten klappt: Statt der meist per Daumen zu erreichenden Tasten für „vor“ und „zurück“ sitzen diese da, wo sonst das Scrollrad wäre, und zwar oben und unten. In diesem Streifen steckt auch ein Ersatz für das Rädchen, und zwar in Form einer Touchfläche. Die arbeitet fast auf dem Niveau moderner Trackpads und ist temposensibel: Die Scrollgeschwindigkeit passt sich dem Finger an, der den Streifen bedient. Das liest sich komplizierter, als es ist, in der Praxis ist das ziemlich intuitiv.

Bei Büroarbeit gibt es also kaum etwas auszusetzen, beim Spielen aber schon: Die Maus ist nicht besonders schnell. Bei einem fixen Shooter fiel das im direkten Vergleich mit einer ebenfalls drahtlosen Gaming-Maus von Razer (Basilisk X) durchaus auf. Da wir die Mobi Fold aber, wie vom Hersteller vorgesehen, per Bluetooth betrieben haben, war das zu erwarten. Gegenüber proprietären Dongles von modernen drahtlosen Mäusen ist Bluetooth mit viel höheren Latenzen gestraft. Die Fold unterstützt auch den Dongle namens „Bolt“ von Logitech, das wird aber nicht mitgeliefert – beziehungsweise nur in der „Business“-Version für dann 85 Euro.

Offenbar soll Bluetooth auch die bevorzugte Anbindung sein, denn die Maus lässt sich mit drei Geräten koppeln. Ist das geschehen, verbindet sich die Fold nach dem Aufklappen – das sie auch einschaltet – mit dem zuletzt genutzten. Zu den anderen wird mit einer Taste an der Unterseite umgeschaltet. Welches Gerät gewählt ist, zeigen drei LEDs an. Der Wechsel klappte im Test mit Windows-PC, Smartphone und Tablet problemlos. Auch Googles Fast-Pair für Android wird unterstützt.

Fast alle Technik steckt im Vorderteil, hier ohne Abdeckung von rechts oben: Sensor, LEDs und Gerätewahltaste, links daneben der wechselbare Akku. Der glänzende Stahlriegel dient dem Magneten im hinteren Teil als Gegenstück.

(Bild: Nico Ernst / heise medien)

Beim Spielen fiel auch auf, was zwei Personen mit der Kippstabilität meinten: Wer hektisch und fest auf die Maustasten hämmert, kann die Fold leicht seitlich abheben lassen. Das liegt daran, dass die Gleitflächen nur 37 Millimeter schmal sind. Das Tracking wiederum ist auf Oberflächen wie Holz, Kunststoff, harten Mauspads oder auch Papier sehr zuverlässig. Auch am Akku gibt es nichts zu mäkeln: Nach zwei Wochen war er bei gelegentlicher Nutzung von insgesamt rund 20 Stunden laut Windows noch zu 75 Prozent gefüllt, dabei gab es zahlreiche Koppelvorgänge. Logitech gibt für nur eine Minute Laden bei leerem Stromspeicher rund 22 Stunden Betrieb an. Weil wir die Maus nie ganz leer bekamen, ließ sich das nicht überprüfen. Eine volle Ladung soll für 30 Tage reichen.

Die drei verfügbaren Farben nennt Logitech „Graphite“, „Off-White“ und „Lilac“.

(Bild: Logitech)

Wer unterwegs eine sehr kompakte Maus braucht und den Preis nicht scheut, kann bei der Mobi Fold zugreifen. Die Kompromisse in der Handhabung sind gering, ein wenig gewöhnen muss man sich ohnehin an jedes Eingabegerät. Durch das Dreieck-Design ist die Klappmaus sicher nicht jedermanns Geschmack, da hilft nur ausprobieren. Auch wenn es nur ein neues Gadget als „conversation starter“ sein soll, wird man fündig – vor allem, wenn die Fold gefaltet auf dem Tisch liegt.

(nie)

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